Kompromiss für Finanzierung gefunden Zukunft für die Weserburg

Lange blieb es ruhig um die Weserburg. Doch nun, zum Ende des Jahres, nimmt die Debatte um die Zukunft des Museums für moderne Kunst wieder an Fahrt auf. Offenbar mit einem glücklichen Ende.
26.11.2015, 00:00
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Zukunft für die Weserburg
Von Uwe Dammann

Lange blieb es ruhig um die Weserburg. Doch nun, zum Ende des Jahres, nimmt die Debatte um die Zukunft des Museums für moderne Kunst wieder an Fahrt auf. Offenbar mit einem glücklichen Ende.

Hinter geschlossenen Türen, an einem sogenannten Runden Tisch, wurde die finanzielle Ausstattung des Museums bereits verhandelt, und es soll – trotz anfänglicher Kontroversen – nun überraschenderweise zu einer Einigung gekommen sein. Demnach erhält das Museum Weserburg künftig 1,3 Millionen Euro jährlich für den laufenden Betrieb des Hauses. Der Stiftungsrat und Direktor Peter Friese sollen diesem Betrag nach Informationen des WESER-KURIER bereits zugestimmt haben. Zuletzt lag der Etat bei rund 1,1 Millionen Euro jährlich, was einer Erhöhung um etwa 20 Prozent gleichkommt – in den Jahren zuvor waren die Zuschüsse allerdings sukzessive gekürzt worden.

Kulturdeputation entscheidet am 15. Dezember

Offiziell bestätigt sind diese Zahlen zwar noch nicht, aber am 15. Dezember wird sich die Kulturdeputation mit dem Thema befassen. „ Der Senator für Kultur hat dem Stiftungsrat der Weserburg ein Angebot gemacht. Grundlage waren die bisherigen Beschlüsse der Deputation. Es gibt jetzt ein positives Verhandlungsergebnis, worüber wir sehr froh sind, das aber natürlich unter dem Vorbehalt der Haushaltsgesetzgebung steht“, sagt Alexandra Albrecht, Pressesprecherin der Kulturbehörde, ohne weitere Details zu nennen. Weil die Kulturstaatsrätin erkrankt sei und die Parlamentarier noch nicht selber informieren konnte, könne sich Carmen Emigholz nicht öffentlich zu Details äußern, so Albrecht.

Bevor es zu dieser Einigung kam, hatte es allerdings ein langes Tauziehen um den jährlichen Zuschussbetrag gegeben. Demnach soll zwischen den Forderungen der Weserburg und der angebotenen Summe aus der Kulturbehörde ein Differenzbetrag von rund 500.000 Euro geklafft haben. Konkret: Die Weserburg hatte zunächst 1, 8 Millionen Euro für den Betrieb des Hauses gefordert, und der Stiftungsrat war mit dieser Summe im Sommer in die Verhandlungen mit der Kulturbehörde gegangen. Dieser Betrag erschien Direktion, Stiftungsrat und Betriebsrat gleichermaßen ausreichend, um die Personalkosten, den Unterhalt des Hauses und die Ausstellungen zu finanzieren. Aus diesem Grund ist Betriebsrat Dietrich Reusche auch nicht glücklich darüber, dass jetzt 1,3 Millionen Euro gezahlt werden sollen. „Wenn tatsächlich diese Summe bestätigt wird, sind der Stiftungsrat und unsere Geschäftsleitung in den Verhandlungen mit Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz eingeknickt“, sagt Reusche. Das müsse dann noch weiter in den Gremien diskutiert werden.

Kommentar zur Einigung

Ob nun insgesamt das Angebot der Weserburg gekürzt werden und Ausstellungen auf kleinerem Raum angeboten werden müssen, dazu wollte Direktor Peter Friese zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. „Wir haben in den Verhandlungen mit der Kulturstaatsrätin eine Basis gefunden, welchen Weg wir beschreiten wollen“, sagt Friese. Fakt ist, dass Friese gerne eine weitere Kuratorin für Ausstellungen eingestellt hätte, was bei diesem Finanzierungsangebot von 1,3 Millionen Euro nicht möglich sei. „Insofern sind wir auch nicht glücklich damit“, sagt Friese.

Wie berichtet, hatte im Frühjahr der beauftragte Gutachter Helmut Friedel aus München vorgeschlagen, die Ausstellungsfläche von den bisher rund 4800 Quadratmetern auf künftig rund 2200 Quadratmeter zu reduzieren. Rund 1500 Quadratmeter sollen dabei für die Weserburg zur Verfügung stehen, rund 700 Quadratmeter für das Zentrum für Künstlerpublikationen. Das verminderte Platzangebot würde aber grundsätzlich ein anderes Ausstellungsangebot erfordern.

Sanierung kostet mindestens 3,1 Millionen Euro

Auch Stiftungsratsvorsitzender Klaus Sondergeld bestätigt die Einigung mit der Kulturbehörde – ohne Details zu nennen. „Es ist so, dass wir uns auf einen gemeinsamen Vorschlag für die Kulturdeputation geeinigt haben, der ungefähr den alten Sockelbetrag von vor einigen Jahren umfasst. Das ist ein Kompromiss, aber wir sind zuversichtlich, dass wir dem Hause damit eine Zukunft ermöglichen“, so Sondergeld. Sondergeld bestätigt, dass man im Sommer noch von einem Finanzierungsbedarf in Höhe von 1, 8 Millionen ausgegangen sei. Dieser Ansatz sei in den Verhandlungen aber angesichts der allgemeinen Finanzlage nicht zu halten gewesen. Der längst geplante Umbau des Museums am Teerhof ist von von der gesamten Debatte um die Finanzierung des Hauses nicht berührt. Wie bereits berichtet, muss das städtische Gebäude dringend saniert wird.

Weserburg auf Spendenbasis

Wie teuer das werden könnte, ist allerdings unklarer denn je. Nach einer Schätzung von Immobilien Bremen aus dem Jahre 2013 würde die Sanierung der Bausubstanz rund 3,1 Millionen Euro kosten. Da seither aber bereits zwei Jahre vergangen sind, könnte der Finanzierungsbedarf angesichts gestiegener Baukosten mittlerweile deutlich höher liegen. Für einen geplanten Umbau des Museums, nicht allerdings für die Sanierung des gesamten Gebäudes, sind im Fonds der Weserburg für bauliche Maßnahmen – unter anderem durch den Verkauf wertvoller Gemälde von Gerhard Richter und Franz Gerscht – rund sechs Millionen Euro enthalten.

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