Was guckst du: Frank Schmidt "Ich musste über den Tod Winnetous weinen"

Privat fällt sie regelmäßig: die Frage "Was guckst du gerade so?“. Jetzt stellen auch wir sie. In unserer Serie wollen wir von Bremern wissen, welche Filme, Serien, Bücher oder Alben sie empfehlen können.
12.11.2021, 14:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Alexandra Knief

Herr Schmidt, was gucken Sie aktuell und wo?

Frank Schmidt: Als Kulturschaffender ist das natürlich ein Klischee, aber auf Arte finde ich immer etwas. Gerne auch Dokumentationen. Zuletzt über den wunderbaren Schauspieler Christoph Waltz.

Grundsätzlich: Lieber Film oder lieber Serie?

Die ersten Staffeln von „House of Cards“ habe ich geradezu eingesogen. Da konnten es auch mal zwei oder drei Folgen an einem Abend sein. Aber letztlich bevorzuge ich doch den klassischen Film, weil Serien auf Dauer immer an Qualität verlieren.

Lieber ernst oder lieber lustig?

Beides. Hauptsache gut gemacht.

Lesen Sie auch

Lieber Cliffhanger oder lieber Happy End?

Cliffhanger. Ein Happy End, das wir uns natürlich immer wünschen, ist am Ende doch auch langweilig.

Bei welchem Film oder welcher Serie mussten Sie zuletzt laut lachen?

Wir haben kürzlich in der Familie „Pappa ante Portas“ gesehen. Mit seiner unglaublichen Beobachtungsgabe und seinem Timing ist Loriot kaum zu übertreffen.

Wann weinen?

Es ist eine Qualität von Filmen und Kunstwerken allgemein, dass sie uns berühren. Weinen kann ein Ausdruck davon sein. Ich bin aber bisweilen überrascht, bei welchen auch noch so banalen Geschichten und Szenen mir die Tränen kommen.

Das wollen wir jetzt schon genauer wissen...

Als Kind und Karl-May-Fan musste ich natürlich über den Tod Winnetous weinen. Heute, auch wenn ich den Film gefühlt zwanzig Mal gesehen habe, bei dem Weihnachtsmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Und zuletzt und wohl am nachvollziehbarsten bei der Verfilmung des „Tagebuch der Anne Frank“, die ich mit meiner Familie zur Vorbereitung des Besuchs im Amsterdamer Anne Frank Haus angesehen haben – ein beklemmendes Erlebnis.   

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder eine Lieblingsserie?

„Blow Up“ von Antonioni und „Blue Velvet“ von Lynch stehen ganz oben. Das sind Filme, die ich immer wieder sehen kann, ohne dass sie langweilig werden. Und sicher auch „Manhattan“ von Woody Allen, diese wunderbar melancholische Hommage an ein New York, das es so leider nicht mehr gibt - und vielleicht auch nie gab. Als Serie muss ich in der Zeit und meiner Biografie zurückgehen: „Monaco Franze“, mit dem Helmut Dietl ein bitter-schön-melancholisches Bild von München zeichnet, einer Stadt, in der ich 14 Jahre gelebt habe.

Angenommen, Ihr Leben würde verfilmt. Wer würde die Hauptrolle spielen?

Ich fand Cary Grant immer einen unglaublich smarten, witzigen und eleganten Schauspieler, aber zum einen ist er tot, zum anderen trifft das leider nur bedingt auf mich zu. Ethan Hawke wäre nicht übel, glaube ich.

Was lesen Sie momentan und wie gefällt es Ihnen?

Zadie Smith‘ „Swing Time“ war das letzte Buch, das mich fasziniert hat, weil sie aus einer anderen, mir weniger vertrauten Perspektive auf die Welt und Personen blickt.

Lesen Sie auch

Welches Buch ist Ihr Lieblingsbuch?

„Der Zauberberg“ von Thomas Mann, weil er Grundthemen des Daseins behandelt, etwa die Frage, was man mit seinem Leben anfangen soll. Und als Theaterstück „Endgame“ von Samuel Beckett mit dem wunderbar absurden Satz eines der beiden Protagonisten, Clov, der die Paradoxie des Lebens zusammenfasst: „if I don‘t kill the rat, he‘ll die“ (Anmerk. d. Redaktion: Wenn ich diese Ratte nicht töte, wird sie sterben).

Haben Sie einen Lieblingsautor oder eine Lieblingsautorin?

Mit den Jahren und Lebensphasen wechseln die Vorlieben. In der Kindheit Karl May, dann Douglas Adams mit seiner wunderbar hellsichtigen und komischen „Per Anhalter durch die Galaxis“-Reihe und später habe ich eine Zeitlang fast alles von John Irving gelesen.

Was hören Sie momentan gerne?

Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie mit der Symphonie Nr. 2 von Brahms.

Welches Lied macht sie glücklich?

“Got to get you into my life”, ein Beatles-Klassiker vom Album “Revolver”.

Die Fragen stellte Alexandra Knief.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht