Drehbuch angeblich umgeschrieben, um Fördergelder zu kassieren Zoff um neuen Bond

Von Donnerstag an surren die Kameras für den neuen James-Bond-Film „Spectre“ auch in Mexiko. In der Hauptstadt Mexico City werden bis Anfang April einige Einstellungen gedreht, die zu Beginn des Actionstreifens zu sehen sein werden.
18.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Ehringfeld und Iris Hetscher

Von Donnerstag an surren die Kameras für den neuen James-Bond-Film „Spectre“ auch in Mexiko. In der Hauptstadt Mexico City werden bis Anfang April einige Einstellungen gedreht, die zu Beginn des Actionstreifens zu sehen sein werden. Szenen im historischen Zentrum, Bilder aus einem Hotelzimmer, eine Verfolgungsjagd am berühmten „Tag der Toten“ (Allerseelen). Und auch eine Hubschrauber-Sequenz mit 007-Darsteller Daniel Craig ist geplant, in der man das moderne Antlitz der Metropole bestaunen kann.

Aber offensichtlich standen nicht all diese Sequenzen auch im Originaldrehbuch, sondern wurden auf Wunsch mexikanischer Behörden hinzugefügt oder geändert. So behauptet es zumindest die auf Steuerthemen spezialisierte Website „Tax Analysts“ (http://www.taxanalysts.com). Demnach hat die Bond-Produktion Zugeständnisse an die Mexikaner aus Kostengründen gemacht und dafür sogar Charaktere ausgetauscht und Besetzungswünsche akzeptiert. Für vier Minuten Mexiko, hübsch verpackt, seien im Gegenzug 14 Millionen Dollar an Steuererleichterungen und Fördergelder zugesagt worden, schreibt Tax Analysts in einem Artikel von Anfang des Monats.

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Hintergrund soll sein, dass den Produktionsfirmen Sony Pictures Entertainment und Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. (MGM) die Kosten für den Film davon zu laufen drohen. Die 24. Bond-Ausgabe kostet demnach mehr als 300 Millionen Dollar – und damit rund 50 Millionen Dollar mehr als ihr Vorgänger „Skyfall“. „Spectre“ wäre somit einer der teuersten Streifen in der Geschichte der Filmreihe um den Geheimagenten mit der Lizenz zum Töten. Die Informationen, auf die sich die Website beruft, sollen aus Mails stammen, die durch einen groß angelegten Hacker-Angriff auf Sony Pictures im Dezember zugänglich wurde. Diese Mails, aus denen Tax Analysts zitiert, legen den Schluss nahe, dass die Produzenten so unter Spardruck standen, dass sie sich bereit fanden, ein Stück Drehbuchhoheit an die mexikanischen Behörden abzutreten und deren Änderungswünsche am Skript zum Teil zu akzeptierten. Sony-Pictures in Mexiko wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern. Und die mexikanischen Filmförderanstalten gaben an, von dem angeblichen Deal nichts zu wissen.

Das Originaldrehbuch sah laut Tax Analysts vor, dass James Bond in Mexico City mit der Jagd auf einen Bösewicht namens Sciarra beginnt, der den Bürgermeister der Stadt ermorden will. Die Mexikaner hätten durchgesetzt, dass nicht der Bürgermeister, sondern eine „internationale Führungsfigur“, vermutlich ein Botschafter, das Opfer gibt. Und sie bestanden darauf, dass der Täter auf keinen Fall ein Mexikaner sein dürfe.

Außerdem hätte die mexikanische Seite verlangt, dass die Frau, die im Hotelzimmer von 007 auftaucht, bevor er seine Jagd beginnt, von einer einheimischen Schauspielerin dargestellt wird. Passend dazu wurde Anfang März bekannt, dass die Aktrice Stephanie Sigman, bekannt aus dem Drogenthriller „Miss Bala“, die Rolle der Estrella in „Spectre“ übernehmen wird. Der 24. 007-Film ist damit der erste, in dem drei Bond-Girls auftreten, seit Roger Moore 1981 „In tödlicher Mission“ unterwegs war. Auch das legt nahe, dass die Rolle für Stephanie Sigman erst in letzter Minute ins Skript geschrieben wurde. Zur Krönung der Sequenz in dem Schwellenland entschwindet James Bond mit dem von Sciarra gestohlenen Helikopter über den Wolkenkratzern von Mexico City. Da in Mexiko und seinem bizarren Drogenkrieg die Realität längst jede denkbare Fiktion überholt hat, kann man die Behörden sogar verstehen. Sie möchten angesichts des negativen Images, das ihr Land spätestens seit der Verschleppung und Ermordung der 43 Studenten in Iguala weltweit hat, wenigstens in globalen Filmprojekten einigermaßen gut wegkommen.

Zudem ist es nach Angaben der Steuerexperten von Tax Analysts durchaus üblich, dass Städte oder Länder an Drehgenehmigungen Bedingungen knüpfen und eine Art kulturelle Kompatibilität mit dem Drehort fordern oder bitten, dass er nicht negativ dargestellt wird. Bei „Spectre“ allerdings hätten die Produzenten tiefe Eingriffe in das Drehbuch zugelassen. Für Luis Miguel Aguilar von der Filmkommission von Mexiko-Stadt ist der Vorwurf absurd: „Die James-Bond-Produzenten wachen mit Argusaugen über ihr Skript, lassen da niemanden ran und akzeptieren keine Änderungen“, sagt Aguilar.

Unfall in Sölden

Die Arbeiten an dem neuesten James-Bond-Spektakel geraten mit den Vorfällen in Mexiko nicht das erste Mal in die Schlagzeilen. Bereits Mitte Februar hatten 007 und sein Team für Aufregung gesorgt: Beim Dreh im österreichischen Sölden wurden drei Mitarbeiter des Filmteams verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd auf einer Gletscherstraße war das Auto eines Stuntmans ins Schleudern geraten und gegen eine Kameraplattform geprallt. Dabei erlitten drei Männer im Alter von 28, 52 und 63 Jahren Knochenbrüche und Prellungen. Die Szene war der Abschluss der Dreharbeiten in Österreich.

Auch das Städtchen Sölden war von den Produzenten des Films bewusst für die Szenen ausgesucht worden, die in „Spectre“ im Schnee spielen. Der Grund, der dem in Mexiko ein wenig ähnelt: In Österreich kam man dem Team mit Zuschüssen entgegen, wie schon zuvor bei den Dreharbeiten zu „Ein Quantum Trost“ und „Skyfall“. Für die Schnee-Szenen hatten Locations-Scouts auch Orte in Italien, der Schweiz oder Norwegen vorgeschlagen. Doch dort war man nicht so spendabel. Der neue Bond, in dem Daniel Craig in der Hauptrolle des Agenten ihrer Majestät gegen die Terrororganisation „Spectre“ kämpft, kommt am 6. November in die Kinos.

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