Die Klassische Philharmonie Bonn spielt rundum gelungenes Auftaktkonzert in der Bremer Glocke

Traumhaft und dynamisch

Bremen. Ein junges, gut aufgestelltes Orchester, angeleitet von Heribert Beissel, der sich als künstlerische Leitfigur mit jahrzehntelanger Erfahrung bei der Auswahl der Stücke weitgehend beschränkt auf die Stilepoche der „Wiener Klassik“: Das ist das beliebte Format der gleichnamigen Konzertreihe der Klassischen Philharmonie Bonn, die ihre neue Saison in der Glocke nach bewährtem Muster mit einem reinen Beethoven-Programm eröffnete.
04.10.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gerd Klingeberg

Bremen. Ein junges, gut aufgestelltes Orchester, angeleitet von Heribert Beissel, der sich als künstlerische Leitfigur mit jahrzehntelanger Erfahrung bei der Auswahl der Stücke weitgehend beschränkt auf die Stilepoche der „Wiener Klassik“: Das ist das beliebte Format der gleichnamigen Konzertreihe der Klassischen Philharmonie Bonn, die ihre neue Saison in der Glocke nach bewährtem Muster mit einem reinen Beethoven-Programm eröffnete.

Die Ouvertüre zu „Egmont“, die die schicksalshafte Geschichte des Titelhelden aus dem niederländischen Freiheitskampf in starken Motiven nachzeichnet, diente als idealer Einsteiger.

Anfangs noch etwas blass und mit einigen eher dünnen Streichereinsätzen, dann zunehmend markanter akzentuiert und mit martialischem Gepräge bis hin zum finalen Jubel gelang den Bonnern unter Beissels motivierendem Dirigat eine packende Umsetzung der vielschichtigen Vorlage. Gleichermaßen energiegeladen ging es an das Klavierkonzert Nr. 3, bei dem der 26-jährige Solist Florian Glemser mit pianistischer Perfektion überzeugte.

Glemser präsentierte sich mit brillantem Anschlag und transparenter Tongebung; durch sorgfältig dosierten Pedaleinsatz vermied er jegliche Eintrübung oder Verwischung seiner klar strukturierten Klangzeichnungen und verlieh damit den Ecksätzen eine angenehm leichte und beschwingte Note, ohne damit den thematischen Verlauf zu banalisieren.

Versiert und feinfühlig gestaltete er den innigen Largo-Mittelsatz als gleichsam berauschenden Höhepunkt, dessen expressiv-poetischer Charakter nur kurzzeitig durch etwas zu forcierten Orchestereinsatz gemindert wurde.

Zum orchestralen Glanzstück geriet die abschließende Sinfonie Nr. 7 A-Dur. Großartig der lyrische Tonfall der Einleitung, der in nuancierter Abfederung in ein enthusiastisches, von dynamischer Verve durchdrungenes Vivace einmündete.

Traumhaft schön auch das klangvolle Pianissimo der tiefen Streicher beim (nur vermeintlichen) Trauermarsch des langsamen Folgesatzes, der tiefsinnig geheimnisvoll, aber nicht unnötig gedehnt oder gar bedrückend düster startete, jedoch zunehmend von tänzerischem Impetus bestimmt war. Und schließlich das Finale, bei dem das Orchester mit scharfen Attacken in furiosem Querfeldeingalopp geradezu wie entfesselt, aber dennoch mit größter Akkuratesse aufspielte. Tosender Applaus für ein rundum gelungenes Auftaktkonzert.

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