Sonntagskolumne „Müßiggang“ Witterung, Werbung, Weidemilch

Unter anderem um die existenzielle Frage, was Männer jenseits des Vatertages müde macht und was munter, geht es in dieser Folge von Hendrik Werners wöchentlicher Kolumne.
01.06.2019, 09:25
Lesedauer: 1 Min
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Witterung, Werbung, Weidemilch
Von Hendrik Werner

Das Wort zum Sonntag spricht Alexandre Dumas (der Jüngere): „Der Mensch wurde nicht erschaffen, um zu arbeiten. Der Beweis: Er wird müde davon.“ Das hat er schön formuliert, der Autor des Romans „Die Kameliendame“, der übrigens passagenweise so schwül (und so ermüdend) ist wie die Witterung an diesem nur bedingt wonnigen Wochenende. Bleibt für Leser und andere rege Geister die existenzielle Frage: Ist gegen Müdigkeit ein Kraut gewachsen?

Unter den legalen Drogen, die im Geruch stehen, selbst faulste Pelze, trübste Tassen und tranigste Susen in aufgeweckte Typen zu verwandeln, ist auch das Getränk, dem Rolf Zuckowski für das saisonale Erbauungslied „In der Weihnachtbäckerei“ einen literaturnobelpreisverdächtigen Gleichklang mit dem Wort Knilch abtrotzte. Zwar schwört der italienisch sozialisierte Müßiggänger morgens auf einen vier- bis fünffachen Espresso ohne Gedöns. Aber seit die Milchwirtschaft in den 50er-Jahren den süffigen Slogan „Milch macht müde Männer munter“ erfunden hat, hält sich das Vorurteil, die matte Emulsion sei anregend und leistungssteigernd. Nicht nur im Fall der sogenannten Herren der Erschöpfung, sondern bei allen Menschen (m, w, div). Dabei hat die Wissenschaft nicht nur festgestellt, dass Schokolade Schnaps enthält, sondern sie macht überdies den hohen Tryptophan-Gehalt dafür verantwortlich, dass Milch, warme zumal, der Schläfrigkeit zuarbeitet.

Aber so ist das nun mal mit der Werbung, die im Dienst der Eingängigkeit oft einen hanebüchen hohen Alliterationsgehalt aufweist: Etwas bleibt immer hängen im kollektiven Gedächtnis, und nicht immer ist es das, was zutrifft. Dennoch hat der Müßiggänger am fortgeschrittenen Sonnabendabend sein Glas auf den in den 50er-Jahren etablierten Weltmilchtag erhoben. Und dabei, einmal mehr, die beglückende Erfahrung machen dürfen, dass moderat erhitzte Heumilch mit drei gehäuften Löffeln Kakao – selbstredend gluten-, laktose- und zuckerfrei! – zwar nicht sonderlich lecker ist, dafür aber das rasche Einschlafen erheblich befördert.

Würde Milch müde Männer wirklich munter machen, wäre ein Werbebündnis zwischen Milchwirtschaft und Leistungssport eine gute Sache. Man stelle sich vor, Werder spielte im Weidemilchstadion. Wobei: Alliterationen allein bürgen noch nicht für Wohlgefallen. Das walte Wohninvest. Wiesenhof sowieso.

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