Bremer Künstlerin wurde angezeigt Kunstwerk mit Hakenkreuz beschlagnahmt

Die Bremer Künstlerin Yolanda Feindura, hat in Gedenken an ihren Vater, ein Kunstwerk gefertigt auf dem ein kleines Hakenkreuz zu sehen ist. Dies wurde nun von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.
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Kunstwerk mit Hakenkreuz beschlagnahmt
Von Jan-Felix Jasch

Die Bremer Künstlerin Yolanda Feindura, hat in Gedenken an ihren Vater, ein Kunstwerk gefertigt auf dem ein kleines Hakenkreuz zu sehen ist. Dies wurde nun von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.

Im Schaufenster sitzt ein kleiner Schäferhund aus Porzellan. Etwas weiter links steht ein gläserner Fliegenpilz. Dazwischen ist ein Holzkasten, wie Kinder ihn zum Spielen mit Bauklötzen verwenden. Aus den Löchern des Spielzeuges schaut eine Ratte. Ihr Schwanz ragt aus einem anderen heraus.

Auf dem Kasten ist eine Papierschneidemaschine angebracht. Und ganz knapp darunter ist ein winziges Hoheitsabzeichen der Wehrmacht befestigt. Das Abzeichen sorgt jedoch für große Aufregung, rund um das Kunstwerk – denn auf der Nadel ist, bei genauem Hinsehen, ein kleines Hakenkreuz zu sehen.

Ensemble wurde 1995 angefertigt

Das Kunstwerk heißt „Ad olFactum“ und wurde von der Künstlerin Yolanda Feindura entworfen. „Ich habe das Ensemble 1995 nach dem Tod meines Vaters angefertigt“, sagt sie. Über zehn Jahre steht es im Schaufenster ihres Ladenateliers im Viertel. Nichts passierte, niemand beschwerte sich – bis zum vergangenen Oktober. Dann erstattete jemand Anzeige gegen Feindura.

„Vielleicht haben sich die Zeiten einfach geändert“, sagte die 71-Jährige auf der Suche nach einer Erklärung. Anfang November beschlagnahmte die Polizei den Holzkasten, damit die Staatsanwaltschaft ihn prüfen und bewerten konnte.

Feindura ist nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuches angezeigt worden. Dieser besagt, dass man mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zu rechnen hat, wenn man Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen öffentlich verbreitet oder verwendet.

Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation

Ein Hakenkreuz ist ein Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation. Allerdings gibt es auch die sogenannte Sozialadäquanzklausel, die das Zeigen solcher Kennzeichen in bestimmten Fällen erlaubt: Ein Verbot gilt nicht, wenn die Kennzeichen in der Lehre, Wissenschaft oder Kunst verwendet werden oder aber der staatsbürgerlichen Aufklärung dienen.

Yolanda Feindura hält ihr Ensemble eindeutig für ein Kunstwerk. „Man muss es doch nur mal in seinem antifaschistischen Kontext sehen“, sagte sie. Dieser würde eindeutig zeigen, dass sich das Werk in einem Kunstatelier befände. „Auch die anderen Bilder zeigen ja keine Nazi-Symbole“, sagte Feindura.

Außerdem sei das Werk ihrem verstorbenen Vater gewidmet. Der saß lange in Kriegsgefangenschaft, in der Nähe von Le Mans in Frankreich und bekam von der Geburt seiner Tochter nichts mit. „In dem Holzkasten ist sein Tagebuch, am Tag meines Geburtstages, dem 10. Mai 1945, ist keine Eintragung.“

Endgültige Entscheidung liegt bei der Staatsanwaltschaft

Die Polizei ist jedoch verpflichtet, das Kunstwerk sicherzustellen, sobald Anzeige erstattet wird. Auch, wenn die Einstufung als Kunstwerk vermeintlich eindeutig ist. Die endgültige Entscheidung darüber liegt bei der Staatsanwaltschaft. Und sie entschied im Sinne von Feindura.

Es kommt also nicht zu einer Anklage und das Verfahren wird eingestellt. Der Holzkasten wurde der Künstlerin am Donnerstagmittag wieder gebracht – sogar in dem Stoffbeutel, den sie den Beamten im November zum Transport mitgegeben hatte.

Der Kasten hat seinen Platz im Schaufenster neben dem Schäferhund und dem Fliegenpilz wieder eingenommen. Dazu ist jetzt noch ein dezenter Hinweis gekommen, dieser weist auf die staatsanwaltschaftliche Anerkennung als Kunst hin.

Comic erklärt die Geschichte

Ein selbst gestalteter Comic im Schaufenster erklärt die Geschichte des Werkes. Es kann jedoch sein, dass Feindura wegen des Werkes wieder angezeigt wird. Aber dann ist die Einstufung bei der Staatsanwaltschaft vermerkt.

Der Polizeibeamte, der den Holzkasten wieder gebracht hat, weist Feindura noch auf mögliche Gefahren durch Attacken von Angehörigen des linken Spektrums hin. Es könne sein, dass sie aufgrund des Kunstwerkes zur „Zielscheibe“ werde. Und sie solle sich doch überlegen, ob sie das Werk wirklich weiter ausstellen wolle. Aber Feindura will das Ensemble weiter ausstellen, da gibt es keinen Zweifel für sie.

Die Künstlerin bleibt auf ihren Anwaltskosten zwischen 600 Euro und 700 Euro sitzen. „Seit Jahren zahle ich in die Rechtsschutzversicherung ein“, sagte sie, „jetzt trägt sie die Kosten noch nicht einmal.“ Der Grund dafür sei, dass man einen Verstoß gegen Paragraf 86a nur vorsätzlich begehen könne. In diesem Fall zahlt die Versicherung nicht. Das ärgert Feindura zwar, aber das Wichtigste für sie ist, dass das Ensemble wieder im Schaufenster steht.

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