Packhaustheater Zicken mit Biss

Lachen, lachen, lachen. Die Zuschauer der Karaoke-Komödie „Zickenzirkus“, die am Donnerstag ihre Uraufführung im Packhaustheater Bremen erlebte, konnten einfach nicht anders.
10.11.2017, 21:52
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Von Serena Bilanceri

Die Nachfolge-Komödie von „Tussipark“ führt das Publikum mit unbeschwerter Leichtigkeit von einem Lachanfall zum nächsten. Zwar ist das Thema alles andere als heiter, doch den vier Schauspielerinnen gelingt es, öde Schauplätze und aussichtslose Ausgangslagen mit Lebensfreude aufzuladen. So wird ein Schrottplatz zur Karaoke-Bühne oder das trostlose Eheleben zur Gelegenheit für eine Lektion in Sache Frauen-Power. Und ein Autounfall führt zu unverhoffter Frauensolidarität unter den „Zicken“.

Der Chemnitzer Regisseur Christian Kühn vermengt irre Situationen und pop-musikalische Improvisationen mit schlagfertigen Kalauern. Die Verzweiflung der spießigen Buchhalterin Elke (Heidi Jürgens), die den Fiat Barchetta ihres Mannes gegen einen Poller gefahren hat und nun nach einem Ersatzteil sucht, trifft auf die Überdrehtheit von Youtube-Bloggerin Jennifer (Anna-Katharina Fecher), die auf E-Bay einen Zirkuswagen ersteigert hat.

Slapstickeinlagen und Dialogszenen

Mit desillusioniertem Blick verfolgt die Prostituierte – oder „Erektionsabbautechnikerin“ – Fe (Vera Marhold) das Treiben auf dem Schrottplatz. Vergeblich versucht die Möchtegern-Musicaldarstellerin Panagiota (Marlitt Werner) sich in dieser schrillen Umgebung auf ihre Audition vorzubereiten.

Die vier Darstellerinnen überzeugen mit Slapstickeinlagen und in den Dialogszenen. Auch die Karaoke-Lieder gehen ins Ohr und laden zum Mitklatschen ein – vor allem dank der Musicaldarstellerinnen Marhold und Werner. Umwerfend sind zudem die bewusst falsch gesungenen Strophen von Bloggerin Jennifer aus Hits wie „Ich will alles“ von Gitte Haenning oder „Taken by a stranger“ von Lena, die so fast zu Persiflagen werden.

Männliche Figuren sind abwesend und doch präsent

Selbst wenn einige der Witze nicht neu sind und bewährte Klischees bedienen, wirken die Wortwechsel erfrischend und amüsant. Männliche Figuren sind abwesend und dennoch während des Stücks präsent: Der Ehemann, der die Buchhalterin ständig anruft, weil er nicht weiß, wie man eine tiefgefrorene Pizza aufwärmt, der verheiratete Liebhaber der Musicaldarstellerin; der Freund und Kollege von Fe, der bei einer redseligen Kundin einschläft.

Sehnsüchte, offene Wunden und Wünsche werden ins Groteske gewendet. So antwortet Elke auf die Frage, was ihr Ehemann sie gern tragen sehen würde: „Einen Kasten Bier“. Und die Schwierigkeit Jennifers, ausländische Wörter zu verstehen (aus Psychopathen werden Physiopathen) sorgt in der Runde für unfreiwillige Komik. Aber aufgepasst: Wenn Männer das Schlechteste von sich preisgeben, schlagen die Zicken zurück.

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