Paula Modersohn-Becker-Bilder

Wenn Kunstwerke auf Reisen gehen

Wenn wertvolle Kunstwerke auf Reisen gehen, bedarf es einer umfangreichen und gründlichen Vorbereitung. Ein Ausstellungsraum der Museen Böttcherstraße sieht daher auch kurzfristig wie eine Baustelle aus.
16.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Wenn Kunstwerke auf Reisen gehen
Von Uwe Dammann
Wenn Kunstwerke auf Reisen gehen

Gemälde von Paula Modersohn-Becker wurden am Mittwoch von Mitarbeitern der Spedition und des Museums fachgerecht eingepackt, ehe sie auf die lange Reise nach Ascona in die Schweiz gehen. Dort werden sie in der Ausstellung „Berlin, Worpswede, Paris“ gezeigt.

Frank Thomas Koch

Hier sind „Samthandschuhe“ vonnöten, zumindest weiße, weiche Überzüge, um die wertvolle Fracht ganz vorsichtig anzufassen. Außerdem faserfreies und reißfestes „Einpackpapier“, dazu eine Decke, und anschließend kommt das Ganze noch in den gut gepolsterten Klimaschrank. Der wird wiederum gut gesichert auf den Lkw geladen. Wenn wertvolle Kunstwerke auf Reisen gehen, bedarf es einer umfangreichen und gründlichen Vorbereitung.

Ein Ausstellungsraum der Museen Böttcherstraße sieht am Mittwoch kurzfristig wie eine Baustelle aus. Ob Paulas Selbstporträt mit Bernsteinkette, das berühmte Brustbild eines flötenden Mädchens im Birkenwald oder das Porträt von Lee Hoetger – die Bilder der Malerin stehen an den Wänden oder liegen auf dem Tisch. Anschließend kommen sie in die gut gepolsterte Klimabox, um wenig später auf die Reise in die Via Borgo nach Ascona in die italienische Schweiz zu gehen. Hier werden die Bilder ab dem 25. April in der Ausstellung „Berlin, Worpswede, Paris“ zu sehen sein. Die Ausstellung befasst sich mit den drei Lebensstationen der international gefragten Künstlerin, die im Jahre 1907 im Alter von nur 31 Jahren starb.

Die Bilder Paula Modersohn-Beckers sind mittlerweile auf dem Kunstmarkt einige Millionen Euro wert. Deshalb muss die wertvolle Fracht nicht nur gut eingepackt, sondern vor allem auch sicher transportiert werden. Verena Borgmann, wissenschaftliche Leiterin des Museums, beaufsichtigt den Transport der Kunstwerke, die in einen eigens hergerichteten Lastwagen außer von den Fahrern auch von einem Mitarbeiter des Museums begleitet werden. Vor dem Transport werden die Bilder genauestens auf ihren Zustand untersucht. Gibt es Farbabsplitterungen oder Kratzer an dem Rahmen? Der Zustand des Bildes wird protokolliert und den Kunstwerken beigelegt, um später feststellen zu können, ob es beim Transport oder in dem anderen Museum eventuell Veränderungen gegeben hat. Aus diesem Grund ist auch die Klimabox wichtig. Jahrhundertealte Ölfarben reagieren auf extreme Klimaveränderungen. „Am liebsten mögen die Bilder eine Durchschnittstemperatur von 18 bis 20 Grad, die garantiert ihnen die Box“, sagt Verena Borgmann. Da die Reise nach Ascona nicht ohne Zwischenstopp über die Bühne geht, werden die Bilder bei einer Zwischenübernachtung nicht etwa im Wagen gelassen, sondern in einer „Kunststation“ klimagerecht aufbewahrt. Der Austausch von Kunstwerken zwischen den Museen findet häufig auf Gegenseitigkeit statt. Das Museum in Ascona, das jetzt die Paula-Ausstellung mit den Bremer Bildern zeigt, hatte vor einem Jahr Werke von Marianne Werefkin nach Bremen ausgeliehen. Manchmal fallen auch Gebühren für die Ausleihe an.

Am Montag waren aus Dänemark 14 Werke von Paula Modersohn-Becker in die Sammlung der Kunsthalle Bremen zurück kehrt. In Dänemark waren die Bilder im renommierten Louisana Museum of Modern Art zu sehen. Die erste große Retrospektive von Paula Modersohn-Becker in Skandinavien lockte rund 175 000 Besucher. Einen Großteil der Leihgaben dieser Ausstellung, die im Frühjahr 2016 im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris ihre zweite Station hat, stellten die großen Bremer Sammlungen zur Verfügung: Die Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, das Paula Modersohn-Becker-Museum sowie die Kunsthalle. Die Rückkehr der Werke in die Kunsthalle zu diesem Zeitpunkt ist sofern passend, da Kuratorin Dorothee Hansen stilistische Ähnlichkeiten zwischen Paula Modersohn-Becker und Emile Bernard entdeckt hat.

Beide lebten und arbeiteten nicht nur zur gleichen Zeit in Paris: Aus Sicht von Dorothee Hansen gibt es auch stilistische Berührungspunkte in den Bildern Bernards und Modersohn-Beckers. Hansen: „Die formalen Analogien wirken besonders bei den Stillleben verblüffend“ und beschreibt diese „Wahlverwandtschaften“ in einem Blog auf der Internetseite der Kunsthalle. Die Paula Modersohn-Becker-Bilder, die am Mittwoch die Reise nach Ascona antraten, bleiben rund drei Monate in der Schweiz und kommen Ende Juli wieder zurück nach Bremen in ihr angestammtes Haus. „Hoffentlich wohlbehalten“, sagt Verena Borgmann.

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