Arbeiten deutlich in Verzug Kunsthalle Bremen kämpft mit Bauproblemen

Bremen. Beim Umbau der Kunsthalle gibt es offenbar erhebliche Probleme, Zeitplan und Kostenrahmen einzuhalten. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bis Ende Oktober dieses Jahres beendet sein. Doch immer noch wird in der Kunsthalle und drumherum mit schwerem Gerät hantiert.
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Kunsthalle Bremen kämpft mit Bauproblemen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Beim Umbau der Kunsthalle gibt es offenbar erhebliche Probleme, Zeitplan und Kostenrahmen einzuhalten. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bis Ende Oktober dieses Jahres beendet sein. Doch immer noch wird in der Kunsthalle und drumherum mit schwerem Gerät hantiert. Es dauert wohl noch Monate, bis der Bau bezugsfertig ist - Zeit, die Geld verschlingt. Das mit 30 Millionen Euro veranschlagte Projekt dürfte deutlich teurer werden.

"Allein durch den strengen Winter zu Beginn dieses Jahres haben wir zehn Wochen verloren", sagt Kunsthallendirektor Wulf Herzogenrath. Das ganze Termingerüst sei daraufhin eingestürzt. Zudem hätten die Anschlüsse bei bestimmten Gewerken nicht mehr gepasst. Die leidige Folge: weitere Verzögerungen, die sich dann Herzogenrath zufolge summiert haben. Als Termin für die Wiedereröffnung der Kunsthalle war stets das Frühjahr 2011 genannt worden. Zum Auftakt ist eine große Präsentation der eigenen Sammlung geplant. Dann sollen auch viele der 200 Meisterwerke, die seit Januar 2009 als "Noble Gäste" in 22 großen deutschen Museen gezeigt werden, wieder zu sehen sein.

Ausstellungstermine ungewiss

Im Anschluss daran will die Kunsthalle ab dem 15. Oktober eine Sonderausstellung mit Werken von Edvard Munch zeigen. Die Schau heißt "Edvard Munch - Rätsel hinter der Leinwand" und versammelt zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus europäischen Museen. Unklar ist jetzt, wie der Fahrplan für die Ausstellungen noch eingehalten werden kann.

Auf feste Termine will sich Herzogenrath nach den schlechten Erfahrungen in zweijähriger Bauzeit nicht mehr festlegen lassen: "Wir wollen uns nicht unter Zwang setzen und sagen dazu erst Ende Januar wieder etwas." Die Bauarbeiten seien freilich auch zu diesem Zeitpunkt sicher noch im Gange.Wenn irgendwann dann die Bagger abrücken und die erweiterte und sanierte Kunsthalle an den Bauherrn, also an den Kunstverein, übergeben wird, dauert es noch einige Zeit, bis das Museum für Besucher zugänglich ist. Herzogenrath veranschlagt nach eigenen Angaben weitere fünf bis sechs Monate bis zur Eröffnung: "Hier geht es ja nicht um ein Eigenheim, sondern um ein Museum mit Millionenwerten."

Die wertvollen Kunstwerke, manche ein paar Hundert Jahre alt und aus hochsensiblem Material, benötigten in den Ausstellungsräumen optimale Bedingungen, dazu gehöre vor allem ein fein austariertes Raumklima, aber auch die Sicherheit. "Wir haben sieben unterschiedliche klimatische Bereiche in den Häusern, die alle miteinander abgestimmt werden müssen", erklärt der Direktor. Im Depot immerhin stimme das Klima mittlerweile einigermaßen. Sieben Klimazonen, eine davon ist fast etabliert.

Kunsthallendirektor Wulf Herzogenrath geht fest davon aus, dass Sanierung und Anbauten wegen der Verzögerungen deutlich teurer werden - "alles andere wäre ein Wunder". Unklar sei lediglich, in welcher Höhe genau das 30-Millionen-Euro-Limit überschritten werde. Eine Entwicklung, die beim Kunstverein große Sorge auslösen müsste. Vor allem deshalb, weil zuvor kategorisch ausgeschlossen worden war, dass es über die veranschlagte Investitionssumme hinaus weiteres Geld gibt. Die 30 Millionen Euro teilen sich bei der Finanzierung in drei Drittel auf. Je eines davon kommt vom Bund, von Bremen sowie von privater Seite, eine Spende der Familien Lürßen und Hollweg.

Neue Last für den Kunstverein

"Bund und Bremen werden einen Teufel tun und noch mal etwas dazugeben", sagt Herzogenrath. Also bleiben die Mehrkosten seiner Einschätzung nach allein beim Kunstverein hängen.Eine neue Finanzlast für den Verein, denn noch bevor in der Kunsthalle auch nur ein Stein bewegt wurde, traten Kosten auf, mit denen niemand gerechnet hatte. Der Betreiber des Museumscafés pochte plötzlich auf seinen Pachtvertrag und wollte die Veränderungen nicht mitmachen. Er zog vor Gericht und bekam zum Ausgleich eine Summe von 725000 Euro zugesprochen. Zahlen musste der Kunstverein.

Gerhard Harder, Baubeauftragter des Kunstvereins, schließt zwar nicht aus, "dass wir mit den 30 Millionen Euro nicht auskommen", einen Grund zur Aufregung sieht er aber nicht. "Wir sind spät dran, das sieht man ja, aber nicht so spät, dass man sich Sorgen machen müsste", dämpft Harder die Aussagen des Kunsthallen-Direktors. Er bleibe bei dem Ziel, die Kunsthalle im Juni zu eröffnen. "Andere Pläne gibt es nicht, ich kann für den Termin aber auch keine Garantie abgeben."

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