Club 100 zieht Zwischenbilanz Trotz Lockdown: 14 Konzerte, 10.000 Zuschauer

Der Club 100 hat Modellcharakter: 19 Veranstalter richten Konzerte und Lesungen aus, zu sehen sind Lokalmatadoren und Charts-Dauergäste. Derzeit noch im Live-Stream, doch bald gerne auch mit Publikum.
09.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Trotz Lockdown: 14 Konzerte, 10.000 Zuschauer
Von Simon Wilke

Wie schafft man es, im Frühjahr 2021 insgesamt 14 Konzerte in Bremen zu veranstalten und damit tausende Besucherinnen und Besucher zu begeistern? Der Club 100 macht es vor. Sein Konzept: Ein Ort für alle. Seit Januar ist das Pier 2 dieser Ort, der von der Technik bis zum Catering mit allem ausgestattet ist und in dem jeder, der in Bremen normalerweise Konzerte organisiert, pandemie-gerecht veranstalten kann. Ein Klub-Kollektiv oder auch eine Solidargemeinschaft, gegründet aus der Not heraus, und nur vorübergehend. Für sämtliche Auftritte werden Tickets verkauft, Konzerte (zum Beispiel von Olli Schulz) oder Lesungen (von „Die Toten Hosen“-Sänger Campino) per Stream zugänglich gemacht und so Veranstalter und Künstler, Ton- oder Videotechniker in Arbeit gehalten.

„Wie im richtigen Kultur- und Konzertleben unserer Hansestadt auch, findet an einem Tag ein Konzert mit einer lokalen Band statt, die normalerweise in einem kleinen Club vor 100 Leuten spielt, und am nächsten Tag kommt ein überregional bekannter Act wie Thees Uhlmann oder Madsen, die es gewohnt sind, in ausverkauften Konzerthallen zu spielen", sagt Mit-Initiatior Gero Stubbe. Diese Mischung mache das Konzept interessant - auch jenseits der Landesgrenzen, wie eine weitere Mit-Initiatorin, Julia von Wild vom Verein Clubverstärker, betont. Sie ist überzeugt, dass die gesamte Szene nach Bremen schaut. "Durch sein innovatives und solidarisches Konzept hat der Club 100 bundesweit Modellcharakter", sagt sie.

„Live trotz Lockdown“ ist das Motto des Projekts, und die Resonanz, sagen die Veranstalter, sei bisher überwältigend. „Wir sind total glücklich zu sehen, wie die Zuschauer die Konzerte annehmen und abfeiern“ sagt Christian Tipke, dessen Produktionsfirma für das Streaming der Konzerte verantwortlich ist. Große Namen wie Pohlmann oder die Antilopen Gang, aber auch weniger bekannte Künstlerinnen wie Miss Allie oder Catt haben seit Mitte Januar bereits mehr als 10.000 Zuschauer in die Streams gelockt. Noch bis in den Mai sollen Veranstaltungen stattfinden - pandemiegerecht: ohne, mit wenigen Zuschauern oder auch mit etwas mehr Live-Publikum.

Oliver Brock ist Geschäftsführer vom Pier 2. Er sagt, das Hygienekonzept des Hauses sei soweit ausgereift, dass man theoretisch ab sofort Publikum zulassen könne. „Bereits jetzt werden alle Beteiligten vor den Konzerten getestet. Das wäre auch denkbar, wenn irgendwann Zuschauer kommen dürften.“

Veranschlagt ist das Projekt Club 100 zunächst für fünf Monate. Doch Auslaufen soll es danach nicht, wenn es nach Brock und Julia von Wild geht. „Es wäre natürlich schade, wenn man das Ganze nach so einem erfolgreichen Aufschlag stoppen müsste“, sagt sie. „Wir führen deshalb erste Gespräche, auch mit der Behörde, wie man den Club 100 fortführen kann.“ Schließlich sei abzusehen, dass auch über den Sommer Förderprogramme gebraucht würden. Die Idee dabei sei, sagt Brock, sich als „Club 100-Open-Air“ auch bei anderen Veranstaltungsflächen als dem Pier 2 einzumieten und diese so zu unterstützen.

Finanziert wird der Club 100 durch die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa und die Wirtschaftsförderung Bremen. 1,1 Millionen Euro fließen so zur Unterstützung in die Kulturbranche. Geld, das den Veranstaltern nach einem Schlüssel zugewiesen wird. Dazu bewertet eine Jury, wie viele Besucherinnen und Besucher bei einem Konzert unter Normalbedingungen zu erwarten gewesen wären. „Anhand dieser Einschätzung werden dann die Programmgelder vergeben“, erklärt Brock den Modus. Am Projekt Club 100 sind insgesamt 19 verschiedene Veranstalter beteiligt. Sie werden bis Ende Mai 40 Auftritte von Bands und Solo-Künstlern ausrichten, streamen und im besten Fall für Besucher öffnen.

Info

Zur Sache

Metal-Festival „Hellseatic“ verschoben

Das Open-Air-Festival „Hellseatic“ wird auf den 10. und 11. September 2021 verschoben, bereits gekaufte Tickets für die Veranstaltung behalten ihre Gültigkeit. Stattfinden soll das „Hellseatic“ auf dem Gelände der Bremer Woll-Kämmerei in Blumenthal. Das teilten die Veranstalter auf der Homepage des Festivals mit. Außerdem bestätigten sie mit „Kadavar“ einen neuen Headliner. „Impfungen, Schnelltests, Abstandsregeln - was auch immer die Pandemielage erfordert, wir werden das Beste daraus machen und ein vielfältiges Line-Up an einem außergewöhnlichen Ort präsentieren“, heißt es dort außerdem.

Ein Kollektiv aus Bremer Musikern und Veranstaltern hatte das Hellseatic ins Leben gerufen, um „den Metalfans der Hansestadt und darüber hinaus endlich das Festival zu geben, das sie verdienen“. 14 Bands haben ihre Auftritte bisher zugesagt. Die Verschiebung in den September ist bereits die zweite Verlegung. „Weil wir als Veranstalter noch am Anfang unseres Festivals stehen, trifft uns die zweifache Verschiebung des Open Airs und die voraussichtlich stark limitierte Besucherzahl auch finanziell“, heißt es auf der Homepage. Man sehe sich deshalb dazu gezwungen, den Ticketpreis anzuheben. Interessierte können Tickets für je 66 Euro über die Website www.hellseatic.de beziehen

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+