„Irgendwo“-Fläche am Flughafen

Krisengipfel für Bremer Kulturprojekt ohne Ergebnis

Der Kulturbeutel ringt mit den Behörden um eine Fläche am Flughafen. Der bisherige Vertrag lief aus, den neuen wollen die Kulturschaffenden noch nicht akzeptieren. Sie fordern eine langfristige Lösung.
04.11.2020, 11:01
Lesedauer: 2 Min
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Krisengipfel für Bremer Kulturprojekt ohne Ergebnis
Von Pascal Faltermann
Krisengipfel für Bremer Kulturprojekt ohne Ergebnis

Zahlreiche Freiluftpartys und andere Kulturangebote veranstalten die "Kulturbeutel"-Leute im „Irgendwo“ auf einer Fläche am Bremer Flughafen.

Christina Kuhaupt

Immer wieder gab es Gespräche, immer wieder Verhandlungen, wie es mit dem selbstverwalteten Kulturprojekt „Irgendwo“ weiter gehen soll. Das Kollektiv des Vereins Kulturbeutel bespielt seit vier Jahren das Gelände an der Amelie-Beese-Straße in der Bremer Airportstadt. „Ende Oktober lief der Zwischennutzungsvertrag aus, ohne dass wir einen zufriedenstellenden neuen Vertrag bekommen haben“, sagt Felix Graßhoff vom Kulturbeutel.

Weil sich die Ressorts Wirtschaft, Kultur und Bau nicht mit den Kulturschaffenden einigen konnten, gab es am Montagabend einen Krisengipfel, an dem unter anderem Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) teilnahmen – erneut ohne eine Einigung.

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„Unser Ziel ist es, eine langfristige Lösung zu bekommen“, sagt Amelie Rösel vom Kulturbeutel. Dies soll am besten am gleichen Standort sein, also an der Amelie-Beese-Straße in der Nähe des Flughafens. Die Forderung des Kollektivs ist, dass dies auch in einen neuen Vertrag verankert wird. „Wenn wir allerdings über vier Jahre etwas aufbauen und es dann abreißen müssen, kommt das der Zerstörung des Kulturprojektes gleich“, ergänzt Graßhoff.

Verein startet Petition

Der Verkauf von Flächen sei dem Wirtschaftsressort anscheinend wichtiger als der Erhalt von Kultur. Um den Verantwortlichen zu signalisieren, dass das Projekt für den städtischen Raum von Bedeutung ist, hat der Verein eine Petition ins Leben gerufen, um das Thema in den Bremer Landtag zu bringen. Am Dienstagabend (18 Uhr) gab es bereits mehr als 2400 Unterzeichner.

„Wir haben als Ressort viele alternative Flächen in der Stadt geprüft, aber keine bietet für ein solches Projekt so viele Vorteile wie das Areal in der Nähe des Flughafens“, sagt Maike Schaefer, Senatorin für Bau und Stadtentwicklung. Es sei wichtig, dass es Projekte wie den Kulturbeutel in der Stadt gebe. Darum sei es gut gewesen, dass der Vertrag für das Gelände in der Airportstadt mal auf höchster Ebene mit den Festivalmachern intensiv diskutiert worden sei, so Schaefer.

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Das Gespräch am Montag sei sehr konstruktiv gelaufen, sagt Kristin Viezens, Sprecherin der Wirtschaftsbehörde. „Das klare Ziel ist, das Projekt ,Irgendwo' langfristig abzusichern.“ Das Wirtschaftsressort biete eine erneute Zwischennutzung an, die von einem Jahr auf zwei Jahre erweitert werde. In dieser Zeit werde gemeinsam mit dem Baubehörde und im Gespräch den Vertretern des Vereins „Kulturbeutel“ eine Alternativfläche gesucht, die für eine langfristige Nutzung in Frage komme.

„Eine weitere Zwischennutzung ohne Aussicht auf eine langfristige Lösung besiegelt das Ende des Projekts“, sagt Grünen-Politikerin Kai Wargalla, die sich für die Forderungen des Kulturbeutels einsetzt. In Bremen gebe es Flächen fürs Wohnen und für Gewerbe. Für Kultur und solche Projekte allerdings nicht. Im Koalitionsvertrag habe sich die rot-grün-rote Regierung darauf festgelegt, dass keine öffentlichen Flächen mehr verkauft werden sollen. „Und jetzt will ausgerechnet ein linkes Ressort ein Kulturprojekt verdrängen für die Interessen großer Unternehmen“, so Wargalla.

Weitere Informationen

Informationen und die Petition des „Kulturbeutels“ gibt es im Internet unter: kulturimbeutel.de/petition

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