Hartmut Völlger öffnet seit zehn Jahren sein Haus für eine Werkschau / Ausstellung ist nach Anmeldung zu besichtigen Kunst und Handwerk vom Keller bis zum Dachboden

Ellenerbrok-Schevemoor. Kunst vom Keller bis unters Dach. Hartmut Völlger kann nicht anders. Der 68-Jährige malt, klebt, modelliert und experimentiert von morgens bis abends. Die Ergebnisse seiner Arbeit präsentierte er am Sonntag in seinen heimischen vier Wänden, in einem Reihenhaus im Stadtteil Ellenerbrok-Schevemoor. Mit der Werkschau startet Völger seine zehnte Jahresausstellung.
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Von Silja Weißer

Ellenerbrok-Schevemoor. Kunst vom Keller bis unters Dach. Hartmut Völlger kann nicht anders. Der 68-Jährige malt, klebt, modelliert und experimentiert von morgens bis abends. Die Ergebnisse seiner Arbeit präsentierte er am Sonntag in seinen heimischen vier Wänden, in einem Reihenhaus im Stadtteil Ellenerbrok-Schevemoor. Mit der Werkschau startet Völger seine zehnte Jahresausstellung.

Der Weihnachtsmann hockt gemütlich am Eingang. Eine Hand zum Gruß erhoben, in der anderen eine Laterne mit brennender Kerze. Die selbst gemachte Figur aus Pappmaché mit einer Lasur aus regenabweisender Ölfarbe ist, wie so vieles in dem Reihenhaus Am Hilgeskamp 1d, ein Produkt von Hartmut Völlgers schier unerschöpflicher Schaffenskraft. Sieben bis acht Stunden täglich widmet sich der 68-Jährige seiner Kunst, seinen Malereien, Collagen und Plastiken, Fensterbildern und Buddelschiffen bis hin zum aus Lattenrost gezimmerten Schaukelpferd.

Vor 22 Jahren fing alles an. 1989 erlitt Völlger einen Herzinfarkt. Drei Bypässe, ein Defibrillator, die Vorderwand tot, beschreibt er die Folgen und fasst zusammen: "Ich habe nur noch 50 Prozent Herz." Doch Völlger haut so schnell nichts um. Im Gegenteil: Er startete ein neues Leben. Ein Leben für die Kunst. "Die hilft mir über viele Dinge hinweg", erklärt er. Seinen Beruf als Justizvollzugsbeamter gab er auf. "Das war sowieso nicht meine Welt", sagt Völlger, den Job mit seinem eigentlichen Lehrberuf als Drucker in der grafischen Industrie vergleichend, den er zuvor beim Schüneman-Verlag in Bremen ausübte. Damals begleitete er oft den Druck von Kunstbänden und holte sich Anregungen für eigene Werke. "Der Gedanke, Kunst zu machen, war schon immer da. Ich hatte sogar schon die Zusage für die Kunstschule in der Tasche", erzählt Völger, der sich am Ende doch dem Wunsch seiner Eltern fügte, ein solides Handwerk zu erlernen.

Jetzt lebt er seine langgehegte Neigung zu Farben und Formen auf vielfältige Weise aus. Die Palette reicht von abstrakten Bildern auf großen Pappen bis hin zu Acrylarbeiten im Kreditkartenformat und Bauernmalereien auf Schirmständern.

Eine Motivwelt findet sich unter den so unterschiedlichen Werken, die an den Wänden und über und unter dem Treppengeländer angebracht sind, immer wieder: Tiere. Ob Löwen, Nashörner oder Elefanten, die Fauna beschränkt sich nicht nur auf heimische Vierbeiner. "Ich mag Tiere", lautet die schlichte Begründung. Für seine Arbeiten nach Skizzen besucht Völlger gern die Zoos in Hannover und Hamburg oder in Zürich, wo einer seiner beiden Söhne wohnt.

In der Schweiz ist auch sein größtes künstlerisches Vorbild zu Hause: Hans Erni. Von dem Maler und Grafiker hat er die markanten weißen Umrisslinien übernommen, mit denen er seine Tiere hervorhebt und somit auf eine scheinbar vorgesetzte zweite Bildebene bringt. Den Schritt in die Zweidimensionalität wagt in einem anderen Werk auch ein kleines Männchen aus gelötetem Draht. In abstrakten Werken geschieht dies durch übereinander geschichtete Pappen und mit Spachtelmasse eingearbeitete Ringe. Völlger baut nicht nur gerne an, hebt vor und verleitet die Betrachter zum Anfassen oder zumindest zum Perspektivwechsel. Er ist sich sicher: "Man muss Grenzen überschreiten. Darin liegt die handwerkliche Kunst." So findet sich in einer Malerei echter Sand. Die Idee hatte er auf Juist am Strand, leider aber keine Tüte. "Wir haben den Sand dann kurzerhand in einem Socken abgefüllt und nach Hause transportiert", erzählt seine Frau Doris, die ihren Mann beim Ausleben seiner Kreativität unterstützt.

Für zahlreiche abstrakte Acrylmalereien greift Völlger zu Spritzen. "Die habe ich aus meiner Zeit im Krankenhaus", sagt er und erklärt, wie er mit ihnen die Farbe auf die Oberfläche drückt und den Bildern eine zeichnerische Struktur verleiht.

Neben Spritzen benutzt der Künstler Spachtel, Pinsel, Schwämme und manchmal auch zerknüllte Zeitung, mit der er Strukturen ins Bild tupft. "Der Weser Kurier ist zu glatt. Der nimmt das Acryl nicht an", erzählt er und lacht, "da nehme ich andere Blätter von schlechterer Qualität."

Mit der aktuellen Ausstellung läuft die vorerst letzte Schau im Hause Völlger. Über seinen in der Schweiz lebenden Sohn will der Künstler versuchen, Kontakte zu den dortigen Galerien zu knüpfen. Der Grund für den Schritt ins Ausland: "In Deutschland fragt jeder nach einem Studium. In der Schweiz zählt nur das Talent."

Die Schau ist noch ein Jahr lang Am Hilgeskamp 1d zu sehen. Anmeldungen unter Telefon 405918.

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