Tatort

„National feminin“ in Göttingen: Hip und ranzig

Ihr neuer Fall führt die Göttinger Ermittlerinnen Schmitz und Lindholm ins Milieu der Neuen Rechten. Für den Mord an der Bloggerin Marie Jäger kommen mehrere Verdächtige infrage.
26.04.2020, 10:51
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„National feminin“ in Göttingen: Hip und ranzig
Von Iris Hetscher
„National feminin“ in Göttingen: Hip und ranzig

Rosen für die eine, Enttäuschung für die andere: Anais (Florence Kasumba), ihr Ehemann Nick (Daniel Donskoy) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler).

Frizzi Kurkhaus

Die Jurastudentin Marie Jäger wird ermordet im Göttinger Stadtwald aufgefunden – und gleich bricht ein Spektakel sondergleichen auf Twitter los. Ist Marie (Emilia Schüle) etwa von einem eingewanderten „Messermann“ getötet worden? Immerhin hat die Aktivistin der rechtsextremen „Jungen Bewegung Göttingen“ Anzeige gegen einen Stalker gestellt, diesen aber nur sehr vage beschrieben. „Das sieht so aus, als würde es ein echter Scheißtag“, sagt Kommissarin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) zu ihrer Kollegin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). Und genau so kommt es.

Die „Tatort“-Folge „National feminin“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) spielt im Milieu der neuen Rechten, das Drehbuchautorin Franziska Buch mit geschickten dramaturgischen Pinselstrichen in der Mitte der Gesellschaft platziert. Die „Junge Bewegung Göttingen“ gibt sich hip und social-media-affin, was in krassem Gegensatz zu ihren ranzigen Inhalten und dem hasserfüllten Ton der Kommentare im Netz steht: für „Remigration“, gegen „Gender-Irrsinn“ und so weiter. Marie Jäger war eine der Galionsfiguren, die in ihrem Video-Blog „National feminin“ gegen den „modernen Feminismus“ stichelte. Ins Visier der Ermittlerinnen gerät schnell eine andere ultrakonservative Vorzeigefrau: Sophie Behrens wird von Jenny Schily facettenreich als Alice-Weidel-Klon angelegt. Die stramm rechte Juristin soll Verfassungsrichterin werden – und hatte eine Affäre mit Marie. Doch es gibt auch immer noch diesen unbekannten Stalker, der Schmitz und Lindholm Kopfzerbrechen bereitet.

„National feminin“ ist temporeich inszeniert und packend gespielt, auch wenn man die Auflösung bald ahnt und die Dialoge, wie so oft im „Tatort“, streckenweise unbeholfen formelhaft sind. Nach wie vor völlig überflüssig ist die Rosamunde-Pilcher-hafte Nebenhandlung mit einer in den Ehemann ihrer Kollegin vernarrten Charlotte Lindholm.

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