Richtfest für die neue Kunsthalle

Trotz langer Winterpause im Terminplan

Bremen. Kunsthallen-Direktor Wulf Herzogenrath gab beim Richtfest für den Neubau am Freitag schon mal einen fantasievollen Ausblick: "Dort drüben von der Wand grüßt in etwa einem Jahr wieder Monets Camille',. Fantasie war in der Tat gefragt beim Richtfest der neuen Kunsthalle.
18.06.2010, 20:51
Lesedauer: 2 Min
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Von Volker Junck

Bremen. Kunsthallen-Direktor Wulf Herzogenrath gab beim Richtfest für den Neubau am Freitag schon mal einen fantasievollen Ausblick: "Dort drüben von der Wand grüßt in etwa einem Jahr wieder Monets Camille',. Fantasie war in der Tat gefragt beim Richtfest der neuen Kunsthalle.

'Richtfest ist, wenn alle Decken drin sind', verkündete Gerhard Harder, Baubeauftragter des Kunstvereins, den zahlreichen Gästen. Und das ist nun nach einem Jahr Bauzeit der Fall. West- und Ostflügel sind dicht, die Betonierer können auf die nächste Baustelle ziehen und all den Gewerken zum Innenausbau Platz machen.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Feierlichkeiten eigentlich auf 14 Uhr terminiert waren. Doch das hätte eine ziemlich problematische Gemengelage mit König Fußball ergeben, weshalb sich die Verantwortlichen schnell auf 12 Uhr verständigten. So stand wieder die Verbindung von Altem und Neuem, von Historie und Zukunft, im Vordergrund.

Mutige Lösung

Herzogenrath zeigt diese Verbindung beim Rundgang anschaulich am Schnittpunkt zwischen Hauptbau und den neuen Flügeln. Hier haben die Berliner Architekten eine ziemlich mutige Lösung durchgesetzt: Der Besucher überschreitet eine sichtbare Lücke. Vom Neubau schaut er auf die reich ornamentierten Fassaden des Altbaus. Peter Pütz vom Büro Hufnagel Pütz Rafaelian, das auch die Bauleitung hat: 'Nachbarschaftlich, aber eigenständig verbinden sich Alt- und Neubau zu einem einheitlichen Ganzen.'

Für Pütz war das Bemerkenswerteste am gestrigen Tag der Termin: Nach zwölf Frostwochen, in denen nicht betoniert werden durfte, ist die Baustelle trotzdem im Plan geblieben. So war sein Dank an die beteiligten Firmen keine Formsache, sondern kam von Herzen.

Nicht ganz an die im Norden übliche Form hielt sich Polier Ludwig Greich von der Firma Riedelbau, als er ein paar kräftige Schlucke fränkischen Bocksbeutel statt des gewöhnlichen Schnapses nahm. Nach Hochs auf Handwerker, Planer, den Bauherrn Kunstverein Bremen und die ganze Mannschaft schwebt nun der Richtkranz über dem 30-Millionen-Projekt.

Die Kosten teilen sich zu je einem Drittel der Kunstverein, die Stadt und der Bund. Den Anteil des Kunstvereins finanzierten die Familien Friedrich und Peter Lürßen und die Stiftung Karin und Uwe Hollweg jeweils zur Hälfte. Auch ihnen wurde gestern noch einmal herzlich gedankt. Entschuldigend bemerkte Herzogenrath, dass zum Richtfest zwar alle am Bau Beteiligten bis hin ins Rathaus mit Bürgermeister Jens Böhrnsen eingeladen worden seien, nicht aber die 7000 Mitglieder des Kunstvereins. 'Das hätte den Rahmen gesprengt, das kommt zur Eröffnung.' Die ist nun für Sommer nächsten Jahres angesetzt. Der genaue Termin soll im Herbst festgelegt werden, wenn die Schlüssel für das fertige Bauwerk übergeben worden sind.

Dann soll der Bau zur Ruhe kommen, bevor die Einrichtung beginnt. 'Max Liebermann in Berlin und Camille in Hamburg warten schon sehnsüchtig auf ihre Rückkehr', meinte Herzogenrath launig. Während des Um- und Neubaus hat die Kunsthalle ihre Schätze an Galerien und Museen in ganz Europa ausgeliehen.

Zum Neubeginn kann die Kunsthalle nicht nur mit modernsten Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch mit einem guten Binnenklima aufwarten. Für 350000 Euro wurde ein Röhrensystem tief in den Boden der Wallanlagen getrieben, das Erdwärme liefert und überschüssige Energie abführt. Zur guten Stimmung auf dem Richtfest trug auch die Bewirtung durch die künftigen Betreiber des Cafés in der Kunsthalle bei.

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