Mit 70er Jahre-Sound und viel Fantastik

Bremer Band Rubber Tea veröffentlicht erstes Album

Die Band Rubber Tea wurde 2017 gegründet und hat im Juni 2020 ihr erstes Album unter dem Titel „Infusion“ veröffentlicht. Die fünf Musiker haben aber auch schon neue Pläne.
30.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel

Gemeinsam musizieren, eine Band gründen, mit dieser auftreten oder sogar ein Album mit eigenen Titeln aufnehmen und dies veröffentlichen – schon für sich genommen sind all diese Schritte beachtlich und bewundernswert. Nicht alle Musiker schaffen auch nur einen Teil dieses Programms, selbst wenn sie sich noch so sehr bemühen. Rubber Tea wiederum gehört zu einer relativ kleinen Gruppe von Bremer Bands, denen es gelungen ist. Die fünfköpfige Combo definiert sich selbst als Progressive Rock-Band.

„Das ist schon wirklich was anderes, als ­einfach nur regelmäßig zusammen Musik zu machen“, sagt Lennard Hinz, Keyboarder und einer der Sänger von Rubber Tea. „Aber bei ­aller Arbeit auch wirklich toll“, betont der 23-Jährige und meint damit das Debütalbum „Infusion“. „Das Feedback ist auch wirklich toll“, so David Erzmann, Bassist der Gruppe und 25 Jahre alt. „Wir erhalten positive ­Reviews von Fachzeitschriften, das ist nicht selbstverständlich für ein Debütalbum.“

Bei Jamsessions kennengelernt

Vor drei Jahren ist Rubber Tea gegründet worden, wie Erzmann und Hinz erzählen. Kennengelernt hat sich der Kern der heutigen Band damals bei Jamsessions. „Wir spielen schon länger zusammen“, so der Keyboarder. „Nicht alle von damals waren aber bereit, den Weg mitzugehen“, erinnert er sich, und: „Wir hatten ein paar Besetzungswechsel.“ Jetzt seien sie aber sehr zufrieden mit der Zusammenstellung an Bremer Musikern. Die vollständige Besetzung lautet Vanessa Gross (23 Jahre), Gesang und Saxofon, Lennart Hinz, David Erzmann, Jonas Roustai (alle 24 Jahre alt), und Henri Pink, der 22 Jahre alt ist. Letzterer sitzt am Schlagzeug, Roustai spielt Gitarre. Die komplette Truppe strebt akademische Karrieren an, wobei sie alle in andere Fächer eingeschrieben sind. Doch abseits davon gilt quasi das Gleiche: Der Fokus liegt bei allen in der Freizeit fast komplett auf Rubber Tea und der Musik.

Die Songs haben sie alle selbst komponiert. „Wir machen vor allem Musik, in der man viele Details finden kann“, beschreibt David Erzmann. Inspirationen beziehe die Band vor allem aus den 70ern, und immer wieder finden sich starke Jazz-Einflüsse. „Unsere Texte ­handeln von fantastischen Geschichten mit starken Bildern“, so der 25-jährige Bassist. Besonders aus Sicht der Bandmitglieder ist hierbei, dass „alle Instrumente gleichberechtigt sind“.

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Und woher stammt der ungewöhnliche Name? „Wir haben im Probenraum immer gemeinsam getrunken und gefrühstückt“, sagt Erzmann. Irgendwann sei dann mal eine Tasse in einer Ecke stehengeblieben und dort einige Zeit übersehen worden. „Als wir diese wiederentdeckten, hatte sich der einst süße Tee in eine dickflüssige Masse verwandelt.“ Die In­spiration für den Namen sei dann von dieser Tasse ausgegangen: Rubber Tea, also zu deutsch Gummitee. Ende 2018 haben Rubber Tea begonnen, an „Infusion“ zu arbeiten, wobei erste eigene Stücke schon kurz nach Gründung der Band 2017 entstanden sind. „Es hat ganz viele Vorteile, über einen langen Zeitraum an einem Album zu arbeiten“, erklärt Erzmann. „Wir hatten Zeit, auch über kleinste Details nachzudenken.“ So könnten sie nun sagen: „Wir bereuen nichts, das Album ist so, wie es sein soll“, ergänzt Hinz.

Doch selbst ein fertiges Album ist mitunter noch nicht genug. Es braucht auch jemanden, der es auf den Markt bringt. „Ein passendes Label zu finden, das an dich glaubt, ist viel Arbeit und braucht einiges an Glück“, meint Erzmann. Da sei es gut, dass es neben den ­großen auch kleinere, von Liebhabern bestimmter Musik geführte Label gebe. Auch das ist kein Selbstläufer, aber „wir sind sehr glücklich“, so der Bassist. Und der Erfolg sollte allen recht geben: „Wir hatten Bestellungen aus ganz Europa“, so Hinz. „Es wird derzeit schon eine zweite Auflage an Schallplatten produziert, da die erste komplett vergriffen ist.“

Album-Cover selbst gestaltet

Ein weiteres Album ist natürlich geplant, aber die Arbeit daran werde noch eine ganze Weile dauern. 2022 sei ein wahrscheinlicher Zeitraum für eine Veröffentlichung. „Wir lassen uns da Zeit“, sagt Hinz. „Wir haben Ideen und haben viel durch das erste Album gelernt“, ergänzt Erzmann. Dieses Mal hat die Band das Cover zum Album selbst gestaltet; beim zweiten Streich soll es einen Comic obendrauf geben. Mittelfristig denkt die Band auch über eine kleinere Tour nach, sobald die Corona-Pandemie dies zulasse. „Wir mussten ja leider alle geplanten Konzerte zur Albumveröffentlichung absagen“, meint Erzmann bedauernd. Bisher sind die Fünf in erster Linie in der Region aufgetreten, doch es ging auch bereits in die Ferne: Zum Beispiel zum Burg-Herzberg-Festival, dem nach Angaben der Veranstalter mit 12.000 Besuchern größten Freiluft-Hippie-Festival Europas.

„Bisher hat sich die Frage nie gestellt, die Musik hauptberuflich zu machen“, sagt Hinz. „Wir sind auch weit weg davon, dass es finanziell reichen könnte.“ Wenn sich die Frage stellen würde, ins Profi-Lager zu wechseln, würde man das gemeinsam diskutieren, fügt Erzmann hinzu.

„Wir wollen, dass es Rubber Tea lange gibt, aber wir orientieren uns nicht daran, was am meisten Geld bringt.“ Ihre Geschichte klingt beinahe wie eine Fabel, bei der alles geklappt hat, aber dem ist nicht so. Die Band habe auch viele Momente gehabt, in denen es nicht lief. Niemand wolle wirklich gern darüber sprechen, aber David Erzmann sagt: „Es sind genau die Momente, in denen etwas nicht klappt, die uns letztendlich als Gruppe zusammenschweißen.“

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