Eine Ausstellung im Hamburger Bucerius Forum dokumentiert den Siegeszug einer neuen Kunstform Wie die Fotografie New York eroberte

Wie aus Knipsern Profis wurden: Die Schau "New York Photography" im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt, wie das Medium Fotografie in New York in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer anerkannten Kunstform avancierte.[AUTOR]
12.06.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Nicole Büsing

Wie aus Knipsern Profis wurden: Die Schau "New York Photography" im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt, wie das Medium Fotografie in New York in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer anerkannten Kunstform avancierte.[AUTOR]

UND HEIKO KLAAS

Hamburg. Enge Straßenschluchten, atemberaubend in den Himmel ragende Wolkenkratzer, opulent dekorierte Schaufenster, in denen sich der dichte Großstadtverkehr spiegelt. Wohl kaum eine andere Stadt der Welt ist so häufig von Fotografen in Szene gesetzt worden wie New York City. Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg demonstriert jetzt in der Ausstellung "New York Photography 1890-1950. Von Stieglitz bis Man Ray", wie dem einst profanen Knipsermedium die höheren Weihen der Kunst zugestanden wurden. Es ist die erste Ausstellung in der zehnjährigen Geschichte des Bucerius Kunst Forums, die sich ausschließlich der Fotografie widmet. 180 Aufnahmen von mehr als 40 Fotokünstlern sind zu sehen.

Direktorin Ortrud Westheider legt das Augenmerk dieser wissenschaftlich hervorragend erarbeiteten Schau auf zwei Protagonisten der frühen New Yorker Fotografieszene. Alfred Stieglitz (1864-1946) und Edward Steichen (1879-1973) gelten als maßgebliche Pioniere der piktorialistischen Fotografie, die sich ästhetisch an den weichen Konturen des europäischen Impressionismus orientierte und sich so um die Anerkennung als Kunstform bemühte.

Abschied von den Amateuren

In ihrer legendären Gallery 291 in der Fifth Avenue versammelten die beiden ambitionierte Fotografen aus den USA und junge Avantgardekünstler aus Paris. Die von Stieglitz und Steichen maßgeblich vorangebrachte Gruppe Photo-Secession wollte der noch überwiegend von Fotoklubs und Amateuren beherrschten Fotografie eine neue Richtung geben – ihr anspruchsvolles künstlerisches Terrain erobern. In der progressiven Fotozeitschrift "Camera Work" wurden junge Talente wie der Stieglitz-Schüler Paul Strand vorgestellt. Die Rechnung ging bald auf. Die Fotografie trat in New York einen sagenhaften Siegeszug an, sowohl was ihre Verbreitung in Magazinen betraf, als auch was die sehr frühe museale Anerkennung des Mediums anging. Das Museum of Modern Art richtete bereits 1947 als erstes Museum weltweit eine eigene Abteilung für Fotografie ein. Edward Steichen entwickelte dort bahnbrechende Ausstellungen. Das Bucerius Kunst Forum gewährt jetzt einen profunden Einblick in die frühe Fotografiegeschichte der Stadt am Hudson.

Beispielhaft auf den Aufnahmen des deutschstämmigen Andreas Feininger, der im New York der 1940er-Jahre Ingenieursleistungen wie in die Höhe schießende Wolkenkratzer und kühne Brückenkonstruktionen mit kongenialer Präzision ins Bild setzte, kann man erkennen, dass die Fotografen damals mit extremen Weitwinkeln, extravaganten Auf- und Untersichten und starken Licht- und Schattenkontrasten gearbeitet haben. Die Hamburger Ausstellung beschränkt sich auf die Zeit bis 1950. Das Bucerius Kunst Forum, das sich in den vergangenen Jahren bereits intensiv mit der amerikanische Malerei zwischen 1800 und 1950 beschäftigt hat, setzt hier den analytischen Blick auf die nordamerikanische Kunstproduktion fort.

Bis zum 2. September, täglich 11-19 Uhr, Do. 11-21 Uhr. Katalog: Hirmer Verlag, 264 Seiten, 29,80 , im Buchhandel 39,90 .

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