Neues Hulsbergviertel: Abrissvorschläge der Architekten lösen keine Begeisterung aus

Kursteilnehmerinnen wollen "Aquafit" behalten

Hulsberg. Die Architekten Jost Westphal und Martin Pampus würden die Mitte der 80er-Jahre gebaute Frauenklinik am Hulsberg am liebsten abreißen lassen - unter anderem, weil das Gebäude so viele tragende Wände hat, dass es kaum anders genutzt werden kann. Nutzerinnen und Nutzer des Bades aber möchten weiter Aqua-Fitness betreiben. Andere machen sich für den Erhalt der St.-Jürgen-Kirche stark, die ebenfalls auf der Abrisswunschliste steht.
19.03.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Edwin Platt

Hulsberg. Die Architekten Jost Westphal und Martin Pampus würden die Mitte der 80er-Jahre gebaute Frauenklinik am Hulsberg am liebsten abreißen lassen - unter anderem, weil das Gebäude so viele tragende Wände hat, dass es kaum anders genutzt werden kann. Nutzerinnen und Nutzer des Bades aber möchten weiter Aqua-Fitness betreiben. Andere machen sich für den Erhalt der St.-Jürgen-Kirche stark, die ebenfalls auf der Abrisswunschliste steht.

Pastorin Eva Behrens ist für die Seelsorge in der Frauenklinik zuständig und schon seit Langem mit Planungen und Umplanungen konfrontiert. Ihr Arbeitsplatz in der St.-Jürgen-Kirche wäre zum Abriss bestimmt, wenn es nach den Fachleuten geht, die in den Bürgerforen zu Wort gekommen sind (ausführlicher Bericht über die jüngste Runde in der Friedensgemeinde folgt). Die Krankenhausseelsorge soll in neuen Räumen untergebracht werden.

Das Kirchengebäude ist städtisches Eigentum. Anwohner haben auf einen Aufruf im Stadtteil-Kurier hin vor etwa zwei Jahren Geld dafür gespendet, dass das Geläut der Kirche repariert werden konnte. Die 17 Glocken können über 100 Melodien spielen. Käte van Tricht, Bremens einstige berühmte Domkantorin, zog sich zum Musizieren gern in die kleine Kirche zurück. Eva Behrens glaubt noch nicht an den Abriss. "Ich habe den Eindruck, es ist nicht das letzte Wort gesprochen", sagt sie.

Das "Aquafit im Klinikum Bremen Mitte" in der Frauenklinik ist von morgens bis abends an sechs Wochentagen mit Kursgruppen belegt, durchschnittlich mit knapp acht Personen pro Kurs, und damit für die Östliche Vorstadt von großer Bedeutung.

23 292 Nutzerinnen und Nutzer sind von den Bremer Bädern im Laufe des vergangenen Jahres gezählt worden. Wassergymnastik für Schwangere, Babyschwimmen, Schwimmunterricht für Kinder und Aqua-Fitnesskurse für die ältere Generation sind stark nachgefragt. Vor den Eingängen sind selbst im Winter alle Fahrradständer belegt. Die Spinde sind gerade erneuert worden.

In einer Erklärung der Bremer Bäder GmbH heißt es: "Wir bedauern sehr, dass, wie nach aktuellem Planungsstand vorgesehen, das Gebäude der Frauenklinik mit dem Aquafit darin abgerissen werden soll." Doch auch wenn es das Aquafit zukünftig nicht mehr geben werde, "wäre es unserer Erkenntnis nach für das neue Quartier sehr wichtig, der Bevölkerung wieder solch ein Kursbad anbieten zu können". Gerne werde man wieder das Management für ein neues Bad übernehmen.

Um die Position der Bädergesellschaft rechtzeitig deutlich zu machen, hat der Geschäftsführer der Bremer Bäder GmbH, Dirk Schumaier, im September 2011 Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing als Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Klinikum Bremen-Mitte angeschrieben und darum gebeten, die Bremer Bäder frühzeitig in mögliche Planungen für das neue Quartier mit einzubeziehen. Im Januar soll es die ersten Gespräche an Ort und Stelle gegeben haben. Die Architekten Jost Westphal und Martin Pampus haben sich noch nicht dazu geäußert.

Josefa Weth nutzt das "Aquafit" seit vielen Jahren und hat eine private Stellungnahme zu den Abrissplänen geschrieben: Es sei ihr ein Rätsel, wie nach dem Zentralbad am Richtweg ein weiteres, gut erreichbares Bad in der Stadtmitte - "ohne Not!" - einer möglicherweise ästhetischen Idee geopfert werden soll.

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