Nach Fabrikeinsturz in Bangladesch Kunden wollen es weiter billig

Bremen. In Bangladesch starben beim Einsturz einer Fabrik, in der Kleidung für Deutschland hergestellt wird, mehr als 1000 Beschäftigte. In einer Umfrage wollen wir wissen, ob Primark-Kunden ihr Einkaufsverhalten deshalb ändern.
13.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Charlotte Ebert

Bremen. Modeketten wie Benetton, Kik und Primark locken mit günstigen Preisen. Produziert wird die Kleidung in Ländern, in denen Arbeitsbedingungen herrschen, die mit denen in Mitteleuropa nicht vergleichbar sind. In Bangladesch starben beim Einsturz einer Fabrik mehr als 1000 Beschäftigte. In einer Umfrage wollten wir wissen, ob Primark-Kunden ihr Einkaufsverhalten deshalb ändern.

Die Nachfrage nach billiger Kleidung der irischen Modemarke Primark hält auch nach dem Einsturz eines achtstöckigen Fabrikgebäudes mit über 1000 Toten in Bangladesch offenbar an. Auch Primark hatte dort für geringen Lohn und unter gefährlichen Arbeitsbedingungen produzieren lassen. In Bremen hat das Unternehmen eine Filiale im Einkaufscenter Waterfront in Gröpelingen, und die Kunden nehmen teils weite Weg in Kauf. Sie reisen aus Hamburg, Cloppenburg oder Walsrode an, um für wenig Geld Kleidung zu bekommen, die im Trend liegt.

Mit dem Motto "Look good and pay less", zu Deutsch: "Sieh’ gut aus und bezahle weniger", ist das Unternehmen seit 1969 erfolgreich. Zunächst in Großbritannien, später auch in Spanien, Holland und Portugal. Die erste Filiale in Deutschland eröffnete 2009 – in Bremen. Fast vier Jahre später sind es bundesweit zehn Filialen. Für dieses Jahr sind drei weitere Einweihungen geplant: Köln und Düsseldorf sind erstmals dabei – in Berlin wird ein weiteres Geschäft eröffnet.

Gerade jüngere Kundschaft kauft gerne bei Primark ein. Denn hier bekommen beispielsweise Schüler und Studenten für wenig Geld viele Pullover, Shirts und Hosen. Die Kleidung kann nur deshalb so billig verkauft werden, weil sie günstig produziert worden ist. In Ländern wie Bangladesch, wo die Löhne niedrig sind und die Arbeitsbedingungen meist katastrophal.

Am 24. April gegen 8.45 Uhr stürzte dort das achtstöckige Gebäude einer Textilfirma ein, in der auch für Primark gearbeitet wurde. Mehr als 3000 Menschen waren zu dem Zeitpunkt in dem Gebäude. Über 1000 Beschäftigte starben bei dem Unglück, die meisten von ihnen waren junge Frauen unter 30 Jahren.

Das Unglück ist eine der schlimmsten Katastrophen in der Textilindustrie in Bangladesch. Grund für den Einsturz der Fabrik waren offenbar bauliche Mängel: Das Gebäude war demnach gesetzeswidrig um Stockwerke ergänzt worden. Bereits einen Tag vor dem Einsturz seien große Risse in den Mauern aufgefallen. Dennoch seien die Angestellten zur Arbeit geschickt worden. Seit dem Einsturz demonstrierten Arbeiter in Bangladesch. Sieben Verdächtige wurden bislang festgenommen.

Neben Primark lassen auch andere Modemarken in Bangladesch produzieren. Die Kampagne für Saubere Kleidung nennt unter anderem H&M, Mango, GAP, Kik, C&A sowie Benetton und ruft die Unternehmen auf, sich für nachhaltige Sicherheitsmaßnahmen einzusetzen. Ein Vertreter von Primark war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Unternehmen kündigt auf seiner Internetseite an, die Opfer entschädigen zu wollen.

„Die Sachen sind schön und nicht so teuer“: Zweimal im Jahr kommt Milena Niemeyer aus Hamburg nach Bremen, um bei Primark einzukaufen. "Bei uns haben wir so etwas leider nicht", sagt sie. Milena Niemeyer und ihr Freund kommen in die Waterfront zum Frühjahrseinkauf. "Ich wusste nichts von dem Unglück in Bangladesch, aber ich werde mein Einkaufsverhalten deshalb nicht ändern", sagt die Schülerin. In der Hand halten sie und ihr Begleiter vier gut gefüllte Tüten. Wenn schon, dann sollte sich die Fahrt von Hamburg auch lohnen. Milena Niemeyer: "Die Sachen bei Primark sind schön und nicht so teuer. Deshalb kaufe ich da gerne ein."

„Den Kindern zuliebe kaufe ich hier ein“: Annette Dwertmann aus Garrel war zum ersten Mal bei Primark – und womöglich auch zum letzten Mal. Denn eigentlich, so sagt sie, könne sie solche Geschäfte nicht vertreten und habe ein schlechtes Gewissen, hingegangen zu sein. Ihre Kinder, zwölf und 14 Jahre alt, hätten den Einkaufsbummel unbedingt gewollt: "Nur den Kindern zuliebe kaufe ich hier ein", sagt die Mutter. Dass sie noch mal bei Primark einkauft, glaubt sie nicht. Sie habe immer ein schlechtes Gefühl, wenn sie in Kleidung den Hinweis "Made in Bangladesh" lese und sei sich bei keiner Marke mehr richtig sicher.

„Geht etwas kaputt, kaufe ich es neu“: Torben Krell kommt mit seinem Freund aus Hamburg, um bei Primark einzukaufen. "Ich mache mir keine Gedanken darum, wo die Sachen jetzt genau herkommen", sagt der Auszubildende. Er habe zwar etwas von dem Unglück in Bangladesch mitbekommen, aber eine engere Verbindung zu dem Geschehen in der Fabrik habe er zu Primark nicht herstellen können. Er kaufe nicht alles bei Primark. Aber beispielsweise Schuhe und Unterwäsche entsprächen hier meistens seinen Vorstellungen. Torben Krell: "Die Sachen sind so günstig bei Primark. Wenn etwas kaputt geht, kaufe ich es mir einfach neu."

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