Restaurantbesprechung

L'echalote: Vorbildlicher Service und mittelmäßige Küche

Der Service im Restaurant L'echalote ist vorbildlich und aufmerksam wie man ihn bei weitem nicht überall findet. Die Küche allerdings sollte noch eine Schippe drauflegen und mehr lukullische Experimente wagen.
26.09.2018, 20:18
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
L'echalote: Vorbildlicher Service und mittelmäßige Küche
Von Marcel Auermann
L'echalote: Vorbildlicher Service und mittelmäßige Küche

Felix Kohlmann, Küchenchef im L’echalote.

Frank Thomas Koch

Was für ein aufmerksamer Service! Das fiel uns sofort auf. Wir standen noch nicht einmal richtig im Restaurant L’echalote, da bemerkte uns die Kellnerin und machte uns deutlich, dass sie gleich bei uns sein würde. Wir warteten am Eingang, weil es inzwischen gängig ist, zu warten, bis man platziert wird. Die Gäste hinter uns kannten dieses Prozedere wohl noch nicht, weil sie ihre Ellbogen ausfuhren, an uns vorbeirumpelten, mitten im Restaurant standen – und auch nicht weiter kamen.

Denn die freundliche Kellnerin wusste natürlich, welche Reihenfolge sie zu beachten hatte. Zuerst begleitete sie uns an den Tisch, dann das ungeduldige Paar. Kellnerinnen und Kellner, die alles im Griff haben, das besitzt mittlerweile schon so einen Seltenheitswert, dass wir angetan waren. Und, es war nicht nur der erste Eindruck. Den kompletten Abend über genügte fast nur ein Blick und der Service stand an unserem Tisch.

Lesen Sie auch

Dass das Wasser- und das Rotweinglas nie leer wurden, die leeren Teller sofort ausgehoben wurden und die Frage „Alles gut, schmeckt’s?“ bei jedem Gang folgte, muss fast gar nicht erwähnt werden. Manch einem Gast mag das beinahe zu viel sein, gar zu aufdringlich wirken, doch das L’echalote schafft es, das richtige Maß zu halten.

Der hervorragende Service passte zum Ambiente, das gehoben ist. Vor allem aber gibt es hier Platz. Der Gast fühlt sich nicht eingeengt. Für Getränke, Karaffen, Flaschen und Sonstiges steht neben jedem Tisch ein Beistelltischchen, auf dem alles ausgelagert wird, sodass nicht alles vor einem belagert ist und man sich Besteck und Gläser durch akrobatische Verrenkungen fischen muss.

Was also stand auf unserem Beistelltischchen? Ein trockener Bordeaux Rouge Le Berteau (0,25 Liter für 6,20 Euro), der fruchtig auf der Zunge lag, aber würzig in die Nase stieg. Eine schöne Kombination, die uns durch alle Gänge begleitete. Vor allem zur feinen Tafelspitz-Sülze (9 Euro) meiner Begleitung passte er wunderbar, die durch die Meerrettich-Creme ohnehin einen starken Gegner benötigte.

Lesen Sie auch

Meine Schalottensuppe (7 Euro) enttäuschte mich. Es war eine eher belanglose Brühe, die zu stark gepfeffert war. Mit jedem Löffel überlagerte dieser scharfe Geschmack mehr die anderen Noten – falls es sie überhaupt gab. Ich konnte sie schnell nicht mehr herausfiltern. Dabei kann ein französisches Zwiebelsüppchen mit einem schönen Fond ein Traum sein.

Ehrlich: Mich überzeugte am meisten der mit pikantem Gruyère gratinierte Brotchip, den der Koch dazu reichte. Der war allerdings mit zwei Bissen gegessen. Beim Ochsenbäckchen (19,50 Euro), das sous-vide gegart wurde, sah es schon anders aus. Es war zart und die reduzierte, kräftige Soße gab dem Hauptgericht einen Pfiff.

Das Kartoffelgratin habe ich selten so fein erhalten, auch was den gratinierten Käse anbelangt. Da gab es also nichts zu meckern. Die Scholle „Finkenwerder Art“ (21 Euro) meiner Begleitung war ordentlich mit Zwiebeln und Speck bestreut, was dem noch glasigen Fisch, der nicht ausgelöst serviert wurde, ein vollmundiges Aroma verlieh.

Lesen Sie auch

Völlig enttäuscht war ich von den Petersilienkartoffeln, als ich davon probierte. Sie waren geschmacksarm und besaßen noch diese holzige Art, wie Kartoffeln eben sind, wenn sie noch teilweise rohe Stellen haben. Das darf einem Restaurant dieser Kategorie nicht passieren. Schon gar nicht, wenn auch der Rest dieses einfacheren Gerichts dem Koch nicht alle Künste abverlangt.

Etwas ernüchtert schleppten wir uns zum Nachtisch. Als er dann auf dem Tisch stand, fragten wir uns, weshalb das Dessert in vielen Restaurants gut gelingt, wenn bei anderen Gängen manches nicht sitzt. Meine Begleitung bekam eine ordentliche Portion Kaiserschmarrn (9 Euro) in schönem Porzellan serviert. Die Süßspeise schlug der Koch luftig leicht, legte samtig gekochten Zwetschgenröster drüber und ein cremiges Vanilleeis. Richtig lecker all das.

Mal davon abgesehen, dass mein Schokoküchlein mit flüssigem Kern (6,50 Euro) sehr, sehr klein ausfiel, schmolz es auf der Zunge. Das Quitten-Chili-Chutney, das daneben auf dem Teller lag, war eine interessante und schmackhafte Beigabe. Solche Extravaganzen und Kombinationen hätte ich mir vermehrt im L’echalote gewünscht. Das fehlte mir an diesem Abend am meisten. Aber auch die Portionen sind teilweise nur Portiönchen.


Fazit:
Der Service im Restaurant L’echalote ist vorbildlich und aufmerksam wie man ihn bei weitem nicht überall findet. Die Küche allerdings sollte noch eine Schippe drauflegen und mehr lukullische Experimente wagen. Denn das fast schon noble Ambiente lässt eine höherwertige Leistung erwarten.


L’echalote, Hollerallee 99, 28215 Bremen, Telefon 04 21/ 378 96 27, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend von 18 bis 23 Uhr (Küchenschluss 22.30 Uhr), barrierefrei, Internet: www.maritim.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+