Nordbremer Museum macht es vor: Freier Eintritt bis zum 18. Lebensjahr

Kunst – ein Geschenk

Vegesack. Kunstwerke anschauen, ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen. Darüber können sich Kinder und Jugendliche freuen, die das Overbeck-Museum in Vegesack besuchen möchten.
29.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ulrike Schumacher

Kunstwerke anschauen, ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen. Darüber können sich Kinder und Jugendliche freuen, die das Overbeck-Museum in Vegesack besuchen möchten. „Ab sofort erhalten alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre freien Eintritt“, kündigt Museumsleiterin Katja Pourshirazi an. „Teilhabe an Kunst darf keine Geldfrage sein“, wirbt die Leiterin für das Angebot, das in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro Bremen-Nord entstand. Somit könnten sich auch Familien mit mehreren Kindern den Museumsbesuch leisten, „weil nur noch die Erwachsenen Eintritt bezahlen müssen“.

Die Entscheidung, Kinder und Jugendliche einfach so ins Museum zu holen, hat eine Vorgeschichte. In den vergangenen Jahren hat das Overbeck-Museum sein Angebot für Kinder und Jugendliche immer weiter ausgebaut, blickt die Leiterin zurück. „Gerade erst wurde eine feste Kooperation mit der Grundschule Alt-Aumund geschlossen“, schildert Katja Pourshirazi, „und seit vielen Jahren nimmt das Overbeck-Museum erfolgreich an der Bremer Schuloffensive teil.“

Und seit einem knappen Jahr führt das Overbeck-Museum bereits Schulklassen kostenlos an Kunst heran. Gefördert von der Heinz und Ilse Bühnen Stiftung hätten „weit über tausend Schülerinnen und Schüler von dem Angebot profitiert“, berichtet Katja Pourshirazi. Etliche Kinder seien daraufhin auch außerhalb des Unterrichts mit den Eltern oder mit Freunden ins Overbeck-Museum gekommen, um zu zeigen, was sie dort gelernt hätten. „Sie sind bei uns richtige Experten geworden.“

Für Malte Prieser vom Kulturbüro Bremen-Nord ist es „ein Glücksfall, dass das Overbeck-Museum auf die Stiftung gestoßen ist“. Dass nun alle Bremer Museen dem Vegesacker Beispiel folgen, kann sich der Programmgeschäftsführer allerdings nicht vorstellen. „Für große Museen ist das nicht machbar“, meint Prieser.

In anderen Städten wird man schnell fündig, wenn man nach Museen sucht, in denen der Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 kostenlos ist. Berlin etwa listet diese Einrichtungen auf einer eigenen Homepage auf. In Hamburg werben mit diesem Angebot knapp 20 Häuser, darunter auch die dortige Kunsthalle und das Hafenmuseum.

In Bremen muss man schon genau hinsehen – hier sind es in erster Linie kleine Kinder, für die die Eltern nichts zahlen müssen. In der Kunsthalle zum Beispiel gilt das für Mädchen und Jungen bis einschließlich fünf Jahren. „In der Regel übernehmen Stiftungen und Förderkreise diese Einnahmeausfälle“, sagt Alexandra Albrecht, Pressesprecherin des Kultursenators. Ansonsten seien die Eintrittspreise der Museen für diese Altersgruppe sehr niedrig, um ihr den Zugang zu erleichtern. „Wir haben den reduzierten Eintrittspreis von 3,50 Euro bis zum Alter von 21 Jahren ausgedehnt“, sagt Kunsthallen-Mitarbeiterin Stefanie Gliedt.

Ein ähnliches Modell wie im Vegesacker Museum biete zudem der Familienpreis der Kunsthalle. Hier würden zwei Erwachsene zusammen 16 Euro Eintritt zahlen (ab April 18 Euro) und könnten kostenfrei bis zu vier Kinder mitnehmen. Außerdem gebe es freien Eintritt für die Schülerinnen und Schüler der Partnerschulen. Derzeit seien es 25 Schulen und eine Kita. Weitere Schulen könnten sich bewerben.

Auch im Focke Museum können Kinder bis einschließlich sechs Jahren umsonst auf Entdeckertour gehen. Das gelte im Übrigen auch für Bremer Schulklassen und Kindergartengruppen, die sich zu einem Besuch oder zu Führungen anmelden, heißt es auf der Internetseite des Museums. Im Überseemuseum haben die unter Sechsjährigen freien Eintritt, die Sechs- bis 17-Jährigen kommen für 2,50 Euro in die Ausstellung, berichtet Martina Kopp, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit.

Wenn es nach der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft geht, dann müsste es hingegen für Schüler in allen Bremer Museen freien Eintritt geben. Grundsätzlich. „Wir haben schon im Jahr 2010 ein Papier veröffentlicht, in dem die Forderung enthalten ist, dass Schülerinnen und Schüler mindestens einmal in der Woche freien Eintritt in Museen haben“, sagt der kulturpolitische Sprecher Claas Rohmeyer.

Für das Gerhard-Marcks-Haus gab es – ebenfalls mit Unterstützung der Heinz und Ilse Bühnen Stiftung – schon vor der jetzigen Umbauphase freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Auch nach der Wiedereröffnung im Herbst werde das so sein, weiß Claas Rohmeyer. Aus kaufmännischer Sicht sei das auch vernünftig. Wenn es um die Kundschaft von morgen geht, könnten Museen nicht früh genug damit beginnen, für sich zu werben. „Sie konkurrieren mit Youtube und anderen“, gibt der Christdemokrat zu bedenken. „Je später man versucht, das Interesse zu wecken, umso schwieriger wird es.“ Für Museen bedeute ein freier Eintritt für Kinder und Jugendliche im Übrigen keinen Mehraufwand, findet Rohmeyer. Sie seien ohnehin geöffnet und das Personal sei da und müsse nicht aufgestockt werden. „Wir reden ja nicht von Horden, die da kommen.“ Bestätigt sieht sich die CDU-Fraktion in dieser Frage von der Stadtbibliothek. „Die bietet die Bib-Karte für Schülerinnen und Schüler ab der Grundschule kostenlos an.“

Für „grundsätzlich wichtig und gut“ hält auch der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Elombo Bolayela, den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche. Für privat geführte Häuser sei das eine gute Strategie, „Kunden von morgen zu gewinnen“, sagt der Sozialdemokrat. Für staatlich geführte Häuser stehe aber die Frage, was dies koste und wer es am Ende bezahle, auch im Raum. „Bei der Haushaltsnotlage, die wir in Bremen haben, ist das zurzeit undenkbar.“

Für den sozialpolitischen Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion ist es auch eine Frage der Bedürftigkeit. „Es sind ja nicht alle bedürftig“, sagt Klaus Möhle. Wer viel Geld habe, könne sich auch den Eintritt ins Museum leisten. Ein freier Eintritt müsse seiner Ansicht nach ans Einkommen gekoppelt sein. „Für wirklich Bedürftige“, sagt Klaus Möhle, „bin ich sofort dafür.“

Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz hält es ebenso für sinnvoll, „Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Museen zu erleichtern, vor allem, wenn sie aus Elternhäusern kommen, die über ein geringes Einkommen verfügen“. Gleichwohl schränkt sie ein: „Wer aber Fußball- und Kinokarten bezahlen kann, sollte auch den Eintritt für Museen entrichten.“ Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, „Kunst und Kultur seien nichts wert“.

Ob kostenfrei oder gegen Eintritt – wer den Familienausflug am Wochenende für den Besuch eines Museums nutzen möchte, sollte sich nicht erst lange mit Ausschlafen, Einkauf, Wohnungsputz oder anderen Erledigungen aufhalten, für die in der Arbeitswoche keine Zeit ist. In der Regel schließen die Museen sonnabends und sonntags ihre Türen um 17 Uhr, spätestens eine Stunde später.

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