Aktion "Klassen los!" Theater will sozial schwachen Klassen helfen

Bremen. Bürgermeister Jens Böhrnsen hat mit Vertretern des Bremer Theaters die Aktion "Klassen los!" vorgestellt. Das Projekt soll Klassen aus ärmeren Stadtteilen den Besuch einer Vorstellung ermöglichen. Dabei können Paten zwischen verschiedenen Spendenmodellen wählen.
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Theater will sozial schwachen Klassen helfen
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Bürgermeister Jens Böhrnsen hat mit Vertretern des Bremer Theaters die Aktion "Klassen los!" vorgestellt. Dabei können Paten aus drei verschiedenen Spendenmodellen wählen. Von dem Geld soll Schulklassen aus wirtschaftlich benachteiligten Stadtteilen ein Besuch in einer Vorstellung ermöglicht werden. "Ein herausragendes Projekt, dass sich in unsere Bemühungen einreiht, allen Kindern kulturelle Teilhabe und Bildung zukommen zu lassen", sagte Böhrnsen.

Von dieser kultureller Teilhabe war in der letzten Zeit viel die Rede. Zehn Euro stehen in der Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze dafür pro Kind zur Verfügung. Ein Beitrag der für wirkliche kulturelle Teilhabe aber nicht reicht. Daher hat das Theater Bremen jetzt die Aktion „Klassen los!“ ins Leben gerufen. Das Prinzip ist einfach: Unternehmen oder Privatpersonen können Pate werden und das Projekt finanziell unterstützen. Schulklassen aus sozial schwächeren Stadtteilen können eine Bewerbung für einen Theaterbesuch einreichen und kommen dann umsonst ins Theater.

„Wir wollen kein Theater, das nur von bestimmten Schichten besucht wird“, sagte Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen (SPD) bei der Vorstellung des Projekts in der Theatergalerie. Doch genau das ist im Moment der Stand der Dinge. „Es ist kein Spezifikum von Bremen, dass wir nicht alle erreichen, die wir erreichen wollen. Das ist auch bundesweit so“, sagte Böhrnsen. In Bremen soll jetzt jedoch ein möglichst großer Schritt unternommen werden, um das zu ändern. Immerhin ist hier laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung jedes dritte Kind auf Hartv IV angewiesen.

Drei verschiedene Paten-Modelle

Bei "Klassen los!" können Paten zwischen drei verschiedenen Spendenmodellen wählen. Für einmalig 31 Euro können sie Kinder und Jugendliche aus Bremen einen Monat lang mit einem Euro am Tag unterstützen. Monatspaten fördern die Begegnung mit dem Theater mit einem Betrag von mindestens zehn Euro im Monat kontinuierlich. Außerdem ist auch eine Jahrespatenschaft möglich – für 365 Euro im Jahr, also einem Euro am Tag. 6500 Euro sind seit der ersten Vorstellung der Aktion beim Tag der Offenen Tür des Theaters so schon zusammengekommen. Gespendet haben Privatpersonen genauso wie der Verein der Bremer Theaterfreunde, Werder Bremen oder Bremer Unternehmen. Ein guter Anfang, mehr aber auch nicht.

Auch bei den Schulklassen hat die erste Präsentation der Aktion schon Früchte getragen. Zwölf Klassen haben sich bereits für einen Theaterbesuch beworben, mit einem selbstgeschriebenen Rap, Kollagen oder einer Klassenzeitung. Wesentliches Element von „Klassen los!“ sei nämlich genau diese Bewerbung, erklärte Rieke Oberländer, Leiterin der Theaterpädagogik am Bremer Theater. Die Klassen bewerben sich für ein bestimmtes Stück. Dafür stehen verschiedene Produktionen aus den Sparten Schauspiel, Tanz und Oper zur Auswahl. „In der Bewerbung sollen die Klassen dann zeigen, dass sie sich schon mit dem Stück auseinandergesetzt haben“, sagt Oberländer. Die Kreativität der Bewerbungen solle auch dafür sorgen, dass die Initiative zu einem Theaterbesuch nicht nur von den Lehrern ausgehe.

Hat die Bewerbung dann Erfolg, begleiten die Theaterpädagogen den Besuch mit Workshops, Vor- oder Nachgesprächen. In einem Klassenbuch werden Fotos der Schüler und Erlebnisberichte zu lesen sein. „Für viele Schüler ist das Theater ein so forderndes Medium, dass da am Anfang noch Barrieren zu überwinden sind“, erklärte Oberländer, „in der Schule werden sie darauf getrimmt, dass sie alles verstehen sollen. Wir wollen ihnen aber vermitteln, dass das im Theater anders ist. Hier geht es nicht ums Verstehen, sondern ums Erleben.“

Positive Begegnung mit dem Theater

Und um dieses Erleben, um eine positive Begegnung mit Theater, Oper oder Tanz geht es in „Klassen los!“. Denn nach wie vor sei ein Besuch mit der Klasse für viele Kinder und Jugendliche der erste Kontakt mit dem Theater, erklärt die Leiterin des Moks, Rebecca Hohmann. Studien hätten zudem gezeigt, dass Menschen, wenn sie als Kinder oder Jugendliche nicht in Kontakt mit dem Theater kommen, auch später nicht mehr damit beginnen, ein solches zu besuchen.

Eine Erfahrung, die auch Jens Böhrnsen gemacht hat. „Bei mir ist in der Jugend die Lust auf das Theater dadurch gewachsen, dass Leute in meinem Umfeld zu mir gesagt haben: ‚Geh da mal hin!‘“. Einen ähnlichen Effekt soll, so sein Hoffnung, das Projekt nun für diejenigen Jugendlichen haben, deren Familien sich das sonst nicht leisten könnten. Auch für die Paten sei das eine gute Sache. Mit einem vergleichsweise kleinen Betrag könnten sie hier eine konkrete Hilfe leisten, sagte Böhrnsen. „Und durch das Klassenbuch haben sie die Möglichkeit, unmittelbar zu sehen, wo das Geld hingeflossen ist.“

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