Musik gegen Konsumzwang und Schönheitswahn

Zombie-Musikvideo aus Bremen

Fünf Monate sind vergangen, seit im Bremer Viertel die Zombies los waren. Anfang Mai drehte die Bremer Musikerin Rosario Jaen hier für ihr Lied "Zombie Mode". Nun ist das Video fertig.
09.10.2017, 13:17
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Zombie-Musikvideo aus Bremen
Von Alexandra Knief
Zombie-Musikvideo aus Bremen

Videodreh der Bremer Musikerin Rosario Jaen zu ihrem Lied "Zombie Mode" im Viertel. (Archivbild)

Frank Thomas Koch

Fünf Monate sind vergangen, seit im Bremer Viertel die Zombies los waren. Denn Anfang Mai drehte die Bremer Musikerin Rosario Jaen hier Teile eines Musikvideos für ihr selbst geschriebenes Lied "Zombie Mode" (spanischer Titel: "Sombis De La Moda"). Unter anderem im Viertel und in der Innenstadt waren die geschminkten Untoten damals unterwegs. Nun ist das Video fertig.

Musikalisch ist das Werk eine Mischung aus Reggaeton, Hip Hop und Cumbia (traditionelle rhythmische Musik aus Panama). Am wichtigsten ist der Musikerin aber die Botschaft, die sie mit ihrem Song vermitteln will: „Das Lied ist eine harte Kritik an der Werbung, der Schönheitsindustrie und dem Konsum“, sagt sie. „Wir werden so stark von diesen Dingen manipuliert, und ich will die Leute dazu anregen, mehr darüber nachzudenken.“

Vor neun Jahren kam Rosario Jaen von Panama nach Bremen. Die gelernte Krankenschwester widmet sich außer ihrem Beruf vor allem einem: der Musik. Sie sang in verschiedenen Bands, fing dann aber irgendwann an, selbst Musik zu komponieren. „Mir ist es wichtig, in meinen Liedern etwas zu erzählen. Die Leute sollen verstehen, was ich will“, sagt sie. Musik ist in ihren Augen eine der besten Möglichkeiten, anderen Menschen etwas über das Leben zu berichten und Werte zu vermitteln.

Die Idee zu „Zombie Mode“ kam ihr, als sie Anfang des Jahres zufällig die RTL-Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ einschaltete und einige der stark operierten Teilnehmerinnen sah. „Ich war geschockt darüber, dass jemand etwas für schön hält, das so weit von der Realität entfernt ist“, sagt sie. „In meinen Augen sahen diese Frauen aus wie Zombies.“ Dass immer mehr Menschen denken, sie müssten sich operieren lassen, um gewisse Schönheitsideale zu erfüllen oder sich auf andere Weise von den Massenmedien vorschreiben lassen, was sie zu tun oder wie sie zu sein haben, ist für die Musikerin aus Zentralamerika eine so schockierende Entwicklung, dass sie beschloss, ein Lied darüber zu schreiben.

Ein Freund aus Panama produzierte die Musik, ein weiterer Freund aus Kuba bereitete eine Choreografie für das Musikvideo vor und ein fast 20-köpfiges Team aus Freiwilligen half Jaen dabei, ihren Traum vom ersten eigenen Video wahr werden zu lassen. "Kamerun, Serbien, Portugal, Spanien, Ägypten oder Mexiko – die Teammitglieder stammen aus 13 verschiedenen Nationen", erzählt Jaen. Fast drei Monate lang haben sie an den Wochenenden geprobt, haben getanzt und das Make-Up getestet. Und das alles ehrenamtlich. "Ein so tolles Team zu haben, ist unbezahlbar. Es sei denn, ich gewinne mit dem Lied den Grammy", sagt Jaen mit einem Lachen. Um den großen Ruhm geht es ihr aber nicht: "Aber ich will, dass jeder meine Botschaft hört." Und diese ist gleichwohl simpel wie wichtig: Lebe, wie es dir gefällt und lass dich nicht von anderen kontrollieren. Denn das Leben ist sehr kurz.

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