Ingrid Kemnade und Wilfried Faber stellen in Kleiner Galerie aus

Kunst mit vielen Zwischentönen

"Eine Begegnung" hat Galeristin Helga Busch das Zusammentreffen der introvertierten Malerei von Ingrid Kemnade mit den extrovertierten Skulpturen von Wilfried Faber in der Findorffer Kleinen Galerie Eichenberger Straße genannt.
30.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Kunst mit vielen Zwischentönen

Ingrid Kemnade und Wilfried Faber (Bild unten) haben sich erst anlässlich ihrer Gemeinschaftsausstellung in Findorff kennengelernt. Die Idee für dieses ungewöhnliche künstlerische „Blind Date“ hatte Galeristin Helga Busch. AVE·

Roland Scheitz

Einen gemeinsamen Nenner für die aktuelle Ausstellung in der Findorffer Kleinen Galerie Eichenberger Straße zu finden, das ist gar nicht so einfach. „Eine Begegnung“ nannte Galeristin Helga Busch das Zusammentreffen der introvertierten Malerei von Ingrid Kemnade mit den extrovertierten Skulpturen von Wilfried Faber. Auch im Kontrast liegt hier die Kunst.

Die Werke, die derzeit in der Findorffer Kleinen Galerie ausgestellt sind, passen auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen. Die beiden ganz unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten hatten zuvor noch nie miteinander zu tun. Und es wäre wohl auch dabei geblieben, wenn nicht Galeristin Helga Busch größtes Vergnügen an diesem „Blind Date“ gefunden hätte: „Eine Begegnung: Farbiges trifft Weiß“ nennt sich das überraschende Kontrastprogramm.

Die Findorffer Malerin Ingrid Kemnade malt vorwiegend abstrakt. Ihr aktuelles Thema ist das Experimentieren mit den Nuancen der Farbe Weiß. Bunt, konkret und körperlich sind dagegen die Skulpturen und Plastiken von Wilfried Faber. Er produziert amüsante kleine Wesen mit ganz typischen Eigenschaften. Bei näherer Beschäftigung wird dann doch eine Gemeinsamkeit offensichtlich: Auf ihre ganz individuelle Art gelingt es beiden Künstlern, Stimmungen einzufangen und wiederzugeben.

Wirkung der Farben

Ingrid Kemnade, Jahrgang 1944, ist an der Eichenberger Straße 62 ein gern gesehener Gast. Die Künstlerin, die nur ein paar Schritte entfernt von der Galerie zu Hause ist, stellte hier in den vergangenen Jahren mehrfach aus – zuletzt im Mai 2013 ihre künstlerischen Variationen „Über die Zeit“. Vor allem die Wirkung von Farben und deren Zusammenspiel ist ihr Thema. In ihrem neuesten künstlerischen Projekt macht sie eine Farbe zum Hauptdarsteller, die in der Malerei vor allem in einer ebenso unscheinbaren wie essenziellen Nebenrolle auftaucht: Weiß macht aus anderen Farben eine unendliche Palette von Zwischentönen. Doch auch die Farbe Weiß selbst kann in einer Vielfalt von Nuancen und Schattierungen erscheinen, die ganz unterschiedliche Wirkungen erzeugen.

Sich bewusst auf die „unbunte“ Farbe zu beschränken, sei die „größte Herausforderung“, sagt Ingrid Kemnade. In ihren Bildern können die Betrachter melancholische Seelenlandschaften erkennen – das Spiel des Windes im Gras, stille Küstenhorizonte. Stimmungsbilder sind aber auch die konsequent abstrakten Werke, wie das Gemälde „Weiß ist nicht gleich Weiß“, das Tiefe, Struktur, Spannung und Inhalt allein durch das subtile Zusammenspiel der Nuancen erhält. Für eine Collage hat sie Stoffreste aus dem Fundus der Mutter verarbeitet: Das grobe Leinen und die feine Spitze sind Gewebe der Erinnerung.

In diesem introvertierten Ambiente muss das komische buntgemischte Völkchen von Wilfried Faber besonders hervorstechen. Die Büsten und Figuren des Künstlers, Jahrgang 1947, der in Oberneuland lebt und eigentlich stadtbekannter Juwelier ist, sind dreidimensionale Karikaturen menschlicher Charaktereigenschaften. Er befindet sich damit in einer Tradition, zu deren Vertretern zum Beispiel der Franzose Honoré Daumier zählt. Unter den Winzlingen, die erstmals öffentlich ausgestellt werden, gibt es den Besserwisser mit der viel zu straffen Fliege, den Hochnäsigen, Ungehaltenen oder Selbstgefälligen. Mitunter haben die Typen sogar identifizierbare Vorbilder: So könnten Betrachter die kindischen Gesichtszüge eines katholischen Bischofs wiedererkennen. Doch der Künstler, der ursprünglich vom Niederrhein stammt, verpackt auch die unsympathischsten Charakteristika auf die liebenswerteste Art und Weise: Seine Kreaturen sind vor allem Botschafter der humorvollen Gelassenheit, sich selbst und nervige Zeitgenossen nicht allzu ernst zu nehmen. „Ein Lächeln ins Gesicht zaubern“ sei sein primäres Motiv, sagt der Künstler bescheiden.

In Findorff hat die Begegnung mit den kleinen Gästen aus Oberneuland bereits ihren Eindruck hinterlassen. Ingrid Kemnade hat ihre Konturen auf einem Bild zitiert, das exklusiv für die Ausstellung entstanden ist – selbstverständlich in vielen Nuancen der Farbe Weiß.

Die Ausstellung „Eine Begegnung: Farbiges trifft Weiß“ mit Bildern von Ingrid Kemnade und Plastiken von Wilfried Faber ist bis zum 20. Dezember in der Kleinen Galerie, Eichenberger Straße 62, zu sehen. Öffnungszeiten: freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 13 bis 18 Uhr. Nähere Informationen zur Galerie finden sich im Internet unter www.helgabusch.de.

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