Ausstellung in der Zentralbibliothek beleuchtet die Comicszene aus Kenia

Wild und wundersam

Bremen. Während Länder wie Frankreich, Belgien und die USA für ihre langen Comictraditionen bekannt sind, wird diese Kunstform mit afrikanischen Ländern noch eher wenig in Verbindung gebracht. Dabei gibt es auch dort längst etablierte Comic-Szenen – etwa in Südafrika, was man 2011 auch in Bremen bei einer Ausstellung in der Spedition am Güterbahnhof begutachten konnte.
08.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von York Schaefer

Bremen. Während Länder wie Frankreich, Belgien und die USA für ihre langen Comictraditionen bekannt sind, wird diese Kunstform mit afrikanischen Ländern noch eher wenig in Verbindung gebracht. Dabei gibt es auch dort längst etablierte Comic-Szenen – etwa in Südafrika, was man 2011 auch in Bremen bei einer Ausstellung in der Spedition am Güterbahnhof begutachten konnte.

Mit „Ink & Pixels – die wilde und wundersame Geschichte des kenianischen Comics“ kommt nun bereits das zweite Mal eine Ausstellung zu einer Comicszene aus einem
afrikanischen Land nach Bremen. Kuratiert wurde die Ausstellung, die bis zum 8. Oktober in der Zentralbibliothek zu sehen ist, bereits im vergangenen Jahr vom Goethe-Institut Kenia, um der künstlerisch vielfältigen kenianischen Comic-Szene, deren Geschichte seit den 50er-Jahren, aber auch den jungen Talenten des Landes internationale Präsenz zu ermöglichen.

Denn auch in dem ostafrikanischen Staat beschäftigen sich viele Künstler mit den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Comics. Die Ausstellung spannt vor allem thematisch und stilistisch einen weiten Bogen über etwa 30 Jahre kenianische Comic-Tradition. Kriminalgeschichten in der düsteren Schwarz-weiß-Ästhetik amerikanischer „Hard boiled-Krimis“ hängen neben Fantasy-Stories im japanischen Manga-Stil. Daneben stehen pointierte politische Karikaturen des Zeichners Gado über Vetternwirtschaft, die Unterdrückung der Medien im Land oder den Einfluss chinesischer Investoren.

Des Weiteren gibt es Ausschnitte aus dem einflussreichen und landesweit verbreiteten Shujaaz-Comic. Dort wird die Geschichte eines ganz normalen 19-Jährigen erzählt, der einen geheimen Piratenradiosender betreibt. Shujaaz ist eine Multimedia-Geschichte dessen Erzählung sich über Facebook, WhatsApp, YouTube und über ein kostenloses monatliches Comicheft verbreitet. Die kenianischen Comic-Veteranen wie Terry Hirst oder Edward Gitau mit ihren klassisch strukturierten, humoresken Bildergeschichten aus der Gründerzeit der Szene in den 50er-Jahren, die in der Ursprungsausstellung in Nairobi zu sehen waren, sind in Bremen leider nicht dabei.

Ein Grund für die Entwicklung der Ausstellung war die Tatsache, dass es in Kenia oft an entsprechenden Plattformen fehlt, um die Arbeiten der Künstler vor Publikum zu präsentieren. So gibt es in dort weder einen Verlag, der explizit Comics und Graphic
Novels publizieren könnte, noch Magazine, die sich dem Thema widmen. Zwar gibt es einige politische Karikaturisten, die Kolumnen und Kommentare in Tageszeitungen haben, viele gerade jüngere Comic-Künstler des Landes arbeiten aber außerhalb der etablierten Verlagsstrukturen, manche veröffentlichen ihre Werke ausschließlich online.

Auch die vor allem in angelsächsischen Ländern sowie in Frankreich und Belgien übliche Zusammenarbeit zwischen mehreren Zeichnern und Autoren für ein Comic sei in Kenia aus wirtschaftlichen Gründen nicht üblich, berichtet Paul „Maddo“ Kelemba, der in Bremen als Workshop-Leiter, Künstler und Referent zu Gast ist. „Es gibt wenig Zusammenarbeit, da sonst für den Einzelnen zu wenig übrig bleibt“, berichtet der 54-Jährige über die wirtschaftlichen Zwänge unter den kenianischen Comic-Künstlern.

Kelemba ist einer der wichtigsten Vertreter der dortigen Szene. Bekannt wurde der politische Zeichner, da er es als erster wagte, den langjährigen kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi mit seiner Kunst kritisch zu hinterfragen. Ein gewagter Tabubruch in einer während der 80er- und 90er-Jahre politisch repressiven Situation. „Inhaftiert wurden damals aber nur Autoren und Journalisten, uns Comic-Zeichner hat das Regime nicht wirklich ernst genommen“, sagt Kelemba lachend. Auch wenn er junge Comic-Zeichner manchmal ermutigen muss, ihre afrikanischen Wurzeln nicht zu vergessen, sieht Kelemba die Stärke des kenianischen Comics gerade in der stilistischen und thematischen Vielfalt der Geschichten aus dem Land.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+