Plattdeutsch Länder wollen Institut für niederdeutsche Sprache zerschlagen

Aus dem Bremer Institut für niederdeutsche Sprache (INS) soll eine länderübergreifende Koordinierungsstelle werden. Das Konzept dazu wird allerdings auf Bundes- und Europaebene kritisiert.
31.05.2017, 17:08
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Länder wollen Institut für niederdeutsche Sprache zerschlagen
Von Antje Stürmann

Aus dem Bremer Institut für niederdeutsche Sprache (INS) soll eine länderübergreifende Koordinierungsstelle werden. Das Konzept dazu wird allerdings auf Bundes- und Europaebene kritisiert.

Für die zu gründende gemeinnützige Gesellschaft haben die vier norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein Konzept vorgelegt. Das allerdings wird auf Bundes- und Europaebene kritisiert. Unklar bleibt auch, was aus dem bisherigen Trägerverein „Institut für niederdeutsche Sprache“ wird.

Der Verein steht vor dem Aus, weil die Länder ihre jährlichen Zuschüsse von insgesamt 271.000 Euro zum Erhalt des Plattdeutschen ab 2018 nicht mehr an den Verein zahlen wollen. Diese Summe soll ab 2018 der geplanten Koordinierungsstelle zur Verfügung stehen.

Hinzu kommen 25.000 Euro Stammkapital für die zu gründende Gesellschaft und die Mieten für andere Räume. Beim Verein sorgt das für Unverständnis, denn zurzeit befindet sich das INS in vier kleinen, vereinseigenen Häusern im Schnoor.

Angemessene Steuerkompetenz seitens der Länder

„Uns ist bislang kein Grund dafür genannt worden, warum man ein gut funktionierendes, gut arbeitendes, hoch anerkanntes Institut auseinandernehmen möchte“, sagte der neue Vereinspräsident, Heiko Block, am Mittwoch. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, die Länder wollten mehr Einfluss auf die Arbeit des Instituts nehmen.

Das belegt das Konzept der Länder. In Bremen hat es die Kulturdeputation bei Enthaltung der FDP einstimmig beschlossen, der Beirat Niederdeutsch der Bremischen Bürgerschaft am Dienstag zur Kenntnis genommen. Darin heißt es: „Die Länder schließen eine Zielvereinbarung mit der GmbH ab, um eine angemessene Steuerungskompetenz seitens der Länder zu gewährleisten.“

Die Koordinierungsstelle soll unter anderem die Politiker auf Länder- und Bundesebene sowie den Europarat beraten. Aus einem Zwischenbericht geht hervor, dass die geplante Koordinierungsstelle ihren Sitz in Bremen haben soll. Wo genau, das steht noch nicht fest.

Das Geld fehlt

Die Kulturbehörde wünscht sich Räume nahe der Innenstadt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und für den Publikumsverkehr gut zugänglich sind, heißt es in einer Vorlage. Dem Vernehmen nach prüft die Behörde außerdem, ob die Universität Räume vermieten könnte.

Dahinter steht die grundsätzliche Frage, ob das Institut künftig eher wissenschaftlich orientiert arbeiten wird oder publikumsorientiert. Wie berichtet, hatte sich das renommierte Institut für Deutsche Sprache in Mannheim angeboten, das INS unter seine Fittiche zu nehmen.

Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass sich der Verein INS an der Finanzierung des Instituts beteiligt. Doch dafür fehlt ihm das Geld. Der Bund hat indes signalisiert, er werde sich nicht an der Koordinierungsstelle beteiligen. Ein Gesellschaftervertrag für die länderübergreifende Stelle ist offenbar bereits ausgearbeitet: „Der liegt bei der Senatorin für Finanzen“, bestätigt der Sprecher der Bildungssenatorin, Heiner Stahn.

Zukunft der Bibliothek des Vereins ist unklar

Segnen die Länder den Vertrag zeitnah ab, könnte die Gesellschaft im Juli gegründet werden, und die Koordinierungsstelle könnte ihre Arbeit wie geplant zum 1. Januar 2018 aufnehmen. Noch unklar ist, was aus der Bibliothek des Vereins und aus dessen vier fest angestellten Mitarbeitern wird.

Laut Konzept sollen alle Stellen, vom wissenschaftlichen Mitarbeiter bis zum Geschäftsführer, neu ausgeschrieben werden. Beim Verein sorgt das für Frust. „Es herrscht große Planlosigkeit, und es ist völlig unklar, wo die Vorteile eines solchen Unternehmens liegen“, ärgert sich der Vorstandsvorsitzende des INS, Reinhard Goltz.

Ehrenamtliche Mitarbeiter seien für den Verein oft am Abend oder am Wochenende unterwegs. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute, die im öffentlichen Dienstverhältnis stehen, das bedienen können.“ Laut Goltz sind auch Berliner Bundestagsabgeordnete entsetzt darüber, wie stiefmütterlich die Bremer Abgeordneten mit dem INS umgingen.

Wenig Konkretes im aktuellen Konzept

„Schließlich geht es um große Summen öffentlicher Gelder“, so Goltz. Das Land steuert mindestens 80.000 Euro bei. Im Beirat Niederdeutsch kritisierte am Dienstag Vorsitzender Christian Weber, dass das aktuelle Konzept wenig Konkretes beinhalte. Er erinnerte die Ressorts Kultur und Wissenschaft an ihre Verantwortung in Bezug auf den Erhalt der plattdeutschen Sprache.

Goltz und Vereinspräsident Block bleiben trotz alledem verhalten optimistisch. „Wir sind dabei, das Institut finanziell und inhaltlich auf neue Beine zu stellen“, so Goltz. „Ich bin mir sicher, dass wir einen Weg finden. Wir wollen den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, weiter im Haus zu arbeiten und so die Kompetenz des INS zu erhalten.“

Am Freitag will der Bundestag anlässlich 25 Jahre Charta für Minderheiten und Regionalsprachen Bilanz ziehen. Dabei soll es auch darum gehen, wie die Charta wirkt. Die Fraktionen von SPD und CDU wollen die notwendige Förderung des Niederdeutschen mit einem gemeinsamen Antrag unterstreichen. „Das macht mir Hoffnung“, sagt Heiko Block: „Wi sünd op den Weg, man noch nich öber'n Barg.“

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