Festival „Globale“ eröffnet mit Löffler und Stanišic

Weltbürger - Weltliteratur

Um eine neue Definition von Weltliteratur ging es bei der Eröffnung des Literaturfestivals „Globale“ am Freitagabend im Institut français. Die Organisatorinnen Libuse Cerna und Elisabeth Arend hatten mit Sigrid Löffler eine kluge Streiterin dabei.
23.11.2014, 00:00
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Weltbürger - Weltliteratur
Von Iris Hetscher
Weltbürger - Weltliteratur

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler stellte am Freitagabend im Institut français ihr Buch „Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler“ vor.

Christina Kuhaupt

Um nichts weniger als eine neue Definition von Weltliteratur ging es bei der Eröffnung des Literaturfestivals „Globale“ am Freitagabend im Institut français. Die Organisatorinnen Libuse Cerna und Elisabeth Arend hatten mit Sigrid Löffler eine kluge Streiterin für das gute Buch eingeladen, die im Gespräch mit Silke Behl vom Nordwestradio ihr Werk „Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler“ vorstellte. Die Zuhörer kamen in den Genuss eines scharfsinnigen Gedankenaustauschs zwischen den beiden, dessen Kernsatz Sigrid Löffler so formulierte: „Mischformen bereichern immer das Leben.“

Das gilt für eine Gesellschaft, ihre Kultur und logischerweise auch für ihre Literatur, die sich nicht mehr wie zu Zeiten Johann Wolfgang von Goethes oder Thomas Manns auf die Beschreibung nationaler Eigenheiten und Stimmungen beschränken kann – denn die Moderne ist seit dem Ende der Kolonialreiche vom Phänomen großer Migrationsbewegungen geprägt und wird es wegen der anhaltenden Konflikte auf beinahe allen Kontinenten weiterhin sein.

Weltliteratur wird daher heute von Weltbürgern verfasst, die mehr als nur eine Heimaterfahrung haben. Löffler hat für ihr Buch 200 Romane unter die Lupe genommen, beginnend mit der ersten Welle der Einwanderung nach Großbritannien: 1948 legte das erste Schiff mit Jamaikanern auf der Insel an.

In den Büchern der Immigranten wurde zunächst von der Verwandlung Großbritanniens in ein multiethnisches Land erzählt, dann sehr schnell vom Ausgegrenztsein, der Einsamkeit. Bereichert das Auswandern die Identität oder lässt es sie verarmen? Mit dieser Frage beschäftigte sich in seinen ersten Werken beispielsweise Salman Rushdie, Einwanderer vom indischen Subkontinent. Gleichzeitig ist er für Löffler der „Chronist der Entkolonisierung“ seiner ehemaligen Heimatregion, nachzulesen beispielsweise in den „Mitternachtskindern“. Junge Autoren wie der Nigerianer Teju Cole (39) pendeln mittlerweile wie selbstverständlich zwischen den Ländern und den Denkweisen. Das tut in gewisser Weise auch Saša Stanišic, der zweite Gast des Abends.

In seinem ersten Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ erzählt er vom Verschwinden seiner alten bosnischen Heimat durch den Krieg. „Vor dem Fest“ (2014) spielt in einem Dorf in der Uckermark – auch hier hat Stanišic nach langer Vor-Ort-Recherche Erinnerungen, Geschichte(n), Archetypen verwoben. Fremd seien ihm diese nicht gewesen, obwohl die Gegend es war; es gibt ihn eben, den Fundus an globalen Motiven und Archetypen. Und dann „schreibt man sich eben selbst in eine neue Identität hinein“, sagte der Autor über seine Arbeit am Roman, aus dem er mit sichtlichem Spaß an der Freud auch las.

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