Entscheidung zum Umzug fällt im Frühjahr Zukunft der Weserburg bleibt ungewiss

Die Weserburg zählt zu den größten Museen in Deutschland und genießt internationales Ansehen. Im Frühjahr soll über einen möglichen Umzug des Hauses in die Wallanlagen entschieden werden.
02.01.2015, 00:00
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Zukunft der Weserburg bleibt ungewiss
Von Uwe Dammann

Inmitten der Weser, im Herzen der Hansestadt liegt die Weserburg, Bremens Museum für moderne Kunst. Es zählt zu den größten Museen in Deutschland und genießt internationales Ansehen. Das Haus am Teerhof versteht sich nicht nur geografisch als ein Museum im Fluss: Doch wie lange noch? In der Stadt wird offen die Zukunft des Hauses diskutiert. Ob das Sammlermuseum das bisherige Gebäude weiter nutzen kann oder ein Umzug in einen Neu- oder Anbau in die Wallanlagen erfolgt, soll im Frühjahr entschieden werden.

Die Gebäude der Weserburg können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Bevor die Kunst in das Gebäude einzog, waren hier eine Tabakfabrik und später die Kaffeerösterei Schilling ansässig. 1893 erwarb zunächst die Zigarrenfabrik Ad. Hagens Co. die auf dem Teerhof fertig gestellten Packhäuser und errichtete 1897 die so genannte Hagensburg. 1923 kaufte die Kaffeerösterei Gebrüder Schilling den Gebäudekomplex und betrieb dort fortan Import, Rösterei und Versand von Kaffee. Mit dem Beginn der Kaffeerösterei änderte sich der Name Hagensburg in Weserburg. 1973 musste das Traditionsunternehmen nach insgesamt 50 Jahren den Kaffeebetrieb schließen und verkaufte die Weserburg an die Stadtgemeinde Bremen.

In den folgenden Jahren eroberte die kulturelle Szene das Gebäude. Künstler richteten sich Ateliers ein, das Moks-Theater und die Städtische Galerie fanden hier neue Freiräume. Insgesamt beherbergte das Gebäude über 20 kulturelle und soziale Einrichtungen. Auch die 1980 gegründete GAK (Gesellschaft für Aktuelle Kunst) fand ihr Domizil in der ehemaligen Kaffeerösterei. Während einer ihrer Ausstellungen wurde die Idee geboren, ein Sammlermuseum für Bremen zu gründen. Bis zur Umsetzung sollte es allerdings noch mehrere Jahre dauern.

Am 6. September 1991 wurde das Neue Museum Weserburg Bremen unter der Leitung von Thomas Deecke eröffnet. Das Museum war in Europa ein absolutes Novum: Erstmals wurde das Konzept eines Sammlermuseums umgesetzt, in dem die Dauerausstellung ausschließlich mit Exponaten privater Leihgeber bestückt wurde. Manche Ausstellungen – wie die große Helmut Newton-Schau, verlief äußerst erfolgreich: 2008 besuchten 60 000 Menschen das Museum. In einer prekären Situation steckt die Weserburg seit 2013 nach dem Rücktritt des damaligen Direktors Carsten Ahrens, der sein Amt nach internen Querelen aufgab. Die Personalie Ahrens war allerdings nicht erst seit 2013 umstritten. Zwar verbuchte er mit der Newton-Ausstellung einen großen Erfolg, doch anschließend verkrachte er sich mit der Sammlerin, die daraufhin alle Werke abzog. Auch andere bedeutende Sammler drohten mit Rückzug. Der vorherige Direktor Thomas Deecke wandte sich mehrmals in offenen Briefen an den Freundeskreis des Museums und kritisierte seinen Nachfolger. Dennoch hatte der Stiftungsrat als Träger des Hauses den Vertrag mit dem Museumschef unmittelbar vorher um fünf Jahre verlängert hat. Warum ? Das bleibt bis heute ein Rätsel. Der kulturpolitische Sprecher der CDU, Claas Rohmeyer, geht davon aus, dass die Stiftung Weserburg Ahrens rund eine halbe Million Euro zahlen musste – Geld, das andernorts wieder fehlt.

Seither ist die Zukunft des Museums ein in der Kulturszene breit diskutiertes Thema. Aus Sicht von Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) geht es bei den Untersuchungen zur Zukunft des Museums ohnehin nicht primär um den Standort, sondern um die zukunftsgerechte inhaltliche Neuaufstellung des Museums als Ort für die Präsentation von Gegenwartskunst. Dazu, so die Staatsrätin in der jüngsten Sitzung der Kulturdeputation, bedürfe es allerdings eines innovativen Konzepts, mit dem das Haus verstärkt überregionale Strahlkraft entfalten und breitere Publikumskreise erreichen könne. „Ziel muss es sein, die Weserburg als eigenständige Institution zur Präsentation von Gegenwartskunst in Bremen zukunftssicher aufzustellen“, sagt Carmen Emigholz. Zumal die Besucherzahlen immer weiter rückläufig sind. 2013 gab es noch knapp 30 000 Besucher, für 2014 werden weiter sinkende Besucherzahlen prognostiziert.

Doch was heißt zukunftssicher? Da gehen die Meinungen weit auseinander. „Es gibt keine Zauberformel und keinen Königsweg für die Weserburg“, fasst Stiftungsratsvorsitzender Klaus Sondergeld die bisherigen Beratungen der Kulturdeputation zusammen. Es sei allerdings keinesfalls so, dass die Standortfrage und die Zukunft des Museums, wie häufig zu hören, längst besiegelt sei. „Das ist ausgemachter Quatsch“, so Sondergeld. Der Vorsitzende des Stiftungsrates als Träger des Museums rechnet vor, dass die Kosten für die Sanierung des Gebäudes auf dem Teerhof aus bremischen Haushaltsmitteln nach derzeitiger Schätzung rund 3,1 Millionen Euro betragen würde. Im Fonds der Weserburg für bauliche Maßnahmen sind – unter anderem durch den Verkauf wertvoller Gemälde von Gerhard Richter und Franz Gerscht aus dem eigenen Bestand – rund sechs Millionen Euro enthalten. Ein Verkauf des Grundstückes am Teerhof an Investoren würde nach Schätzungen rund drei Millionen Euro erbringen. Genügend Geld für eine Sanierung, aber auch für einen Neu- oder Anbau am Wagenfeld-Haus in den Wallanlagen ist also vorhanden. Hier würde eine Kooperation mit der benachbarten Kunsthalle obendrein Synergien bringen. Wie hoch die sind, hat allerdings noch niemand offiziell beziffert.

Doch als sicher gilt auch, dass die Eigenständigkeit des Museums für moderne Kunst damit der Vergangenheit angehören würde. Zumal die Weserburg aus Sicht des derzeitigen Direktors Peter Friese längst ein tragfähiges Zukunftskonzept hat, dass er schon vor einem Jahr vorgelegt hat. Friese setzt auf die Zusammenarbeit mit jungen Sammlern und hat im abgelaufenen Jahr bereits einige beachtenswerte und sehenswerte Ausstellungen, wie beispielsweise die „Existenziellen Bildwelten“, kuratiert. Außerdem soll die Kooperation mit zahlreichen städtischen Initiativen und Einrichtungen weiter intensiviert und ausgebaut werden. Unter anderem gibt es bereits heute Kooperationen mit dem Kindermuseum, mit der Bremer Schuloffensive, der Initiative Quartier e.V. oder dem Kommunalkino City 46. „Wir sind hervorragend vernetzt“, sagt Friese und lehnt, ebenso wie das gesamte Team der Weserburg und der Freundeskreis des Museums, einen Umzug in die Wallanlagen ab.

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Viele in der Stadt finden aber dennoch, dass die Idee mit der Weserburg, der Kunsthalle, dem Wagenfeld-Haus und dem Gerhard-Marcks-Haus am Wall eine zusammenhängende Kunstmeile einzurichten, durchaus ihren Charme hat. „Wir müssen heute feststellen, dass das einstige Alleinstellungsmerkmal – die Zusammenarbeit mit privaten Sammlerinnen und Sammlern – inzwischen eine Reihe von Museen bundesweit auszeichnet. Ich begrüße es daher, dass die Weserburg diesen Herausforderungen begegnen will und Professor Helmut Friedel mit einer vertiefenden Analyse beauftragt hat“, sagt dazu Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz.

Helmut Friedel soll es also richten und eine umfassende Expertise für die Zukunft des Sammlermuseums erstellen. Der Stiftungsrat der Weserburg hat im Herbst 2014 den Professor und früheren Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München gebeten, Lage und Zukunftschancen des Museums zu analysieren. Doch seine Prüfungen sind noch noch nicht abgeschlossen, die Ergebnisse sollen in die zukünftige inhaltliche Konzeption der Weserburg einfließen.

Die Herausforderungen an das Museum sind jedenfalls gravierend. 2013 hatte Stiftungsratsvorsitzender Klaus Sondergeld berichtet, dass das Haus künftig nur über einen Etat von 1,42 Millionen Euro, bei derzeitigen Ausgaben von 2,27 Millionen verfügt.

>> Lesen Sie hier einen Kommentar unserer Kultur-Ressortleiterin Iris Hetscher zu dem Thema

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