„Auf Gedeih und Verderb“ am Theater Bremen Trip aus Tod und Auferstehung

Tänzer Gabrio Gabrielli und Schauspieler Justus Ritter schicken die Zuschauer für 45 Minuten im Kostümfundus des Bremer Theaters auf einen Trip aus Tod und Auferstehung, Fashion Show und Familientreffen.
11.05.2019, 12:52
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Trip aus Tod und Auferstehung
Von Jonas Mielke

Die Suche nach Gabrio Gabrielli führt Justus Ritter krabbelnd unter Kleiderstangen voller Bremer Polizeiuniformen bis zu seiner imaginären Tante und seinem Onkel aus verrostetem Blech. Das Publikum folgt ihm durch den Kostümfundus des Theaters Bremen, Hand in Hand, vorbei an Kisten, in denen Kopfbedeckungen fein säuberlich nach Epochen und Weltregionen sortiert sind.

Die Luft ist stickig, an der niedrigen Decke laufen Heizungsrohre entlang, Ritter rinnen Schweißperlen über die Stirn. Für 45 Minuten werden verschiedenste Winkel und Gänge des Kellerraums zur außergewöhnlichen Bühne für das Aufeinandertreffen des Tänzers und des Schauspielers. Drei Stunden haben sie Zeit gehabt, das Stück, das nur einmal aufgeführt wird, gemeinsam vorzubereiten. Nun lotsen sie die Zuschauer quer durch den Keller. Auf einen Trip aus Tod und Auferstehung, Fashion Show und Familientreffen. Der Titel: „Auf Gedeih und Verderb“. Es ist die zweite Ausgabe eines Improvisationsformats aus Tanz und Schauspiel, immer mit wechselnden Akteuren und Orten.

An diesem Abend treffen sich der drahtige Tänzer aus Mailand, Gabrio Gabrielli, und Justus Ritter, ausgebildet zum Schauspieler an der Theaterakademie Hamburg. Aktuell spielt er in dem Stück „Fuck Identity – Love Romeo“. Beide gehören seit mehreren Jahren zum festen Ensemble des Theaters Bremen.

Gegenseitig zeigen sie sich ihre Kunst. Gabrielli lässt Ritter tanzen auf einem Catwalk aus Holzpaletten. Die Musik plärrt aus einer kleinen Bluetooth-Box, die Zuschauer stehen dicht aufgereiht neben dem provisorischen Laufsteg. Ihre Perspektive können sich die Zuschauer selbst aussuchen, sie wählen zwischen Nähe und Distanz, auch bei den Outfits haben sie ein Mitspracherecht. In einer pinken Pailetten-Weste über dem freien Oberkörper posiert Gabrielli, Ritter versucht sich an einer Breakdance-Figur.

Die Stimmung im Keller ist absurd-heiter, zwischen Kichern, Lachen und Staunen. Auch als Gabrielli nach Anleitung von Ritter so tut, als sterbe er an einer Stauballergie. Ritter rollt ihn auf einer Bahre zu Grabe, die Auferstehung feiert das Duo mit einer Ukulele und einem Tanz in Holzclogs. Es ist das Ende eines Auftritts, der wegen seiner skurrilen Szenen und schnellen Ortswechsel zunächst schwer zu greifen ist, aber durch seine Spontanität Spaß macht.

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