Doku Blumenthal zeigt Fotos von Helmut Wieben und macht mit „Transfer“ einen Gang durch die Dunkelkammer Kunst des Zufalls

Das Doku Blumenthal wartet derzeit mit einer kleinen aber sehr feinen Ausstellung auf: "Transfer" zeigt Fotos von Helmut Wieben, die die fotografische Ebene verlassen und damit eine Gratwanderung bis hin zur Grenze zur Malerei machen.
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Von Albrecht-joachim Bahr

Das Doku Blumenthal wartet derzeit mit einer kleinen aber sehr feinen Ausstellung auf: "Transfer" zeigt Fotos von Helmut Wieben, die die fotografische Ebene verlassen und damit eine Gratwanderung bis hin zur Grenze zur Malerei machen.

Blumenthal. Gut, dass es solche Zufälle gibt. Denn quasi zugefallen ist dem Doku Blumenthal eine Ausstellung, die man eher in der Weserburg erwartet oder anderen Kunsthochburgen in Bremen: die Ausstellung "Transfer" mit Arbeiten von Helmut Wieben, die, wie der Künstler selbst sagt, "die Grenzen der Malerei berühren ohne sie zu kopieren". Vor allem aber ist es eine Ausstellung, die den Besucher nicht unberührt lässt.

Erster Zufall: Wieben, freier Fotograf aus Bassum, war einer Bekannten beim Aufbau einer Werkschau im Doku behilflich. Ein Wort kam aufs andere und Wieben versprach, sein Archiv durchzuschauen nach Bildern und Fotos, die im Doku ausgestellt werden könnten. 29 hat er ausgesucht, die jetzt im Kulturzentrum am Schillerplatz zu sehen sind. Dem Sujet nach Landschafts- und Naturbilder.

Zweiter Zufall: Der spielt sich in der Dunkelkammer ab. Denn Wiebens Bilder sind ausnahmslos Fotografien, die je nach Stand und Verfahren bei Entwicklung und/oder Weiterverarbeitung – eben keine Fotografien mehr sind, sondern Kreationen, die sich der Malerei nähern, dem Aquarell, der Lithografie, und nicht nur nähern, sondern sich fast schon so gebärden.

Allein ein gut 100 mal 100 Zentimeter großes Bild einer Insel mit Bäumen, das unwillkürlich an die "Toteninsel" von Arnold Böcklin erinnert, wobei Wieben es auch nicht leugnet von dem inspiriert worden zu sein – allein dieses Bild könnte einen glauben machen, man stehe vor einem Gemälde von Gerhard Richter. Was ist passiert? Wieben fotografiert eine bewaldete Insel im Morgenlicht, mit Infrarotfilm.

Grenze zur Malerei erreicht

Und schon tun sich zwei Welten auf: schwarz und dunkelgrau die noch von der Nacht her kalte; hell bis gleißend die schon von der Morgensonne erwärmt wird. Das Ganze dann noch gespiegelt, wobei Realität und Widerbild durch eine Nebeldecke getrennt werden. Das Foto dann auf besagtes Maß gebracht – und schon ist die Grenze zur Malerei erreicht.

Viele Zufälle: Die nutzt Wieben bei seinen "Aquarell"-Bildern. Er fotografiert mit einer Polaroid-Kamera. Statt aber das Foto nach Gebrauchsanweisung ausentwickeln zu lassen, trennt er Positiv und Negativ schon nach gut 30 oder 40 Sekunden. Das Negativ presst er sodann auf – zumeist – Büttenpapier und belässt es da für die restlichen eineinhalb Minuten.

Zieht er es dann ab, "bleibt – bei glücklicher Fügung – viel haften. Oder eben nicht". Auf jeden Fall bleibt ein Unikat, bleibt ein Mini-Aquarell. Für die, die es dann doch lieber größer haben, kann dieses Aquarell gescannt und wieder auf "Richter"-Größe gebracht werden. Leider bietet die Ausstellung nur ein Beispiel dieser Blow-ups.

Wieben ist Fotograf. Und seine Kunst entsteht in der guten alten Dunkelkammer. Er arbeitet mit speziellen Entwicklern und steuert seine Ergebnisse über Zeit, Temperatur und Entwicklerkonzentration. Oder aber er koloriert Bromsilberabzüge mit besonderen Foto-Ölfarben per Hand. Allen seinen Arbeiten ist dabei gemeinsam, sagt Wieben, "dass sie die fotografische Ebene verlassen und durch verschiedene Techniken ihre eigene Ästhetik und Anmutung entwickeln. Allesamt Techniken, denen das Vergessen droht".

"Transfer", Fotografien von Helmut Wieben, bis zum 28. November im Doku Blumenthal, Heidbleek 10. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 17Uhr, Freitag von 10 bis 13 Uhr.

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