Neuer Leiter der Dramaturgie Schauspiel

Theater Bremen stellt Herbstprogramm der nächsten Spielzeit vor

Das Theater Bremen gibt zunächst nur die Pläne für die erste Hälfte der Spielzeit bekannt. Außerdem wurde auf der Spielplan-Pressekonferenz für eine Sparte ein neuer Leiter vorgestellt.
20.06.2020, 05:00
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Theater Bremen stellt Herbstprogramm der nächsten Spielzeit vor
Von Iris Hetscher
Theater Bremen stellt Herbstprogramm der nächsten Spielzeit vor

Jede zweite Reihe im Theater am Goetheplatz ist ausgebaut worden, um den Abstandsregeln zu genügen.

Karsten Klama

Aus April ist Juni geworden, aus der Vorstellung der kompletten nächsten Spielzeit eine Vorschau auf die Zeit bis zum Jahresende: Das Theater Bremen präsentierte am Freitag – acht Wochen nach dem ursprünglich dafür angesetzten Termin – die erste Halbzeit der neuen Saison. Denn, wie Intendant Michael Börgerding erklärte, wolle man weiterhin vorsichtig bleiben angesichts der veränderten Situation durch das Corona-Virus. Von daher ist das Programm überschrieben mit „Premieren/Wiederaufnahmen bis Dezember 2020“.

Bevor er in die nahe Zukunft blickte, schaute Michael Börgerding kurz zurück. Die noch laufende Saison sei bis zu ihrem Abbruch Mitte März „sehr erfolgreich gewesen“ und man werde sie, auch dank der Kurzarbeiterregelung, nicht mit roten Zahlen beschließen. In der kommenden, für ihn neunten Spielzeit, werde man aber zunächst nur ein Fünftel der geplanten Einnahmen erwirtschaften können. Die Hygieneregeln bewirken, dass im Theater am Goetheplatz nur 193 Plätze, im Schauspielhaus 52 Plätze für das Publikum zur Verfügung stehen.

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Man wolle daher sparen, kündigte der Intendant an. Das heiße beispielsweise, Stücke würden häufiger en suite, also an aufeinanderfolgenden Tagen, gespielt, und man lade weniger Gäste ein. Das Fest-Abo werde ein Jahr ausgesetzt, den Abonnenten wird dafür eine „Abo-Theatercard“ angeboten mit einem Vorkaufsrecht für Tickets.

Schauspiel

Dann stellte Michael Börgerding einen Neuzugang vor. Stefan Bläske folgt Simone Sterr als Leiter der Dramaturgie Schauspiel. Der promovierte Theaterwissenschaftler arbeitete als freier Dramaturg unter anderem an der Berliner Schaubühne und am Schauspielhaus Zürich. Zuletzt war er leitender Dramaturg am NTGent in Belgien. Bläske stellte die neun Produktionen vor, die im Schauspiel zu sehen sein werden, davon einige Wiederaufnahmen, aber auch vier Uraufführungen. Bei allen ist die Prämisse: Sie müssen mit wenigen Menschen auf der Bühne umgesetzt werden, die möglichst wenig Kontakt zueinander haben.

Los geht's am 29. August mit „Schäfchen im Trockenen“ über Gewinner und Verlierer auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Nina Mattenklotz inszeniert nach dem Roman von Anke Stelling. Am 12. September feiert das Lustspiel „Trüffel, Trüffel, Trüffel“ nach Eugène Labiche Premiere. Die Inszenierung von Felix Rothenhäusler war bis vor Kurzem an den Münchener Kammerspielen zu sehen. Zwei Wochen später bringt Armin Petras sein von ihm unter dem Pseudonym Fritz Kater verfasstes neues Stück „Düsterer Spatz am Meer/Hybrid (America)“ zur Uraufführung. Ebenfalls zum ersten Mal gezeigt wird am 5. November „Mutter Vater Land“ von Akin Emanuel Sipal über „hundert Jahre Familiengeschichte“ zwischen Istanbal, Breslau, Adana, Athen und Hamburg.

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Es folgt eine weitere (verschobene) Uraufführung am 20. November: „Wüst oder Die Marquise von O... – Faster Pussycat! Kill Kill!“ ein Mix aus Heinrich von Kleist und Russ Meyer zum Thema „normative Weiblichkeit“ (Vorlage: Enis Maci, Regie: Elsa-Sophie Jach). Das Familienstück „Ronja Räubertochter“ nach dem Roman von Astrid Lindgren in der Regie von Klaus Schumacher startet am 22. November. Am 5. Dezember richtet Alize Zandwijk „Moby Dick“ nach Herman Melville ein mit Nadine und Denis Geyersbach und dem Musiker Beppe Costa.

Musiktheater

„Glück im Unglück“ nannte die leitende Dramaturgin Brigitte Heusinger die Prä-Corona-Planung im Musiktheater. Denn „Die menschliche Stimme/La Voix humaine“ von Francis Poulenc (Text: Jean Cocteau) ist eine sogenannte Mono-Oper, bei der Sopranistin Nadine Lehner als „Die Frau“ allein auf der Bühne steht (Premiere: 1. Oktober, Regie: Vivien Hohnholz). Auch die Neueinrichtung eines Mozart-Hits durch Michael Talke und Killian Farrell unter dem Titel „Papageno erfindet die Zauberflöte“ kommt mit wenig Personal aus und wird 90 Minuten kurz sein (ab 7. November).

Halb konzertant wird die Inszenierung von Rossinis „Die Italienierin in Algier“ daher kommen, in der Regie von Martin G. Berger. Zwei Liederabende komplettieren das Angebot: der John Lennon gewidmete „Imagine“ (Konzept: Yoel Gamzou/Tom Ryser; ab 17. Oktober) und am 13. September „Mit Abstand das Schönste“, eine „Wiedersehensgala“ der Sängerinnen und Sänger mit beliebten Duetten, Terzetten und Ensembles. Verzichten muss die Sparte (vorerst) auf große Produktionen wie „Falstaff“ oder „Tosca“, dafür kann man sich auf einen „King Arthur“ nach Henry Pucell von Schorsch Kamerun (Goldene Zitronen) freuen, der für Juni 2021 avisiert ist.

Tanz

Ist das Abstand halten im Musiktheater schon eine Kunst, gilt das für die Tanzsparte erst recht. Und so kündigte der Künstlerische Leiter Gregor Runge immerhin die nachgeholte Premiere von „Futuralgia“ für den 10. Oktober an. Choreografin Núria Guiu Sagarra beschäftigt sich darin mit dem Körper im digitalen Zeitalter. Außerdem gibt es ab dem 16. Oktober ein weiteres Projekt von „Tanzraum Nord“ zu sehen: „Momentum Zero“ von Helge Letonja/Of Curious Nature.

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Junges Theater

Das Moks feiert am 3. Oktober seine erste Premiere mit einem exakt in die Zeit passenden Stück über Verschwörungstheorien: „Conspir4.cy (Keine Zufälle)“ von Konradin Kunze. Ab dem 4. November wird es außerdem ein „begehbares Hörspiel“, so Leiterin Rebecca Hohmann, geben: „Das Fundstück“. Die Jungen Akteure holen eine Premiere nach: „Like a Virgin“, ein „Schmusical“ über Teenager, Sexualität, aber auch das patriarchale System (25. Oktober).

Info

Zur Sache

Sommertheater vor dem Schauspielhaus: „Aus dem Hof“

Vier Wochen lang zeigt das Theater Bremen auf dem Hof vor dem Schauspielhaus Open-Air-Theater. Die nächsten Termine:

„Dog Days“, eine Performance mit Ernest Borgeest und Nora Strömer, Sonnabend, 20. Juni,
17 und 19 Uhr

„Peter und der Wolf“, ein Musikmärchen mit Christian-Andreas Engelhardt und Killian Farrell, Sonntag, 21. Juni, 11 Uhr

„Young Dogs do come back sometimes“, ein Performance-Konzert, Sonntag, 21. Juni, 15 und 17 Uhr

„Teufel, Mörder, Schurken“, abgründige Gestalten in der Musik mit Christoph Heinrich, Mirjam Rast und Polina Bogdanova, Mittwoch, 24. Juni, 17 und 19 Uhr

Personalisierte Karten können vorab unter www.theaterbremen.de erworben werden. Abendkasse eine Stunde vor der Vorstellung.

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