Neue Verordnung

Lärmschutz für Sportplätze wird gelockert

Aufgrund des Lärms auf Sportplätzen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Vereinen und Bewohnern. Eine geplante Verordnung soll dem ein Ende setzen.
17.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Lärmschutz für Sportplätze wird gelockert
Von Jan Oppel
Lärmschutz für Sportplätze wird gelockert

Abdullah Basdas von der SG Aumund-Vegesack (rechts) im Duell mit Keisuke Morikani vom SV Grohn. Nach der Gesetzesänderung könnten Partien wie diese flexibler angepfiffen werden.

Christian Kosak

Aufgrund des Lärms auf Sportplätzen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Vereinen und Bewohnern. Eine geplante Verordnung soll dem ein Ende setzen.

Lärm auf Sportplätzen hat in Bremen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Vereinen und Nachbarn geführt. Nicht selten endeten diese vor Gericht. Die geplante Änderung Sportanlagenlärmschutzverordnung, kurz Salvo, könnte dem bald ein Ende setzen. Am kommenden Montag werden im Umweltausschuss des Bundestages mehrere Sachverständige angehört.

Das Bundeskabinett hat die sogenannte „Zweite Verordnung zur Änderung der Sportanlagenlärmschutzverordnung“ bereits Ende vergangenen Jahres auf den Weg gebracht. Nun muss der Entwurf noch den Bundestag und den Bundesrat passieren. Mit der Neuregelung der Ruhezeiten soll in erster Linie der Sport in Wohngebieten gefördert werden.

Die Gesetzesänderung sieht vor, die Immissionsrichtwerte für die Ruhezeit am Abend bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nachmittags zwischen 13 und 15 Uhr an die Tages-Grenzwerte anzugleichen. Die Richtwerte dürfen in den Abendstunden und sonntags von bisher 50 auf 55 Dezibel erhöht werden.

Sportsenatorin glaubt nicht an Scheitern des Gesetzes

Die vorgesehene Absenkung des Lärmschutzniveaus während der Ruhezeiten am Mittag und Abend führe lediglich zu einer „moderaten Mehrbelastung der Nachbarschaft von Sportanlagen durch Lärm“, heißt es in dem Papier.

Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) glaubt nicht, dass das geänderte Gesetz noch scheitert: „Es gibt keine Signale, die darauf hindeuten, dass der Bundestag oder Bundesrat diese Verbesserungen für den Sport noch infrage stellt.“ Davon geht auch der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes, Björn Fecker, aus. „Ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass an der grundsätzlichen Ausrichtung noch gerüttelt wird“, sagt er. Ihm sei mitgeteilt worden, dass das Gesetzgebungsverfahren bereits im Sommer abgeschlossen sein werde. „Ich werte die Anhörung am kommenden Montag als formalen Akt, um die Details zu klären“, so der Fußballpräsident.

Mit der Neuregelung soll auch den Vereinen geholfen werden, die nach Investitionen in neue Bodenbeläge oder Flutlichtmasten Probleme mit dem Lärmschutz haben. Nach der Verordnung sind künftig auch Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere die Umwandlung von Rasen- in Kunstrasenflächen, nicht mehr als Nutzungsänderung zu sehen. Für Plätze, die vor 1991 gebaut wurden, soll weiter das alte Recht gelten, sodass sie nicht ihren Betrieb einschränken müssen.

SG Aumund-Vegesack: Rechtsstreit dauert an

Hans-Bernhard Siems, Vorsitzender der SG Aumund-Vegesack, hofft, dass auf dem Kunstrasenplatz seines Klubs bald länger trainiert werden kann.

Hans-Bernhard Siems, Vorsitzender der SG Aumund-Vegesack, hofft, dass auf dem Kunstrasenplatz seines Klubs bald länger trainiert werden kann.

Foto: Christian Kosak

Bei der SG Aumund-Vegesack ist der Konflikt um den Sportplatzlärm eskaliert: Der Rechtsstreit mit einem genervten Anwohner dauere an, sagt Hans-Bernhard Siems, 1. Vorsitzender des Klubs. Mehr als 10 000 Euro habe sein Verein bereits für Anwaltskosten ausgegeben, sagt er. Ein Gutachter hatte zuvor massive Überschreitungen der geltenden Grenzwerte festgestellt. Der Nachbar klagte, seitdem war der Spielbetrieb nur noch mit Einschränkungen erlaubt.

Um 21 Uhr muss seither das Flutlicht ausgehen. Siems hofft, dass damit nun bald Schluss ist und die Mannschaften länger trainieren können. Die Klage gegen den Altanlagenbonus der SG Aumund-Vegesack liegt mittlerweile beim Oberverwaltungsgericht, der Streit um den Lärm beschäftigt das Amtsgericht Blumenthal nunmehr im vierten Jahr. Trotz der geplanten Gesetzesänderung hat der Anwohner seine Klagen nicht zurückgezogen. „Vor Inkrafttreten der Salvo-Novelle will der Nachbar offenbar eine gerichtliche Entscheidung erzwingen“, sagt Fußballpräsident Fecker. „Ich werte das als reine Schikane gegenüber des Vereins.“

Die SG Aumund-Vegesack ist nicht der einzige Klub, der wegen des Lärms im Clinch mit den Nachbarn liegt: Beim ATSV Sebaldsbrück zeigte ein Anwohner den Vereinsvorsitzenden an, weil ihn der Lärm störte. Auch beim TuS Schwachhausen sorgte der Geräuschpegel für Ärger mit den Anrainern.

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