Geplantes EU-Gesetz Kunstrasenplatz-Verbot bedroht Vereine in Bremen und Niedersachsen

Die Europäische Union will Kunstrasenplätze mit Granulat verbieten. Das stellt viele Sportvereine vor große Probleme. Verbände und Politik setzen sich in Brüssel für eine länger Übergangsfrist ein.
10.07.2019, 17:59
Lesedauer: 3 Min
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Kunstrasenplatz-Verbot bedroht Vereine in Bremen und Niedersachsen
Von Mathias Sonnenberg

Das von der Europäischen Union geplante Verbot von Kunstrasenplätzen mit Gummigranulat ab 2021 stellt viele Sportvereine in Bremen und Niedersachsen vor große Probleme. Die EU bereitet derzeit ein Gesetz vor, dass die Verwendung von bewusst zugefügtem Mikroplastik verbieten soll. Das hätte nicht nur drastische Konsequenzen für die Sportinfrastruktur in Bremen und Umgebung, sondern in der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wären bundesweit über 5000 Plätze von einem Verbot betroffen, da auf diesen Flächen Gummigranulate verwendet werden.

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Nach Informationen des WESER-KURIER wird in der Stadt Bremen auf insgesamt 15 städtischen Sportfeldern auf Kunstrasenplätzen mit Mikroplastik Sport ausgeübt, in erster Linie Fußball. In Bremerhaven handelt es sich um weitere vier Sportanlagen. Da die Plätze häufig von mehreren Vereinen genutzt werden, wären von einem Verbot wenigstens 21 Sportvereine in Bremen und Bremerhaven betroffen. Außerdem könnten noch Spielfelder betroffen sein, die in vereinseigener Hand sind. Die Folge wären stark eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten, einige Verantwortliche befürchten gar, dass Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet werden müssten. Hinzu kommen neun vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) finanzierte Mini-Spielfelder, die zwischen 2008 und 2009 errichtet wurden – sechs in Bremen, drei in Bremerhaven.

Nachrüstung ist aufwändig

Für Niedersachsen gibt es noch keine Einzelaufstellung der betroffenen Kunstrasenplätze. Klar ist aber: Setzt sich die EU mit dem Mikroplastik-Verbot durch, droht diesen Plätzen in zwei Jahren die Stilllegung. Möglich wäre auch eine Nachrüstung der Flächen, die allerdings extrem aufwendig und teuer wäre. Außerdem wären die Hersteller von Kunstrasenplätzen nicht in der Lage, bundesweit 5000 Plätze in zwei Jahren von den Mikroplastiken zu befreien.

Viele Jahre galten die Spielfelder mit Kunstrasen als Problemlöser für Sportvereine. Denn diese sind extrem belastbar und ersetzen im Durchschnitt drei bis vier Rasenplätze. Deshalb hätte die Sperrung eines Kunstrasenplatzes weitaus größere Folgen als die eines Rasenplatzes, der von weit weniger Fußballmannschaften in Anspruch genommen werden kann. Die EU aber stört sich an den Granulatpartikeln, die unter anderem aus alten Autoreifen hergestellt werden und die Plastikhalme im synthetischen Untergrund des Kunstrasens stabilisieren und zugleich federnd wirken. Denn sie schaden der Umwelt und werden durch Regen, Wind und die Sportler selbst von den Plätzen getragen und gelangen so ins Grundwasser. Aktuellen Schätzungen zufolge gelangen jährlich bis zu 11 000 Tonnen Mikroplastik von Kunstrasenplätzen ins Grundwasser.

Brief an die EU

Anja Stahmann (Grüne), die als Bremer Sportsenatorin derzeit auch Vorsitzende der Sportministerkonferenz ist, hat die Problematik „Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen“ jetzt zur Chefsache erklärt. In einem Brief an die EU im Namen aller deutschen Sportminister, der dem WESER-KURIER vorliegt, begrüßt sie zwar grundsätzlich das Bestreben, das biologisch kaum abbaubare Mikroplastik in die Umwelt drastisch zu vermindern. Sie weist jedoch daraufhin, „dass sich ein derartig kurzfristiges Verbot von Granulaten auf Kunstrasenflächen ohne massive Folgen für den Sport nur bei Neuanlagen umsetzen lässt“. Für Altanlagen sei deshalb eine Übergangsfrist erforderlich, wie sie die Europäische Chemikalienagentur auch für andere Produkte mit zugefügten Kunststoffen vorsehe. Im Gespräch ist demnach eine Sechs-Jahres-Frist, in der die Plätze entsprechend umgerüstet werden können und dann frei von den schädlichen Mikroplastiken wären. Die dafür benötigten Gelder müssten dann aus Sportfördermitteln bereitgestellt werden.

Auch der DOSB und der DFB sprechen sich für solch eine Übergangsfrist aus. Ein sofortiges Verbot ab 2021 sei unverhältnismäßig, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. „Es würde zu hohen, unerwarteten Umstellungskosten und Mehrkosten für Vereine und Kommunen führen, wodurch dem gemeinwohlorientierten Sport Mittel entzogen würden“, schreiben Deutschlands führende Sportverbände. Eine Beschränkung ohne Übergangsfristen würde das Breitensportangebot in Deutschland sehr negativ beeinflussen.

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