Das Farger Theater hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen / Die Proben für das neue Stück laufen dennoch auf Hochtouren Laienspielgruppe trotzt allen Schwierigkeiten

Farge. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Theaterproduktion sind schlecht. Das Farger Theater kämpft gleich mit mehreren Schwierigkeiten: Probenräume fehlen, das Ensemble wird immer kleiner, der erste Vorsitzende ist durch eine Erkrankung nicht voll einsatzfähig und zu allem Überfluss hat nun auch noch der Laster, mit dem die Theatergruppe ihre Kulissen und Requisiten zu den Aufführungen gefahren hat, seinen Geist aufgegeben. Doch die Laienspieltruppe lässt sich nicht beirren. Mit unverminderter Spielfreude trotzen die Mitglieder allen Widrigkeiten und bereiten mit Feuereifer die Premiere ihres neuen Stückes "Dachlawine" vor.
20.09.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Laienspielgruppe trotzt allen Schwierigkeiten
Von Julia Ladebeck

Farge. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Theaterproduktion sind schlecht. Das Farger Theater kämpft gleich mit mehreren Schwierigkeiten: Probenräume fehlen, das Ensemble wird immer kleiner, der erste Vorsitzende ist durch eine Erkrankung nicht voll einsatzfähig und zu allem Überfluss hat nun auch noch der Laster, mit dem die Theatergruppe ihre Kulissen und Requisiten zu den Aufführungen gefahren hat, seinen Geist aufgegeben. Doch die Laienspieltruppe lässt sich nicht beirren. Mit unverminderter Spielfreude trotzen die Mitglieder allen Widrigkeiten und bereiten mit Feuereifer die Premiere ihres neuen Stückes "Dachlawine" vor.

"Die Umstände sind allerdings schwierig", sagt Günter Thamm. Der Vereinsvorsitzende ist beinahe seit Gründung der Gruppe vor 32 Jahren dabei. Ins Leben gerufen wurde das Farger Theater im Jahr 1979, "zunächst als reine Frauengruppe innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge", erzählt Thamm. Bei der Planung ihres ersten Stückes "Der Trauschein" von Ephraim Kishon fehlte der Gruppe allerdings ein männlicher Darsteller. "Da haben sie mich angesprochen", erzählt Thamm, der seither zur guten Seele des Theaters geworden ist - als Schauspieler, Regisseur und schließlich auch als Vorsitzender.

Theatergruppe ohne Probenräume

Mitte der 1980er Jahre verließ die Theatergruppe die Kirchengemeinde, neuer Stand- und Probenort wurde das ehemalige Frauengefängnis in Blumenthal. Von dort zog die Gruppe in die Rönnebecker Grundschule Hechelstraße um, nachdem diese geschlossen worden war. "Damals konnten wir die Bühne in der Aula und die ehemaligen Lehrerzimmer nutzen", sagt der Farger. Als das Schulgebäude wieder in Betrieb genommen wurde, war die Gruppe ihre Probenräume jedoch erneut los. "Dann haben wir einige Zeit in einer leerstehenden Garage in Lesum geprobt", erzählt der Vorsitzende. "Das war auch nicht schön, da gab es keine Heizung und es roch nach Öl und Benzin."

Seit drei Jahren hat das Farger Theater, das sich 1995 als Verein konstituierte, nun aber gar keine Probenräume mehr. Einen Lagerraum für die Kulissen und Requisiten haben die Mitglieder immerhin gefunden - in der ehemaligen Weser-Geest-Kaserne in Schwanewede-Neuenkirchen. Geprobt wird seither mal bei Günter Thamm zu Hause im Flur oder bei der Regisseurin des aktuellen Stücks, Elke Krutke, in der Küche. Thamm: "Das ist wirklich keine optimale Situation." Nachdem der Vorsitzende in der Vergangenheit selbst bei zahlreichen Stücken Regie geführt hat, ist in diesem Jahr Elke Krutke eingesprungen. "Ich hatte einen Herzinfarkt und muss deshalb kürzer treten", erläutert er. Wie immer haben sich die Mitglieder des Farger Theaters ein zeitgemäßes Stück ausgesucht. Die Boulevardkomödie "Dachlawine" von Neil Simons stammt aus dem Jahr 1971. Premiere ist Mitte Oktober.

Elke Krutke spielt seit 1984 im Farger Theater und war zwischendurch auch in anderen Laienspielgruppen aktiv - dabei etwa zwanzigmal als Regisseurin. "Dies ist aber meine Heimat; hier hatte ich schon tolle Zeiten", sagt sie und schwärmt vom familiären Charakter des Farger Ensembles, "es ist familiär im positiven Sinne". Die Regiearbeit sei nicht einfach, außerdem wolle sie kaum jemand machen. "Wenn jemand neu in eine Theatergruppe kommt, möchte er lieber auf die Bühne und spielen."

Womit sie ein weiteres Problem des Farger Theaters anspricht: die geringe Zahl der Mitglieder. "Derzeit sind es 22, davon sind einige aber nur Ehrenmitglieder", erzählt Günter Thamm. "Unser Hauptproblem ist, dass die Gründungsmitglieder mittlerweile alle um die 60 Jahre alt sind, nicht mehr spielen wollen und auch bei anderen Arbeiten, beispielsweise dem Kulissentransport, nicht mehr so mit anpacken können."

Das neueste Mitglied der Gruppe ist durch puren Zufall zum Farger Theater gekommen. Christian Mauck ist erst seit April dieses Jahres dabei. "Ich war gerade von Paderborn nach Borgfeld gezogen und habe mich im Internet über Amateurtheater in Bremen informiert", erzählt der 26-Jährige. "Als ich die Internetseite des Farger Theaters gefunden habe, dachte ich mir, ich gucke mir die Sache mal." Das tat Christian Mauck - und blieb. Seither ist er als Souffleur im Einsatz und nimmt für die Proben Fahrtzeiten von fast einer Stunde auf sich. "Es gefällt mir einfach", begründet er sein Engagement. "Nächstes Jahr würde ich selbst auch gerne auf der Bühne stehen."

Am vergangenen Wochenende stand für das Farger Ensemble ein ganzes Probenwochenende an. In den kommenden vier Wochen werden sich die Mitglieder noch mehrmals in der Woche treffen. "Es läuft aber schon ganz gut", findet Regisseurin Elke Krutke mit Blick auf eine Szene, die kurz zuvor in wechselnder Besetzung gespielt wurde.

Nun gilt es nur noch, einen Laster für den Transport der Kulissen zu leihen. "Das geht ganz schön an unser Budget", bemerkt der Vorsitzende, der sich dennoch auf die Premiere des Stücks freut. Die feste Fangemeinde des Farger Theaters umfasst etwa 300 Personen. Und so guckt Günter Thamm positiv in die Zukunft: "Davon kommen mindestens 250 Leute als Zuschauer zu unseren Aufführungen."

Das Farger Theater bereitet sich derzeit auf die Premiere des Stücks "Dachlawine" vor. Für die Zukunft sucht die Gruppe weitere Mitglieder, die Lust haben, auf und hinter der Bühne aktiv zu sein. Außerdem ist die Gruppe auf der Suche nach - möglichst kostenlosen - Probenräumen. Weitere Informationen gibt Günter Thamm unter der Telefonnummer 0421/68641.

www.farger-theater.de

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