Podiumsgespräch in der Kunsthalle

Wie Bremer Influencer ihre Arbeit sehen

Ob Mode, Luxusprodukte oder Privates – Bremer Influencer sprechen in der Kunsthalle über ihre Arbeit, über Vorurteile und ihre Motivation.
15.01.2020, 16:57
Lesedauer: 3 Min
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Wie Bremer Influencer ihre Arbeit sehen
Von Elena Matera
Wie Bremer Influencer ihre Arbeit sehen

Sie zeigt ihr Leben, er schnelle Autos und teure Uhren: Jolina Mennens und Maximilian Georg Arnolds Verkaufsstrategien könnten unterschiedlicher nicht sein.

Frank Thomas Koch

Was machen Influencer? Wer beeinflusst wen? Und wozu? Über diese Fragen sprachen drei Bremer Influencer am Dienstagabend mit Jasmin Mickein, Sprecherin der Kunsthalle. Für die Influencer Cherifa Akili, Jolina Mennen und Maximilian Georg Arnold ist ihre Arbeit ein Vollzeitjob, mit dem sie ihr Geld verdienen. Täglich veröffentlichen sie Videos, Fotos, Texte auf den Social-Media-Kanälen Youtube und Insta­gram. Das Podiumgespräch in der Kunsthalle fand im Rahmen der Sonderausstellung „Ikonen. Was wir Menschen anbeten“ statt.

Ist man als Influencer eine Ikone? Mennen – schwarzes Kleid, dunkle Haare – schüttelt den Kopf. „Ich möchte nicht angebetet werden, kein Vorbild sein“, sagt die 27-jährige Transfrau. „Mir hat es in meiner Jugend an positiven Beispielen gefehlt. Ich möchte dieses positive Beispiel für meine Follower sein.“

Podiumsdiskussion mit und über Influencer -  Cherifa Akili

"Man hat nie Feierabend", sagt Mode-Bloggerin Cherifa Akili. "Mein Job ist es, immer präsent zu sein."

Foto: Frank Thomas Koch

Vom Tagebuch zum Erfolg

Mennen nutzte den Kanal Youtube als Jugendliche erst nur als persönliches Tagebuch. „Ich habe nicht geplant, damit Geld zu verdienen“, sagt sie. Heute kann Mennen von ihrer Tätigkeit leben, vor allem mit der Werbung, die zu Beginn ihrer Videos läuft. Ihre persönliche Geschichte über ihre Transsexualität und ihre geschlechtsangleichende Operation teilt sie ganz offen mit der Öffentlichkeit, auch ihren Ehemann zeigt sie regelmäßig.

In der Anfangszeit hörte Mennen oft, dass das alles doch nur „Quatsch“ sei. „Von dem ganzen Quatsch konnte ich jetzt ein Haus kaufen“, sagt sie stolz. 155 000 Menschen folgen ihr bei Instagram, fast 300 000 bei Youtube. Im vergangenen Jahr brachte sie ihre Autobiografie „Storytime“ auf den Markt, die sogar auf der Spiegel-Bestsellerliste landete. Mennens Erfolgsrezept: ihre Persönlichkeit. „Ich, ich, ich“, sagt sie. Selbstdarstellung sieht sie nicht kritisch. „Ich teile gerne mein Leben.“

Mehr als nur ein schnelles Foto

Auch Cherifa Akili und Maximilian Georg Arnold (wir berichteten) sind erfolgreiche Influencer. Im Gegensatz zu Mennen geben sie nur wenig Privates auf Instagram preis. Das mache weniger angreifbar, sagt Akili. Seit vier Jahren arbeitet die Mode-Bloggerin erfolgreich als „curls all over“ bei Instagram unter anderem mit dem Bekleidungsunternehmen Eterna zusammen. Das Markenzeichen der 28-Jährigen: ihre Locken.

Angefangen hat ihr Kanal als kreatives Hobby, mittlerweile kann auch sie von ihrer Arbeit leben. Sie hat mehr als 12 000 Follower. Auf ihren veröffentlichten Fotos und Videos präsentiert sie sich selbst in ihren Outfits. Oft hat sie sechs Foto-Shootings pro Tag. Vom Konzept bis zum Endprodukt vergehen oft mehrere Stunden. „Bei dem einen Bild, was ich abends veröffentliche, steckt sehr viel mehr dahinter, als nur schnell ein Foto zu machen.“

Vertrauenswürdigkeit als Erfolg

Arnold – grauer Anzug, gestreiftes Hemd – zeigt auf seinem Instagramkanal hingegen vor allem eines: Luxus. Von schnellen Autos bis zu teuren Uhren ist alles dabei. Seine Zielgruppe: 18 bis 34-jährige Männer. Warum er Influencer geworden ist? „Ich habe mich schon immer gerne schick angezogen“, sagt der gelernte Bürokaufmann. Irgendwann habe er angefangen, Fotos zu posten, und gemerkt, dass seine Inhalte gut ankämen. Mittlerweile hat Arnold einen erfolgreichen Instagram-Account mit gut 200 000 Followern und einen eigenen Blog. Der 28-Jährige sagt, er werbe nur für Produkte, hinter denen er stehe. Der Meinung sind auch Akili und Mennen. Vertrauenswürdigkeit, Authentizität sei auch der Erfolg von Influencern. Das haben mittlerweile auch Unternehmen erkannt. Über die Hälfte der deutschsprachigen Firmen greift bereits auf Influencer-Marketing zurück. „Zu einer Litfaßsäule hat man kein Vertrauen, zu mir schon“, sagt Mennen.

Beeinflussung der Follower

Ob ihnen bewusst sei, dass sie Menschen mit ihren Fotos und Videos beeinflussen? „Ja“, sagt Mennen. „Aber wie gesagt, ich möchte ein Positivbeispiel sein und inspirieren.“ Sie selbst wurde von einer amerikanischen Youtuberin dazu motiviert, zu ihrer Transsexualität zu stehen und sich einer Operation zu unterziehen. „Ohne sie wäre ich nicht so, wie ich heute bin“, sagt Mennen.

Ein älterer Mann im Publikum fragt: „Und woher bekommen sie jetzt ihr Geld?“. Er blickt verständnislos. Mennen erklärt ihm, dass vor allem die Werbung ausschlaggebend sei und die Kooperation mit Kunden. Die Irritation, die ihr Beruf auslöst, kennen die Drei schon. „Meine Mama versteht zwar, was ich mache“, sagt Akili. „Aber ich glaube, der Beruf Influencer ist in ihrer Generation noch nicht so akzeptiert.“ Das sei schade. „Es ist mehr als ein Vollzeitjob“, sagt sie. „Man hat nie Feierabend. Mein Job ist es, immer präsent zu sein.“

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