Ein Bremer beim Wettjazzen Trio im Finale des Neuen Deutschen Jazzpreises

Bremen. Hat sich gerade noch der Bremer Saxofonist Dirk Piezunka in der Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik wieder gefunden, so hat es jetzt John-Dennis Renken mit seinem Zodiak Trio ins Finale zum Neuen Deutschen Jazzpreis geschafft.
10.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Emigholz

Bremen. Urplötzlich ist offenbar Jazz aus Bremen bundesweit interessant geworden. Fand sich gerade noch der Bremer Saxofonist Dirk Piezunka mit seinem Trio Jazz'N'Spirit in der Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik wieder, so hat es jetzt John-Dennis Renken mit seinem Zodiak Trio ins Finale zum Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim geschafft.

Nun gut, der Trompeter lebt inzwischen nicht mehr in Bremen, sondern in Essen, und im Ruhrgebiet leben auch die Mitstreiter seines Zodiak Trios, aber John-Dennis Renken wurde immerhin in Bremen geboren, ist hier aufgewachsen und hat hier auch seine ersten musikalischen Schritte getan. Überdies versicherte er im vorigen Jahr im Interview noch treuherzig, "im Herzen bleibe ich natürlich Bremer".

Seit Kindertagen hat der jetzt 29-Jährige John-Dennis Renken Trompete gespielt, zunächst noch ganz auf die Klassik ausgerichtet, aber mit 17 Jahren, nach einem Workshop beim auch international bekannten Bremer Trompeter Uli Beckerhoff, begannen seine ersten vorsichtigen Schritte in Richtung Jazz.

Schritt für Schritt voran

Das war zunächst eher klassisch swingendes Material wie Kompositionen des High-Note-Spezialisten Allen Vizzutti. Aber allmählich entdeckte John-Dennis Renken, der inzwischen an der Essener Folkwang-Hochschule bei Beckerhoff studierte, auch den avancierten modernen Jazz für sich. Folgerichtig führte das 2004 zur Gründung seiner ersten Band The Tight Princes. Gut ein Jahr später wurden diese stramm jazzenden Prinzen schon in Friendship Offbeat umgetauft.

Spätestens jetzt zeigte sich, dass der junge Trompeter seinen eigenen Weg verfolgte und sich vom traditionell orientierten High-Note-Spiel nahezu völlig verabschiedet hatte und stattdessen seinen Trompeten-Sound lieber durch elektronische Effektgeräte jagte und mit Samples anreicherte, dabei durchaus auch lyrisch-folkloristische Motive und Melodien verwendete.

Schon zum Quintett Friendship Offbeat gehörte sein Essener Studienkollege, der Schlagzeuger Bernd Oezsevim, der heute noch in Renkens aktueller Band sitzt. Nach einem bemerkenswerten Konzert im Bremer Sendesaal schloss John-Dennis Renken sein Studium in Essen ab und ging zu weiteren Studien nach New York. Hier scheint sein heutiges jazzmusikalisches Bild endgültig geformt worden zu sein. Nach der Rückkehr gab es - nahezu folgerichtig - erst einmal Preise für seinen nun auf den Punkt gebrachten Jazz, nämlich 2007 den Nachwuchspreis "Jazz Bremen" sowie die Auszeichnung "Jazzwerkruhr". Im gleichen Jahr gründete Renken, der sich wieder in Essen niederließ, mit Bernd Oezsevim und dem Gitarristen Andreas Wahl das Zodiak Trio. Das lehnte sich zunächst ein wenig an die elegisch-nordischen Konzepte eines Nils Petter Molvær an, fand dann aber immer stärker zu eigenen Formvorstellungen.

Den richtigen Ton gefunden

Im vorigen Jahr legte das Zodiak Trio dann seine CD "Q-Train" beim Berliner Label Traumton vor (wir berichteten). Sie ist ein eindrucksvoller Beleg der großen Eigenständigkeit, die das Trio inzwischen erreicht hat: Satte Heavy-Metal-Ausbrüche finden sich hier, die eingebettet sind in wild ausufernde elektronische Verfremdungen, aber ebenso lyrische Melodien und ruppig auf den Punkt gebrachte Kompositionen: ein rumorender Elektro-Jazz einer neuen Generation.

Für diese CD wurde das Zodiak Trio im vorigen Jahr kräftig gelobt (auch an dieser Stelle). Der renommierte Jazzkritiker Wolf Kampmann befand: "Das Zodiak Trio findet genau den richtigen Ton für ein neues Jahrzehnt, das noch nach seiner Klangkennung sucht." Der große US-amerikanische Jazzbassist Steve Swallow, der schon mit Andreas Wahl und John-Dennis Renken gespielt hat, urteilte: "Das Zodiak Trio pulsiert voller Energie, sogar wenn es langsam und sanft spielt, ist der rastlose Impuls präsent, neue Möglichkeiten des Trio-Spiels zu entdecken und zu erforschen."

Und so dürfte dieses Album auch ein Grundstein für die Einladung zum Neuen Deutschen Jazzpreis sein. Am 12. März tritt das Zodiak Trio in der Alten Feuerwache in Mannheim gegen beachtliche Konkurrenz an, nämlich gegen das Studnitzky Trio des Pianisten und Trompeters Sebastian Studnitzky und , das Trio um den Pianisten Michael Wollny.

Als Sieger dürfen sich alle drei Bands ohnehin schon fühlen, denn sie wurden aus zwölf Bands für das Finale ausgewählt. Der seit 2006 verliehene Neue Deutsche Jazzpreis ist mit 10 000 Euro dotiert und ist der einzige deutsche Jazzpreis, der mit einem Publikumsentscheid ermittelt wird.

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