Wiederentdeckt: der Bremer Bildhauer Kurt Lettow

Wiederentdeckt: der Bremer Bildhauer Kurt Lettow
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Groth

Bremen. Seine Arbeiten begegnen uns auf Schritt und Tritt. Die Laternen auf dem Marktplatz, die Kopien von Figuren am Rathaus, Reliefs an Schulen am Barkhoff und in Bremen-Nord sowie Plastiken, Glasfenster, Taufsteine und Altarkreuze in unzähligen Kirchen. Und doch: Der 1992 gestorbene Bremer Bildhauer Kurt Lettow gehört zu einer vergessenen Künstlergeneration. Es ist das Verdienst seiner in Costa Rica lebenden Tochter Julia van Wilpe, dass das Lebenswerk nun sowohl in einem von ihr herausgegebenen Buch als auch in einer Ausstellung in der Kulturkirche St. Stephani gewürdigt wird.

Warum wird ein Künstler, der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr erfolgreich war, der vor lauter Aufträgen nicht dazu kam, frei zu arbeiten, warum wird der vergessen? Kuratorin Rebekka Schwiddessen, die die Präsentation in St. Stephani mit Unterstützung von Arie Hartog (Gerhard Marcks Haus) konzipierte, hat nur eine Vermutung: Es ist vielleicht die Formensprache dieser Bildhauergeneration um Kurt Lettow, die uns heute so fremd ist. Hartog bezeichnete diese Bildsprache als „halbmodern“, als künstlerischen Versuch, nach 1945 einen Mittelweg zwischen Publikumsorientierung und einem abgemilderten Expressionismus zu finden.

Die Wiederentdeckung Kurt Lettows wird nun möglich, weil Julia van Wilpe vor geraumer Zeit aus Bremerhaven alarmiert wurde, eine Kirche werde abgerissen und damit ein großes Relief ihres Vaters zerstört. Die Architektin konnte die Arbeit retten und dem Landesdenkmalpfleger in Verwahrung geben. Danach begann dann die Recherche, wo überall Werke ihres Vaters bewahrt werden. Etwa 200 Arbeiten in ganz Deutschland hat sie vorwiegend in Kirchen gefunden, dazu den erstaunlich vollständigen Nachlass mit Dokumenten, Zeichnungen und Gipsmodellen im letzten Bremer Atelierhaus ihres Vaters gesichtet. Dieses Lebenswerk ist in dem Buch umfassend dokumentiert und in der Kulturkirche in Ausschnitten präsentiert.

Im Zentrum der Ausstellung liegt auf dem Fußboden das in Einzelteile zerschnittene, in Bremerhaven gerettete monumentale Gipsrelief „Christus stillt den Sturm“. Drumherum hat die Kuratorin eindrucksvolle Leihgaben aus Kirchen in Delmenhorst, Nordenham und Wangerooge platziert. Auf langen, quer durch das weite Kirchenschiff gestellten Tischen und in Schaukästen kann der Besucher chronologisch von den Zwanziger- bis in die Sechzigerjahre die künstlerische Entwicklung anhand von Dokumenten und unzähligen kleinformatigen Gipsmodellen und Büsten nachvollziehen. Lettows von jedem zeittypischen Schönheitsideal befreite Figuren werden mit den Jahren immer dynamischer, erzählen ihre Geschichte nach 1945 anfangs über ausdrucksstarke Gesichter und Augen, später über eine den ganzen Körper bestimmende Gestik. Dabei verfügt er über ein großes Arsenal an formalen Mitteln, das vom Relief über Mosaike bis hin zu den Figuren in allen nur erdenklichen Materialien reicht – eine erstaunlich vielfältige und solide Könnerschaft.

Ausstellung in der Kulturkirche bis 26. August. Katalog im Rasch Verlag (240 Seiten, 400 Abbildungen, 29,80 ).

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