Neue Sonderausstellung Universum thematisiert Inklusion und Exklusion

Inklusion ist mehr als nur die Einbindung von Kindern mit Behinderung in den Schulunterricht. Sie umfasst viele Lebensbereiche. Das will die neue Sonderausstellung des Universums verdeutlichen.
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Von Silvia Pucyk

Inklusion ist mehr als nur die Einbindung von Kindern mit Behinderung in den Schulunterricht. Sie umfasst viele Lebensbereiche. Das will die neue Sonderausstellung des Universums verdeutlichen.

An der Wand hängt ein Plan, der die Stadtteile Bremens zeigt. Daran baumeln Schilder, auf denen steht: „Im Steintor stören die Straßenbahnschienen beim Fahrradfahren.“ Oder: „Die Unterführung am Hauptbahnhof ist zu eng und zu dunkel.“ Besucher des Universums haben auf den Schildern aufgeschrieben, in welchen Situationen sie sich in Bremen von der gesellschaftlichen Mobilität ausgeschlossen fühlen.

Teilhabe und Ausgrenzung oder Inklusion und Exklusion, wie es auch in der Fachsprache heißt, ist das neue Thema der Sonderausstellung „Lieblingsräume – so vielfältig wie wir“, die im Universum zu sehen ist. Das Beispiel mit dem Stadtplan zeigt, dass Inklusion viele Lebensbereiche umfasst. „In Bremen wird Inklusion häufig damit verbunden, Kinder mit einer Behinderung am Schulunterricht teilhaben zu lassen. Inklusion ist aber noch viel mehr. Wir sollten unseren Blick weiten“, sagt Christina Ruschin, Sprecherin des Martin Clubs. Der Träger der Behindertenhilfe in Bremen hat bei der Konzeption der Ausstellung mitgewirkt sowie rund 50 Freiwillige, die privat oder beruflich mit dem Thema Inklusion zu tun haben.

In acht Räumen stellt jeweils eine Person Aspekte von Inklusion vor, etwa Partnerschaft, Beruf und Medien. „In unseren Köpfen gibt es Barrieren im Umgang mit anderen Menschen. Wir sollten auf Andere zugehen und neue Dinge ausprobieren“, sagt die Leiterin der Ausstellung, Dr. Kerstin Haller.

Syrer erzählt seine Geschichte

So wie es auch der 24-jährige Darwish Barkel gemacht hat, der vor zwei Jahren aus Syrien nach Bremen kam und in der Ausstellung seine Geschichte erzählt. „Ich wollte die deutsche Kultur kennenlernen, habe aber kein Wort Deutsch gesprochen.“ Barkel wollte sich nicht selbst ausgrenzen. Deswegen kochte er für seine WG-Mitbewohner syrische Gerichte. „Wir haben uns beim Kochen kennengelernt und sind Freunde geworden.“

Barkel hat es geschafft, in der Gesellschaft anzukommen. Andere sind mit ihrem Versuch gescheitert, so wie Sebastian Quindt, der in der Ausstellung sein Schicksal erzählt. Der Bodybuilder trainierte seinen Körper, bis er glaubte, dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Doch weit gefehlt: Die Menschen um Quindt mobbten ihn wegen seines muskelübersäten Körpers. Quindt hatte sich selbst ins Abseits katapultiert.

So wie viele andere Menschen. „Wer kennt es nicht, dass er auf einen Besuch im Schwimmbad verzichtet, weil er glaubt, ein Speckröllchen zu viel zu haben. Wir haben eine Monokultur an Bildern in der Öffentlichkeit. Alles wirkt normiert. Da ist es nicht einfach, gegenzuhalten“, sagt Haller. Für all jene, die sich selbst ausgrenzen, gibt es in der Ausstellung Möglichkeiten, Mut zu tanken. Etwa unter der Dusche, die Komplimente rieseln lässt oder auf der Theaterbühne, auf der es für den Besucher tosenden Applaus gibt. Lisa Haalck erzählt in der Ausstellung davon, wie sie mit ihrem kreisrunden Haarausfall lebt und trotz ihrer Krankheit als erfolgreiche Fotografin arbeitet.

Digitale Medien helfen Menschen mit Beeinträchtigung

Einen wichtigen Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung haben die digitalen Medien geleistet. Besucher können sich hiervon am Eye-Tracker selbst überzeugen, der die Blickbewegungen des Nutzers wahrnimmt. Dadurch kann dieser Befehle ganz einfach über seine Augen abgeben. „Für Menschen, die keine Computermaus benutzen können, weil ihnen Finger oder Hände fehlen, ist das sehr praktisch“, erklärt Haller.

Wie wichtig es ist, beim Thema Inklusion schon bei den Jüngsten anzufangen, zeigt ein weiteres Zimmer der Ausstellung. Dort liegen Kinderbücher, in denen es um untypische Familienkonstellationen geht. In einem Video wird eine Bremer Familie vorgestellt, die aus Mutter, Mutter und einem Kind besteht. Die Eltern berichten davon, wie es sich in einer weltoffenen Stadt wie Bremen als eher untypische Familie lebt. „Wenn schon Kinder lernen, dass Menschen verschieden sind, ist das für sie vollkommen normal“, erklärt Haller.

Die Schüler Mohammed Babayigit und Visar Ramadan ertasten mit einem Langstock im Blindenparcours den Fußgängerweg. „Das ist gar nicht einfach“, sagt der 15-jährige Mohammed. Das Thema Inklusion begegne ihm nicht nur im Unterricht, sondern auch auf dem Schulhof.

Die Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2017 für Besucher geöffnet: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Ein Tagesticket kostet 16 Euro, ermäßigt 11 Euro. Informationen: universum-bremen.de.
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