Im Hanze Symphony Orchestra spielen Bremer und Groninger Studenten gemeinsam große sinfonische Werke

Vier Harfen für Berlioz

Bremen. Für manch einen sei es ein einzigartiges Erlebnis, andere dürften im Laufe ihres Studiums zwei- oder dreimal dabei sein. So oder so aber sei es für jeden einzelnen Musiker etwas ganz Besonderes, versichert Katrin Scholz, stellvertretende Dekanin der Hochschule für Künste.
14.02.2017, 00:00
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Von Alexander Schnackenburg
Vier Harfen für Berlioz

Wollen sich auch in der Glocke von der besten Seite zeigen: Dirigent Etienne Siebens und das Hanze Symphony Orchestra.

Andreas Kurowski

Bremen. Für manch einen sei es ein einzigartiges Erlebnis, andere dürften im Laufe ihres Studiums zwei- oder dreimal dabei sein. So oder so aber sei es für jeden einzelnen Musiker etwas ganz Besonderes, versichert Katrin Scholz, stellvertretende Dekanin der Hochschule für Künste. Die Rede ist vom Hanze Symphony Orchestra, jenem Orchester, das alle zwei Jahre zusammenfindet, und das sich zu etwa gleichen Teilen aus Musikstudenten der Hochschule für Künste Bremen und solchen des Prins-Claus-Conservatoriums Groningen zusammen setzt. Zum Abschluss seines gut einwöchigen Miteinanders spielt das Hanze Symphony Orchestra an diesem Dienstag in der Glocke John Adams‘ „A short ride on a fast machine“, Piotr Tschaikowskis „Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35“ sowie die Symphonie Fantastique von Hector Berlioz. Es dirigiert kein Geringerer als der Belgier Etienne Siebens.

„An jedem Pult sitzt ein Musiker aus Groningen und einer von uns“, erklärt Kontrabassist Matthias Solle die Anordnung etwa der Streicher. Fünf Tage habe das Ensemble vor seinen beiden ersten gemeinsamen Konzerten in den Niederlanden Zeit gehabt, um auf diese Weise das anspruchsvolle Programm einzustudieren. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die holländischen Streicher gesteigerten Wert auf einen betont runden Klang legten, wohingegen jene der Hochschule für Künste sich eher auf eine klare Zeichnung und Artikulation fokussierten.

Vielleicht noch größer als bei den Streichern fielen die Unterschiede in der ästhetischen Prägung bei den Holzbläsern aus, sagt Klarinettist Jonathan Jehle. So favo­risierten die Groninger einen eher schlanken Ton, während die Studenten aus Bremen den großen Ton bevorzugten. Im Falle der Klarinetten komme hinzu, dass die Holländer auf Klarinetten mit französischer ­Bohrung spielten, die Bremer hingegen auf ­solchen des hiesigen Systems.

All dies sei ungemein spannend für sie zu beobachten, ­sagen Jehle und Solle übereinstimmend. Es mache das gemeinsame Musizieren noch reizvoller, als es ohnehin schon sei. Zudem, so Solle, der schon einmal beim Hanze Symphony Orchestra dabei gewesen ist, entstünden durch die Proben wertvolle Kon­takte. Davon habe er schon einmal sehr ­pro­fitiert, als er in Köln eine Couch zum Übernachten gesucht und mithilfe eines ­Mu­sikers aus Groningen prompt gefunden habe.

Sowohl bei den Studenten aus Bremen als auch bei jenen aus den Niederlanden handelt es sich um angehende Berufsmusiker. Das Hanze Symphony Orchestra biete ihnen nicht nur die Chance, voneinander zu lernen, sondern auch, in einem ungewöhnlich großen Ensemble zu spielen. So umfasse das Orchester mehr als 100 Instrumentalisten aus etwa 20 Nationen. Konzertmeisterin Anna Markova betont, dass es für sie allein schon etwas Besonderes darstelle, einmal mit vier Harfen zusammen zu spielen, wie es die „Symphonie Fantastique“ erfordere. Ohnehin stelle diese Symphonie eine enorme Herausforderung dar. Die vielen wütenden Ausbrüche, gefolgt von extrem leisen und zarten Passagen verlangten dem Hanze Symphony Orchestra große Homogenität ab. Umso mehr, als Dirigent Etienne Siebens die Sinfonie ganz anders interpretiere als weithin üblich. So phrasiere er ungemein differenziert, neige eher dazu, ein Piano zu setzen, wo ein Mezzoforte notiert sei, als dazu, dynamische Figuren zu glätten. Auch fordere er, dass die Streicher nahezu ohne Vibrato spielten. „Man merkt deutlich, dass er von der Alten Musik kommt“, sagt sie und fügt hinzu: „Von ihm lernen wir wahnsinnig viel.“ Doch nicht nur die „Symphonie Fantastique“, so die Geigerin, habe es in sich. Auch John Adams‘ „A short ride on a fast machine“ stelle eine Herausforderung dar, schon allein aufgrund der schnellen, vertrackten Rhythmen. „Wenn Du einen Moment nicht aufpasst, bist Du schon draußen“, pflichtet ihr Jonathan Jehle bei. Bei Tschaikowskis Violinkonzert schließlich müsse das Orchester beweisen, dass es auch leise spielen und gut begleiten könne, findet Markova und resümiert: „Vielfältiger geht es doch nun wirklich nicht.“

Das Hanze Symphony Orchestra spielt an diesem Dienstag, 20 Uhr, in der Glocke John Adams‘ „A short ride on a fast machine“, ­Piotr Tschaikowskis „Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35“ (Solistin: Eliane Menzel) sowie die „Symphonie Fantastique“ von Hector Berlioz.
„Wenn Du einen Moment nicht aufpasst, bist Du schon draußen.“ Klarinettist Jonathan Jehle
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