In der Georg-Gröning-Straße liegen nun „Die unsichtbaren Worte“ Kunstwerk im Untergrund

Das Kunstwerk „Die unsichtbaren Worte“ ist nach drei Jahren Arbeit mit dem 100. Beitrag in Schwachhausen abgeschlossen worden. An 50 Orten in Bremen und Bremerhaven liegt jetzt verborgen, welche Worte Mitarbeiter der swb Kraft und Wärme geben.
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Kunstwerk im Untergrund
Von Lisa Schröder

Das Kunstwerk „Die unsichtbaren Worte“ ist nach drei Jahren Arbeit mit dem 100. Beitrag in Schwachhausen abgeschlossen worden. An 50 Orten in Bremen und Bremerhaven liegt jetzt verborgen, welche Worte Mitarbeiter der swb Kraft und Wärme geben – auch unter der Georg-Gröning-Straße ist etwas verborgen.

Warnschilder, Absperrungen, Umleitungen, beschäftigte Helmträger: Eine Baustelle ist eigentlich kein Ort, an dem man sofort an Kunst denkt. Beim Projekt des südkoreanischen Künstlers Kyungwoo Chun ist das anders: Ohne Baustelle keine Kunst. Ausgangspunkt für seine im September 2011 gestartete Arbeit „Die unsichtbaren Worte“ ist das unterirdische Netz aus Wasser-, Strom-, Gas- und Fernwärmeleitungen.

2700 Mitarbeiter des Energieversorgers swb waren eingeladen, dem Künstler Worte zu schicken, die ihnen und anderen Menschen Kraft und Wärme geben. Als Schriftfolie klebten Chun und seine Assistenten 100 Beiträge auf Leitungen, an denen gerade gebaut wurde – und das an 50 Orten in Bremen und Bremerhaven. Als Teil des Kunstwerks liegen die Worte nun unsichtbar im Untergrund.

Unsichtbar für 50 Jahre

„Es geht um die Betrachtung der Umgebung und darum, Sichtweisen zu ändern in der Vorstellung“, erklärt Chun die Idee hinter seinem Projekt. Die menschliche Energie der swb-Mitarbeiter soll in den Vordergrund gerückt werden. „Wichtig ist der Gedanke, dass sie Worte auswählen, die Kraft und Wärme verleihen und weniger, welche Worte es letztendlich sind.“

Am Montag wurde das Projekt mit den zwei letzten Beiträgen an der Baustelle Schubertstraße Ecke Georg-Gröning-Straße am St.-Joseph-Stift abgeschlossen. Die beiden Teilnehmer klebten ihren Beitrag mit Chun auf eine Wasserleitung. Ilona Wolters ist trotz Urlaubs gekommen. Ihre Worte „Jeder Tag ist ein neues Leben“ stammen von einer Gartenkugel. „Den Spruch fand ich toll und dachte: Mensch, den könntest du weitergeben.“ Sie findet es aufregend, beim Kunstwerk dabei zu sein. „Ich hätte nie im Traum daran gedacht.“

Reiner Meierdierks ist ebenfalls überrascht und fühlt sich geehrt, dass sein Spruch „Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aber aus Respekt“ ausgewählt wurde. „Ich fand es eine spannende Idee, etwas für die Nachwelt zu hinterlassen. Wenn der Spruch irgendwann in der Zukunft ans Tageslicht kommt: Wie wird dann damit umgegangen?“

Spätestens in vierzig bis fünfzig Jahren werden die Kunstwerke nach und nach wieder sichtbar: Rohre und Leitungen werden nach dieser Zeit ausgetauscht. Außerdem gibt es einen Stadtplan, der alle Orte des Kunstwerks zeigt und die einzelnen Wörter der Beiträge alphabetisch auflistet – nicht aber die ganzen Sprüche. Die Karte lässt sich auf www.dieunsichtbarenworte.de oder als Printversion an öffentlichen Orten wie der Stadtbibliothek oder Restaurants finden. „Die Idee ist dabei, dass die Leute die Karte zufällig entdecken und die Orte zu neuen Landmarkern werden“, sagt Ingo Clauß, Kurator des Projekts. „Es geht darum, dass der Stadtraum anders wahrgenommen wird. Das Netz, das ursächlich notwendig ist für das urbane Leben ist nicht präsent.“ Das unsichtbare Kunstwerk solle die Bedeutung dieses Netzes, das man durch Baustellen oder Ausfälle eigentlich nur negativ wahrnehme, sichtbar machen, so Ingo Clauß.

Weite Reise aus Korea

Am 27. September 2011 wurden die ersten Worte verlegt: „Große Veränderungen in unserem Leben können eine zweite Chance sein.“ Die ersten Beiträge sind Chun, 1969 in Seoul geboren, besonders in Erinnerung geblieben. Der damals in Bremen lebende Künstler hätte zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht, zurück nach Korea zu gehen. 13 Jahre lebte er mit seiner Familie in der Hansestadt: „Wir sind Bremer.“

Nach zwei Jahren, in denen er wegen seiner Professur an der Chung-Ang University pendelte, ging es aber zurück nach Korea. Für den Abschluss der „unsichtbaren Worte“ kam er zu Besuch. Die Themen Energie, Baustellen und die Frage, wem der öffentliche Raum gehört, interessierten den Künstler. Dass er andere einbezog, ist nicht neu: „In seinen Performances geht es immer darum, dass viele andere sich einschreiben können. Er zieht sich dabei als Künstler zurück“, beschreibt Ingo Clauß da Konzept Chuns. Für den Kurator ist der Ort, an dem das Projekt jetzt abgeschlossen wurde, sowieso schon besonders: „Vor zwei Wochen ist mein Sohn hier im Krankenhaus geboren“, erzählt er.

Dennis Stockmar von der swb, der das Projekte begleitete, ist zum Abschluss etwas wehmütig: „Das ist für mich als Ingenieur eine einmalige Möglichkeit gewesen. Ich gehe jetzt mit positiven Gedanken an meine Arbeit.“ Neben der wesernetz GmbH der swb unterstützte die Karin und Uwe Hollweg Stiftung Chuns Projekt.

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