Maritime Woche

Lampionfahrt - Wenn die Weser leuchtet

Die Lampionfahrt ist traditionell einer der Höhepunkte der Maritimen Woche. In langer Kolonne reihen sich auf der Weser die beleuchteten Sportboote aneinander. Warum es sogar einen Rekord zu feiern gibt.
21.09.2018, 22:47
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Lampionfahrt - Wenn die Weser leuchtet
Von Helge Hommers
Lampionfahrt - Wenn die Weser leuchtet

Die mit Lichterketten verkleideten Sportboote zogen in langer Kolonne am Martinianleger vorbei.

Christina Kuhaupt

Plötzlich stoppen auf Höhe des Café Sand die Maschinen der „Gräfin Emma“. Kapitän Bodo Bass legt den Rückwärtseingang ein. Das knapp 42 Meter lange Schiff dreht sich einmal um die Achse, während nur wenige Meter entfernt ein Boot der Wasserschutzpolizei ruhig im Wasser treibt. Die „Gräfin“ setzt die Fahrt fort, zurück zur Schlachte – das jedoch nicht allein: Drei mit Lichterketten in bunten Farben ausgestattete und nur wenig versetzt voneinander über die Wellen schippernde Sportboote folgen ihr. Sie sind die Vorhut einer langen Kolonne von Booten, die am Freitagabend bei der Lampionfahrt die Weser erhellen.

Die Lampionfahrt stellt traditionell einen der Höhepunkte der Maritimen Woche an der Weser dar, welche die City-Initiative Bremen seit vergangenem Sonnabend feiert. Sie leitet seit dem Jahr 2011 das finale Festwochenende ein, bevor die Feierlichkeiten am Sonntagabend enden. Insgesamt meldeten sich in diesem Jahr 176 Teilnehmer für die Lampionfahrt an. „So viele Boote wie in diesem Jahr hatten wir noch nie“, sagt Organisatorin Christiane Weiss von der City-Iniative. Liegeplätze habe es aufgrund der vielen Nachfragen bereits seit langem nicht mehr gegeben.

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Schon am frühen Freitagnachmittag stand die Schlachte ganz im Zeichen der Seefahrt. Besucher des Maritimen Marktes schlenderten bei leichtem Wind mit einem Fischbrötchen oder Schmalzkuchen den Martinianleger entlang. Andere verweilten an einer Getränkebude und lauschten dem Capstan Shanty-Chor aus Bremen, der schunkelnd vor mehreren Reihen von Zuschauerbänken auf der Bühne stand. Die überwiegend älteren Herren sangen, von zwei Akkordeonspielern sowie Holzrasseln und einer Marschtrommel begleitet, unter anderem von Fahrten nach Jamaika. Denn dort gebe es nicht nur Rum, auf Seefahrer warte hier auch die große Liebe.

Bevor am Abend die Sportboote an den vielen Zuschauern vorbeifahren, die sich an der Schlachte und auf den umliegenden Brücken versammelt haben, betreten Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative, und Martin Günthner (SPD) die Bühne nahe des Anlegers.

Senator Günthner erfreut

Der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen vergräbt die Hände in den Manteltaschen und trägt einen Schal. Dabei sei es im Vergleich zum stürmischen Vormittag ja fast schon sommerlich, wie Günthner trotz des Windes und vereinzeltem Nieselregen sagt. Er freue sich immer wieder, die Maritime Woche eröffnen zu dürfen, da sie zeige, „dass Bremen Maritimes im Blut hat“.

Halves hingegen ist vor allem glücklich, dass die Lampionfahrt nicht abgesagt werden musste. „Wir haben lange Zeit ordentlich gebibbert“, sagt er. Gerade die Dixi-Toilette, die wegen einer Windböe tagsüber in die Weser geflogen ist, habe Sorgen bereitet. „Das sind Sachen, die ein Veranstalter nicht gerade braucht“, sagt Halves.

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Als eine knappe Stunde später „Gräfin Emma“ wieder am Martinianleger ankommt, fängt es an zu regnen. Die etwa 50 Gäste bleiben daher im geschützten Inneren, auf das eine Etage weiter oben gelegene Deck verirrt sich kaum jemand. Den Menschen in den Sportbooten hingegen scheinen Wind und Regen kaum etwas auszumachen. Die meisten bleiben draußen und winken den Zuschauern an Land zu. Hin und wieder ertönt ein Nebelhorn, wenn zwei miteinander bekannte Bootsführer einander passieren und sich erkennen. Damit es nicht zu Unfällen kommt, fahren das Technische Hilfswerk und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Streife. Obwohl vor allem die großen Gefährte immer wieder die kleineren überholen, bleibt es für sie aber ein ruhiger Abend.

Verzierte Boote und Discofox

Mehrere Boote sind nicht nur mit Lichterketten, sondern auch mit Discokugeln verkleidet. Viele von ihnen sehen aus wie schwimmende Weihnachtsbäume. Ohnehin scheint die Lampionfahrt für manche Teilnehmer ein großes Fest zu sein: Ein kleines Sportboot aus Osterholz etwa schippert so nah am Anleger entlang, dass die Mitfahrer mit einigen Zuschauern abklatschen. Discofox schallt aus mitgebrachten Boxen, eine Frauenstimme singt „Wir sind viele“, dann braust es davon. Das Boot kreuzt die Fahrrinne und reiht sich auf der gegenüberliegenden Seite wieder in die Kolonne ein. Derweil nimmt ein anderes Boot, das an eine Nussschale erinnert, seinen Platz ein. Auch dort herrscht gute Stimmung: Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ tönt aus den Boxen.

Nachdem auch das letzte Boot wieder sicher an Land festgemacht hat, richtet sich der Blick der Besucher weg vom Wasser und hoch zum Nachthimmel. Denn den bringt eine Viertelstunde lang ein Feuerwerk zum Leuchten.

Info

Zur Sache

Die Maritime Woche

Das Fest an der Weser neigt sich dem Ende zu. Am Sonnabend, 22. September, und Sonntag, 23. September, laden der Maritime Markt und die Forschungsmeile jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr zum Bummeln an der Schlachte ein. Auf einer Bühne am Martinianleger musizieren und singen Seemannschöre und Rockbands. Am Sonnabend startet am Hohentorshafen um 17 Uhr die Große Schiffsparade, die später an der Schlachte vorbeifahren wird. Am Sonntag endet die Maritime Woche an der Weser etwa um 18 Uhr mit dem letzten Wettkampf des Drachenbootcup.

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