Bremen Landesamt für Archäologie bekommt neue Heimat

Bremen. Nach jahrelanger Suche hat das Landesamt für Archäologie ein neues Domizil gefunden. "Noch in diesem Monat wird der Mietvertrag unterschrieben", kündigt Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz (SPD) an.
16.09.2010, 06:00
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Landesamt für Archäologie bekommt neue Heimat
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Das wird ein Umzug! Kistenweise Knochen aus dem Mittelalter. Eine Sammlung historischer Münzen, Würfel, Kämme und Werkzeuge. Schmuck auch und andere Preziosen. Brunnenfragmente, Pilgerzeichen, das alte Pflaster vom Marktplatz. Keramik in Massen, von der Jungsteinzeit bis in die frühe Neuzeit. Dazu Hunderte von Plänen und Aufzeichnungen. Alles Fundstücke und Dokumente aus Bremens reicher Geschichte. Nach jahrelanger Suche ist für sie nun ein neues Domizil gefunden worden: das Postamt 5 am Bahnhof.

'Noch in diesem Monat wird der Mietvertrag unterschrieben', kündigt Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz (SPD) an. Sie ist froh, endlich eine Lösung erreicht zu haben, die doch eigentlich an anderer Stelle schon perfekt war. Das Landesamt sollte auf das Kaffee-HAG-Gelände an der Rigaer Straße ziehen, 'dann wechselte dort aber der Eigentümer, und die Mietforderung war plötzlich deutlich höher', erklärt Emigholz. Das Postamt 5 hält sie nun als Standort der Archäologen für geradezu ideal: 'Viele räumliche Probleme können gelöst werden. Und wir bieten endlich angemessene und sichere Arbeitsplätze.'

Schimmelpilz und Krebsgefahr

Bisher waren die Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter in zwei alten Schulpavillons an der Ronzelenstraße untergebracht. Zuletzt allerdings eigentlich auch dort nicht mehr. Die Gebäude sind in einem derart maroden Zustand, dass bereits vor zwei Jahren vom Arbeitsschutz ein klares Signal gegeben wurde: raus hier! Die Experten hatten Schimmelpilz in großer Ausbreitung festgestellt sowie krebsauslösende Chlorverbindungen. Ein halbes Jahr, länger sollten die Archäologen auf keinen Fall bleiben.

Und dann kam auch noch der Statiker. Die schweren Lasten im Magazin des Amtes waren zu viel geworden und hatten die Stabilität der Pavillons in Gefahr gebracht. Nun war die Ansage noch klarer: sofort räumen! Die Mitarbeiter wichen im Sommer vergangenen Jahres eilig in Büros der Kulturbehörde aus. Nur die Werkstätten an der Ronzelenstraße konnten noch eingeschränkt genutzt werden.

'Ich hatte mir das anders vorgestellt'

'Einmal am Tag ist jemand hin- und hergefahren und hat die Akten geholt oder sie wieder weggebracht', erzählt die Landesarchäologin. Uta Halle hat im April 2008 ihr Amt angetreten - wohl in der festen Annahme, dass die unzumutbaren Arbeitsbedingungen zügig verändert werden. Doch wie's dann gelaufen ist, konnte sie nicht fröhlich stimmen: 'Ich hatte mir das anders vorgestellt, auf jeden Fall schneller.' Jetzt ist sie aber zufrieden. Die zentrale Lage, hebt Halle hervor, genügend Platz, um bei wachsenden Beständen eine Perspektive zu bieten, und Räume auch für Doktoranden, damit Forschungsprojekte realisiert werden können. 'Wir lagern wertvolles archäologisches Material, das vor Jahrzehnten gefunden wurde, aber noch nicht ausgewertet werden konnte', sagt Halle.

Im Postamt 5 wird das Landesamt für Archäologie auf insgesamt 1100 Quadratmetern verteilt. Es gibt drei getrennte Werkstätten, die bisher gemeinsam untergebracht waren, was nach den Worten der Amtsleiterin zu Problemen führte: 'Nasses Material, organische Stoffe und Metall gehören getrennt voneinander.' Im 150 Quadratmeter großen Magazin werden die Fundstücke in Rollregalen gelagert. Es gibt ein Archiv für die Akten zur Dokumentation der Funde. Räume für die Grabungstechnik, für die Schaufeln, Schubkarren und Vermessungsgeräte, die von den Trupps benötigt werden. Eine Bibliothek und Büros für die Wissenschaftler.

28.000 von 45.000 Quadratmetern vermietet

Mit den Archäologen kommt nun ein weiterer Mieter ins Postamt 5. Das riesige Gebäude mit seinen 45.000 Quadratmetern Nutzfläche ist seit vielen Jahren nur noch zum Teil ausgelastet und manchmal, wie beim Kirchentag oder der Ausstellung 'Körperwelten', auch nur zeitweise. In den nächsten Tagen zieht nach Angaben der Vermieter zusätzlich eine Zweigstelle der Musikschule ein sowie die Mitarbeiter des Amtes für Soziales, die während der Sanierung des Siemens-Hochhauses eine andere Bleibe benötigen. Fitnessstudio, Wahlamt, Akademie Überlingen und weitere Nutzer bringen den Vermietungsstand auf heute 28.000 Quadratmeter.

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