Zu wenige Laborassistenten Letzte Bremer Ausbildungsstätte für Laborassistenten schließt

Laborassistenten testen, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist. Auch sonst sind sie für Diagnosen wichtig. Jetzt gibt es Kritik: Die letzte Schule in Bremen, die Laborassistenten ausbildet, schließt.
03.04.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Letzte Bremer Ausbildungsstätte für Laborassistenten schließt
Von Jean-Pierre Fellmer

Wenn jemand auf das Coronavirus getestet wird, macht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein MTLA den Labortest – ein Medizinisch-Technischer Laborassistent. Die Fachkräfte arbeiten in Krankenhäusern und Laboren und sind für die Diagnose von Krankheiten unerlässlich. Ob Bremen auch künftig genug Laborassistentinnen und -assistenten hat, ist ungewiss.

Zumindest befürchtet das Magnus Buhlert, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Der Grund: Die MTLA-Schule am Klinikum Bremen-Mitte, das zum kommunalen Krankenhausträger Gesundheit Nord (Geno) gehört, schließt zum 30. September 2020. Dann gibt es im Land Bremen keine Einrichtungen mehr, die Laborassistenten ausbildet.

Lesen Sie auch

Probleme bei Stellenbesetzung

„Es gibt eine Lücke, spätestens jetzt sollte uns das bewusst werden“, sagt Buhlert. „Bremen kann auf diese Schule nicht verzichten.“ In einer 2019 veröffentlichten Studie des Deutschen Krankenhausinstituts zum Fachkräftebedarf in Medizinisch-Technischen Assistenzberufen (MTA) heißt es, dass bundesweit 24 Prozent aller Krankenhäuser Probleme bei der Besetzung von Laborstellen haben. Buhlert will einen entsprechenden Antrag, der dem WESER-KURIER vorliegt, nun in die Bürgerschaft einbringen.

Der Senat soll danach die MTLA-Ausbildung sichern und die bestehende Schule als Übergangslösung erhalten. 2020 macht der letzte Jahrgang seinen Abschluss an der Schule. „Eine Lücke würde sowieso entstehen, weil der nächste Jahrgang erst in drei Jahren wieder seinen Abschluss machen könnte", sagt Buhlert. Der Bürgerschaftsabgeordnete hofft, dass auch die anderen Fraktionen den Antrag unterstützen, um eine schnelle Lösung finden.

Die Geno begründete die Schließung der Schule mit dem geringen Bedarf an Laborassistenten, der Klinikverbund beziehe seine Laborleistungen überwiegend von externen Anbietern. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion vom 24. September 2019 hervor. Weiter heißt es dort, dass ohnehin neue Räume und ein neues Labor benötigt würden, da der bisher genutzte Platz zu den Flächen des neuen Hulsberg-Viertels gehörte. Die Geno könne die Kosten für ein neues Labor nicht stemmen. Zudem sei die Ausbildungsordnung für MTLA reformbedürftig, weil sie 25 Jahre alt ist.

Lesen Sie auch

„Anders als bei unseren anderen Ausbildungsgängen konnten wir den MTLA-Absolventen kaum Stellen anbieten, da unser Bedarf an Laborkräften bisher gering war“, sagt Geno-Sprecher Timo Sczuplinski. Außerdem würde Laborarbeit immer stärker automatisiert, etwa durch den Einsatz von Laborstraßen. Die MTLA-Ausbildung sei jedoch noch nicht abschließend mit der Gesundheitsbehörde besprochen, sie soll Thema bei der nächsten Geno-Aufsichtsratssitzung sein. 59 Laborassistenten seien beim Klinikverbund derzeit angestellt, 14 befänden sich in der Ausbildung.

Krankenhäuser mit Notfallversorgung könnten auf keinen Ausbildungsplatz im Laborsektor verzichten, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Freien Kliniken Bremen. Bei den vier Kliniken arbeiteten insgesamt knapp 50 MTLA. Derzeit seien alle Stellen besetzt, dennoch sehe man etwa beim Diako großen Bedarf bei der Nachbesetzung, weil der Altersdurchschnitt hoch sei. Das Diako und das St.-Joseph-Stift rekrutierten ihre Laborassistenten fast ausschließlich aus Absolventen der MTLA-Schule an der Geno.

Fachkräftemangel muss entgegengewirkt werden

Auch für das Medizinische Labor Bremen sei die Ausbildungsstätte immer wichtig gewesen, sagt Ralf Heitmann, Kaufmännischer Leiter des Labors. Von den 280 Mitarbeitern in Bremen seien etwa 120 bis 150 Laborassistenten, sagt er. „Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um eine staatliche Ausbildung handelt.“ Freie Labore oder Kliniken selbst könnten keine MTLA ausbilden. Heitmann sieht es zudem kritisch, dass die Geno die Laborarbeit zuerst auslagere und dann die MTLA-Schule schließe, weil kein Personal für Laborarbeit benötigt werde.

„Der Senatorin ist es Anliegen, die MTLA-Ausbildung fortführen zu können“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde, dem WESER-KURIER. Wichtig sei, die derzeitig gültige Berufsordnung zu aktualisieren. „Zur konkreten Umsetzung stehen wir in Kontakt mit der Geno.“ Einem Fachkräftemängel müsse jedenfalls entgegengewirkt werden, was nicht erst die Corona-Pandemie verdeutliche.

Solidarische Lösung für Ausbildung

Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, kritisiert die Gesundheitspolitik des Senats. Die Berufe des Gesundheitswesens würden stiefmütterlich behandelt, auch die Ausbildung von Laborassistenten. „In diesem Fall hat das aber auch mit dem desolaten Management der Geno zu tun, das die Ausbildung aufgrund der finanziellen Knappheit einfach streichen will“, sagt er. Um den Bedarf auch künftig zu decken, denke die CDU auch über alternative Lernformen wie E-Learning nach.

Nelson Janßen, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken, sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Bremen ist ohne eigene Ausbildung auf die Fachkräfte anderer Länder angewiesen, die haben jedoch selbst keine großen Kapazitäten.“ Es brauche eine Lösung, die solidarisch von allen Bremen Krankenhäusern getragen werde. Auch aus Sicht der Grünen-Fraktion besteht künftig Bedarf an Laborassistenten, insbesondere wegen der Coronavirus-Pandemie, teilt Pressesprecher Christopher Kulmann mit.

Die SPD-Fraktion ist noch zurückhaltend: Laut der gesundheitspolitischen Sprecherin Ute Reimers-Bruns befindet sich die Fraktion derzeit in regem Austausch mit den zuständigen Stellen und Partnern. Zunächst müssten der zukünftige Bedarf an MTLA sowie der Investitionsbedarf für den neuen Standort ermittelt werden. Die gesundheitspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der rot-grün-roten Regierungskoalition erarbeiteten für diesen Zweck eine Initiative für die Bürgerschaftssitzung im Mai.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+