Das Gute und das Böse

"Tatort"-Kritik: "Wahre Lügen"

Der neue Tatort aus Wien rankt sich um einen echten österreichischen Kriminalfall der 80er-Jahre: den rätselhaften Tod des Politikers Karl Lütgendorf. Überraschende Wendungen sorgen bis zuletzt für Tempo.
11.01.2019, 15:37
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Von Katharina Frohne
"Tatort"-Kritik: "Wahre Lügen"

Die Wiener Ermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) stoßen in "Wahre Lügen" auf einen nicht restlos aufgeklärten Todesfall aus der Vergangenheit.

ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

Fast auf den Tag genau 20 Jahre ist es her, dass Oberstleutnant Eisner (Harald Krassnitzer) seinen ersten Fall übernahm. Vielleicht beginnt der neue Wiener Tatort deshalb mit einem sehr nachdenklichen Moritz. „Was die sogenannten Guten tun, ist oft nicht gut für andere; und was falsch ist, sieht man oft erst, wenn es zu spät ist“, sinniert der schon während des Vorspanns; die Kamera schwenkt indes auf die glatte, dunkle Oberfläche des Wolfgangsees bei Salzburg, aus dem wenig später die Leiche einer jungen Journalistin geborgen wird.

Der „Tatort“ wäre nicht der „Tatort“, wenn Eisner zufällig ins Philosophieren geraten würde. Und so ahnt der Leser bereits, was ihn erwartet: eine 90-minütige Abhandlung über die Subjektivität des Guten und des Bösen, über Opfer und Täter und die große Grauzone dazwischen. Ein „Tatort“ also, der Gefahr läuft, sich wie so viele seiner Vorgänger an großen Sinnfragen zu verheben. Tatsächlich ist dem ORF mit „Wahre Lügen“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) ein unterhaltsames Filmchen gelungen – was nicht zuletzt daran liegt, dass es ein Stück reale Kriminalgeschichte verhandelt. Wie Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) bald erfahren, hat die tote Journalistin im Fall Karl Lütgendorf ermittelt. Den gab es tatsächlich: Der frühere Verteidigungsminister war 1981 unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen. Suizid, ließen die Behörden nach Abschluss der Ermittlungen verlauten. Doch schnell wurden Zweifel laut. Wurde der Politiker umgebracht, weil er in illegale Waffengeschäfte verwickelt war?

Was als klassischer Mordfall beginnt, zieht schnell weite Kreise. Eisner und Fellner pendeln zwischen Salzburg und Wien, befragen die verstörte Lebenspartnerin der Toten (Emily Cox), schlagen sich mit „tatort“-typisch windigen Journalisten (alles für die Story!) und einer standesgemäß unterkühlten Generaldirektorin für Innere Sicherheit herum. Ganz ohne Klischees und kleine Ungereimtheiten kommt der neue Wiener Fall nicht aus, trotzdem gelingt es Thomas Roth (Regie und Buch), mit überraschenden Wendungen bis zuletzt für Tempo zu sorgen. Eine Jubiläumsfolge, die nicht enttäuscht. In Eisners Worten: Passt scho.

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