Bremer Diskomeilen-Prozess Landgericht verhängt mehrjährige Haftstrafen

Bremen. Am Donnerstag hat das Landgericht Bremen im Diskomeilen-Prozess ein weiteres Urteil gefällt. Zwei Täter wurden wegen versuchten Totschlags zu sieben und acht Jahren Haft verurteilt. Bei der Schießerei 2006 waren sechs Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden.
04.03.2010, 11:47
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Landgericht verhängt mehrjährige Haftstrafen
Von Birgit Bruns

Bremen. Am Donnerstag hat das Landgericht Bremen im Diskomeilen-Prozess ein weiteres Urteil gefällt. Zwei Täter wurden wegen versuchten Totschlags zu sieben und acht Jahren Haft verurteilt. Bei der Schießerei 2006 waren sechs Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Männer in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 2006 auf der Bremer Diskomeile gezielt auf Menschen geschossen haben. Überraschenderweise ging das Gericht in seinem Urteil über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Die hatte vor einigen Wochen gefordert, den einen Angeklagten frei zu sprechen und den anderen mit sechseinhalb Jahren Haft zu bestrafen.

Einer der Haupttäter, der Türsteher Gjete L., war bereits Ende 2007 vom Landgericht zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Behörde: Lage an der Diskomeile hat sich verbessert

Seit der Schießerei im Januar 2006 hat sich am Rembertiring viel getan. Heute ist die Diskomeile Waffenverbotszone, außerdem gibt es mehr Polizeipräsenz, bessere Eingangskontrollen und Sozialarbeiter. Aus Sicht des Stadtamts ist die Meile deutlich sicherer geworden.

So wurde beispielsweise eine Waffenverbotszoneeingerichtet. Freitags und samstags sind Polizisten an der Diskomeile unterwegs und kontrollieren stichpunktartig. Wer mit Taschenmessern, Reizgas oder Ähnlichem erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Das können bis zu 10.000 Euro sein. Außerdem ist die Waffe nun unwiderruflich weg, früher konnte sie in der Regel einige Zeit später bei der Polizei abgeholt werden, sofern es sich nicht um illegale Dinge handelte.

Seit der Einführung der Waffenverbotszone im Februar 2009 hat die Polizei laut Innenbehörde 218 Ordnungswidrigkeiten gegen die Verordnung festgestellt. Es wurden 140 Waffen und 80 gefährliche Gegenstände sichergestellt.

Überhaupt ist die Polizei seit der Schießerei häufiger auf der Diskomeile unterwegs. Wie die Innenbehörde mitteilt, hat die Polizei in 2006 knapp 27.000 Einsatz-Stundenauf der Meile verbracht, in 2008 war die Polizei 45.400 Stunden auf der Meile unterwegs. Die Zahlen für 2009 liegen noch nicht vor.

Seit Dezember 2007 wird die Diskomeile videoüberwacht. Laut Innenbehörde haben die Kameras der Polizei schon mehrfach geholfen. Beispielsweise konnten Straftaten festgehalten werden. Außerdem lassen sich Brennpunkte schnell erkennen, heißt es aus der Innenbehörde.

Stadtamtsleiter Hans-Jörg Wilkens findet, dass sich die Lage zusätzlich entspannt hat, seit an der Diskothek Stubu von der Polizei überprüftes Sicherheitspersonalden Eingang kontrolliert. Rund um die Diskothek war es laut Stadtamt früher recht häufig zu teils gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Mittlerweile gibt es dort eine Art Sicherheitsschleuse, in der die Besucher abgetastet werden. Außerdem werden alle Taschen durchsucht. Wer schon einmal negativ aufgefallen ist, wird nicht wieder hereingelassen.

Einen wichtigen Beitrag zur Befriedung der Diskomeile leisten offensichtlich auch die Mitarbeiter des Vereins zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit(Vaja) mit ihrem Projekt „Pro Meile“. Jedes Wochenende ist Vaja von 22 bis 3 Uhr mit mindestens vier pädagogischen Honorarkräften und ehrenamtlichen Helfern auf der Diskomeile unterwegs.

„Wir gehen auf die Besucher zu und versuchen, Konflikte frühzeitig zu entschärfen“, erklärt Projektleiterin Anne Schierenbeck. Die Helfer haben auch ein offenes Ohr für jugendliche Sorgen wie Liebeskummer, Zukunftsangst und Probleme mit den Eltern. Auf diese Weise sei schon so manche Auseinandersetzung verhindert worden.

Zwar ist die Diskomeile mit ihrem bunten, häufig alkoholisierten Publikum nach Meinung von Stadtamtsleiter Wilkens auch weiterhin eine „Risikozone“. Doch durch die verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen von Polizei und Behörde sei die Situation mittlerweile deutlich entspannter.

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