Tatort-Kritik

Die Tat hinter der Tat

Eine junge Frau springt vom Dach, ein Polizist wird ermordet. Wie hängt beides zusammen? Wie so oft im Kieler „Tatort“ suchen die Ermittler in „Der Fluch der weißen Möwe“ nicht den Täter, sondern Antworten.
10.05.2020, 11:20
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Die Tat hinter der Tat
Von Katharina Frohne

Der Kieler Hafen von oben, eine Frau Anfang 20 stolpert auf einem Hochhaus herum, in der Hand eine halbleere Flasche Wodka. Über das Pfeifen des Windes legt sich ein Lied, eine Stimme rappt: „Gestern Nacht hab' ich vom Fliegen geträumt und es war wunderschön.“ In diesem neuen „Tatort“ aus Kiel allerdings fliegt niemand, stattdessen wird gefallen, manchmal sinnbildlich, manchmal bis in den Tod. Auch die Frau lässt sich in die Tiefe kippen, vier zur Hilfe gerufene junge Polizisten schauen hilflos dabei zu.

Wenig später wird einer von ihnen ermordet, und die Tat ist wohl eine der unvorhergesehensten in der Geschichte des Formats. Weniger schwer erahnbar ist, dass beides irgendwie zusammenhängt: die Frau auf dem Dach, der tote Polizist. „Irgendwas muss doch passiert sein“ – diesen Satz sagt Borowski (Axel Milberg) gleich mehrfach. Nur was? Kollegin Sahin (Almila Bagriacik) und er müssen in den eigenen Reihen ermitteln - und tappen lange im Dunkeln.

Wie oft im Kieler „Tatort“ steht auch in diesem früh fest, wer der Täter ist; seine Spannung verdankt der Fall der vertrakten Suche nach dem Warum. Der Tat hinter der Tat (Regie: Hüseyin Tabak, Buch: Eva und Volker A. Zahn). Dieses Rezept geht auch in „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) auf – was hauptsächlich dem sympathisch verzweifelten Spiel seines minimalkommunizierenden Ermittlerpaars geschuldet ist. Vor allem die wunderbare Almila Bagriacik – anfangs oft als Borowskis Assistentin verkannt – bekommt endlich die Chance, mehr von sich zu zeigen.

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