Löhnhorster Ortsrat wünscht sich Verlegung der Sportstätte / Parksituation ist ebenfalls ein Problem Lärm vom Sportplatz verärgert Nachbarn

Schwanewede. Wenn beim Fußball die Gefühle der Zuschauer hochkochen und sie gegen die Bande am Zaun trommeln, müssen Harald Müller und seine Kollegen schon mal beruhigend eingreifen. Dann bittet der Vorsitzende des Sportvereins (SV) Löhnhorst die Fans, Rücksicht zu nehmen.
30.04.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ulf Buschmann

Wenn beim Fußball die Gefühle der Zuschauer hochkochen und sie gegen die Bande am Zaun trommeln, müssen Harald Müller und seine Kollegen schon mal beruhigend eingreifen. Dann bittet der Vorsitzende des Sportvereins (SV) Löhnhorst die Fans, Rücksicht zu nehmen. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass sich die Nachbarn über die Geräuschkulisse beschweren, die vom Sportplatz zu ihnen herüberdringt.

Und wenn die Löhnhorster gegen einen attraktiven Gegner antreten und viele Zuschauer erwarten, „fordern wir unsere eigenen Spieler auf, woanders zu parken“, sagt Müller. Ziel sei, Beschwerden der Nachbarn wegen zugeparkter Wege und Einfahrten zu vermeiden. Konfliktfrei geht es dennoch nicht immer ab.

Ruhe für die Anwohner auf der einen, Sportmöglichkeiten auf der anderen Seite: Einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen beider Seiten zu schaffen wird vielerorts immer schwieriger. Insbesondere in Städten versuchen Sportplatz-Nachbarn immer häufiger, dem Treiben jenseits ihres Gartenzauns Einhalt zu gebieten. Die Erfahrung haben die Fußballer der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack ebenso gemacht, wie die Mitglieder des ATSV Sebaldsbrück. Dessen Vorsitzender ist vor einigen Wochen gar von einem Nachbarn wegen Körperverletzung angezeigt worden.

Die Vegesacker und Sebaldsbrücker stehen nicht alleine da, auch in anderen Städten diskutieren Anwohner mit Sportlern, der Politik und der Verwaltung. Vor diesem Hintergrund startete Hamburg Anfang 2014 eine Bundesratsinitiative, die es den Sportlern leichter machen soll. Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben sich dem Vorstoß angeschlossen, sodass die Ländervertretung im Juli 2014 die Bundesregierung aufgefordert hat, die entsprechende Rechtsvorschrift zu ändern.

Begründung: Die Rahmenbedingungen hätten sich seit der letzten Aktualisierung im Jahr 2006 geändert. Beispielsweise seien Kinder und Jugendliche durch die Einführung der Ganztagsschulen gezwungen, später mit dem Training zu beginnen. Weil sich dadurch auch die Zeiten der erwachsenen Sportler nach hinten verschieben, seien die Vereine gezwungen, die Abendstunden zu nutzen – Schluss ist dann nicht um 21, sondern erst um 22 Uhr.

Im Kern geht es um die sogenannte Sportanlagenlärmschutzverordnung. Sie ist Bestandteil des Bundesimmissionsschutzgesetzes und regelt, wie laut es zu welcher Tages- und Nachtzeit im Umfeld von Sportplätzen sein darf. In sogenannten Kerngebieten, Dorfgebieten und Mischgebieten sind es tagsüber 60 und nachts 45 Dezibel. Wo der jeweilige Bebauungsplan allgemeine Wohnsiedlungen und Kleinsiedlungsgebiete ausweist, sind lediglich 55 beziehungsweise 40 Dezibel zugelassen. In reinen Wohngebieten sind am Tag noch 50 sowie nachts 35 Dezibel zulässig. Der Löhnhorster Platz ist als Sportfläche ausgewiesen, das Gebiet darum herum als Wohngebiet.

Streitpunkt ist in vielen Diskussion indes nicht nur der Lärm, den die Nachbarn beklagen. Anwohner argumentieren vielfach, dass insbesondere Altanlagen, die baurechtlich Bestandschutz genießen, durch Modernisierungen – wie zum Beispiel den Bau eines Kunstrasenplatzes – ihr Bestandsschutz-Privileg verlieren würden. Auch diesbezüglich soll die aktualisierte Sportanlagenlärmschutzverordnung den Sportlern helfen, indem der Bestandsschutz nach Modernisierungen festgeschrieben wird.

Weil die Probleme sich von Region zu Region unterscheiden, plädiert der Bundesrat zudem für eine sogenannte Öffnungsklausel. Damit wären die Bundesländer in der Lage, die Vorschriften den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Beispielsweise könnte den Vereinen erlaubt werden, länger zu trainieren. Ob und ab wann die neue Sportanlagenlärmschutzverordnung gelten wird, ist derzeit allerdings noch nicht klar.

Derweil bemühen sich Politik, Verwaltung und Sportverein, den Löhnhorster Sportplatz zu verlegen, um es sich nicht langfristig mit den Nachbarn zu verscherzen. Dies ist eine der lokalpolitischen Hauptforderungen des Löhnhorster Ortsrates. Erste Gespräche darüber hat es nach Angaben von Ortsbürgermeister Otto Bothmann mit dem Landkreis gegeben. Aber es ist allem Anschein nach nicht einfach, Alternativen zu finden. Bothmann sagt: „Wir stehen da ganz am Anfang der Diskussion. Das ist ein ganz dickes Brett.“

Den Sportplatz umziehen zu lassen, ist in der Vergangenheit unter anderem an Fragen des Landschaftsschutzes gescheitert. Doch nicht nur daran, wie Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken ergänzt. So habe die Gemeinde das Gebiet neben dem Löhnhorster Dorfgemeinschaftshaus im Blick gehabt. Doch ein notwendiger Kauf zusätzlicher Flächen sei an den Nachbarn gescheitert. Ähnlich sei es bei Überlegungen hinsichtlich einer Erweiterung des Löhnhorster Platzes am jetzigen Standort gewesen. Dazu kommt, dass die Gemeinde für den Ankauf kein Geld hat. Dafür müsste Schwanewede mindestens zwei bis drei Millionen Euro ausgeben. Um also den Sportplatz überhaupt umzusiedeln, so Stehnken, müsste das jetzige Areal als Bauland ausgewiesen werden. Aus dem Verkauf der Flächen könnte die Gemeinde das Projekt bezahlen.

Diskussionen mit den Nachbarn in Sachen Sportplatzlärm gibt es bei den anderen Vereinen in der Gemeinde nicht – weder in Neuenkirchen und Meyenburg noch in Beckedorf und Schwanewede selbst. Die Plätze der Vereine liegen nämlich weit weg von der Wohnbebauung.

Einzige Ausnahme ist die Anlage des Vereins Grün-Weiß Beckedorf. Doch dort haben die Aktiven laut Vereinschef Wilfried Wojke trotzdem keine Probleme. Damit es so bleibt und neben dem Platz keine Häuser gebaut werden, hat die Gemeinde die Wiese neben den Sportplätzen aufgekauft.

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