Werke von Rembrandt und Goya als "Kriegsheimkehrer" Verloren und zurückgekehrt

Bremen. Die Bilder, die derzeit im Kupferstichkabinett der Bremer Kunsthalle zu sehen sind, haben eine lange und wechselvolle Geschichte. Die wertvollen Radierungen von Rembrandt, Goya und Toulouse-Lautrec sind "Kriegsheimkehrer".
04.03.2014, 16:50
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Verloren und zurückgekehrt
Von Uwe Dammann

Sie lagen ungeschützt auf feuchten Kellerböden, manchen Bildern setzte der Schimmelpilz zu, auf anderen fanden sich Fußabdrücke, und die Rahmen dienten als Kerzenhalter. Die Bilder, die derzeit im Kupferstichkabinett der Bremer Kunsthalle zu sehen sind, haben eine lange und wechselvolle Geschichte. Die wertvollen Radierungen von Rembrandt, Goya und Toulouse-Lautrec sind „Kriegsheimkehrer“.

Könnten Bilder Geschichten erzählen, dann würde man wohl problemlos ein dickes Buch mit den „Erlebnissen“ der sogenannten „Kriegsheimkehrer“ füllen können, die derzeit in einer Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zu sehen sind. Die Radierungen – unter anderem von bedeutenden Künstlern wie Rembrandt, Goya und Toulouse-Lautrec, gehören zum Bestand des Kunstvereins Bremen und waren allesamt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Nun sind sie über etliche Umwege und Stationen in Russland, Großbritannien oder Norwegen wieder zurück in die Kunsthalle gelangt.

Die Bilder wurden in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil in feuchten Kellern deponiert, lagen manchmal ungeschützt auf dem Boden, manche wiesen Fußabdrücke auf, oder die Rahmen dienten als Kerzenhalter, erläuterte Kuratorin Christien Melzer, die die sehenswerte Schau im Kupferstichkabinett zusammengestellt hat.

Das Schicksal der „Bremer Kriegsverluste“ ist in groben Zügen bekannt, betont Melzer. 1943 wurden große Teile der Sammlung des Kunstvereins Bremen aus der Kunsthalle an verschiedene Orte ausgelagert. Die Stadt wurde ab 1943 immer häufiger von Bombenangriffen attackiert und der Vorstand des Kunstvereins, als Eigentümer der Bilder, wollte die Kunstschätze in Sicherheit wissen. Unter anderem wurden die Exponate auf Schloss Neumühle im Kreis Salzwedel, auf Schloss Schwöbber bei Hameln und in die Bückeburger Fürstengruft verbracht. Die hier gelagerten Werke, Gemälde und Skulpturen konnten nach dem Zweiten Weltkrieg unbeschadet zurückgeführt werden. Doch neben 50 kleinformatigen Gemälden gelangten über 1700 Zeichnungen und mehr als 6000 Druckgrafiken nach Schloss Karnzow in Brandenburg. Im Juni 1945, kurz nach Kriegsende, bekamen nicht nur die hier stationierten Soldaten der Roten Armee, sondern auch die Einheimischen Kenntnis davon, dass in dem Schloss wertvolle Kunstschätze gelagert waren. Sie plünderten die Räume, wodurch die meisten der dort verwahrten Werke verloren gingen oder heute als sogenannte „Ruinen“ – bis zur Unkenntlichkeit und irreparabel zerstört – in der Kunsthalle Bremen verwahrt werden. „Durch glückliche Umstände, durch geduldige Verhandlungen und zähes Beharrungsvermögen konnte ein kleiner Teil der verlorenen Werke, rund 250 Blatt, zurückgeführt werden“, sagt Melzer. Viele Exponate aus dem Besitz des Kunstvereins befinden sich auch fast 70 Jahre nach Kriegsende immer noch im Ausland – vor allem in Russland. Welche „Schätze“ sich darunter befinden können, das macht die aktuelle Ausstellung im Kupferstichkabinett deutlich.

Die Gruppe der Zeichnungen, die zu sehen ist, ist durchaus heterogen und ein Dokument der wechselvollen Geschichte der Sammlung des Kunstvereins. Sechs italienische Blätter, vier deutsche, fünf niederländische und eine französische Zeichnung ergänzen die sechs Radierungen Rembrandts, das Blatt von Goya und der Zeichnung von Toulouse-Lautrec.

Von Rembrandt sind unter anderem das „Selbstporträt, auf einen Steinsims gestützt“ aus dem Jahre 1639 dabei, der „Heilige Hieronymus beim Weidestumpf“ aus dem Jahre 1648 oder eine „Windmühle“ am Stadtrand von Amsterdam aus dem Jahre 1641. Während die Radierungen Rembrandts in relativ gutem Zustand sind, erzählt das Blatt „Se aprovechan“ von Francisco de Goya eine andere Geschichte. Das Exemplar ist durch Feuchtigkeit angegriffen, rosa Flecken verweisen auf Schimmelspuren, Kontrast und Relief des Drucks sind stark verblasst. Farbflecke deuten daraufhin, dass das Bild vermutlich bei der Auslagerung zwischen farbigen Blättern gelegen hat. Die kleinen Makel auf diesem Bild oder auch anderen Zeichnungen stören aber keinesfalls, sondern verweisen vielmehr auf die lange Geschichte und die geglückte Heimkehr der Exponate.

„Kriegsrückkehrer“: Werke von Rembrandt, Goya und Toulouse-Lautrec, Kupferstichkabinett Kunsthalle Bremen – bis 11. Mai.

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