Schwanewede

Landkreis fühlt sich bei Schimmel nicht zuständig

Schwanewede. Sie blühen braun, blau und schwarz: Schimmelpilze in Wohnungen der Gagfah in Schwanewede. Doch auch wenn es hier seit Jahren Probleme mit Schimmelbefall gibt, schreiten weder der Landkreis noch das Gesundheitsamt ein.
27.01.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Landkreis fühlt sich bei Schimmel nicht zuständig
Von Patricia Brandt
Landkreis fühlt sich bei Schimmel nicht zuständig

Schimmelbefall, so die Haltung der Behörde, ist Privatsache.

Christian Kosak

Sie blühen braun, blau und schwarz: Schimmelpilze in Wohnungen der Gagfah in Schwanewede. Doch auch wenn es hier seit Jahren Probleme mit Schimmelbefall gibt, schreiten weder der Landkreis noch das Gesundheitsamt ein. Selbst dann nicht, wenn das Sozialamt die Miete bezahlt. „Eine – wie auch immer geartete – Fürsorgepflicht des Landkreises besteht hier mangels gesetzlicher Ermächtigung nicht“, sagt Marco Prietz, Sprecher des Landkreises Osterholz.

Es sei zwar Aufgabe der öffentlichen Hand, Leistungsberechtigten angemessene Kosten der Unterkunft zu erstatten. Doch der Mieter selbst schließe den Mietvertrag ab. Prietz: „Mögliche Probleme mit Schimmelbildung sind daher zwischen diesen beiden Vertragspartnern zu klären.“ Es gebe keine Rechtsgrundlage dafür, als Landkreis an Vermieter heranzutreten.

Ebenso wenig gibt es laut Landkreis Osterholz einen Anlass dafür, das Gesundheitsamt mit der Untersuchung schimmliger Wohnungen zu beauftragen. Dies ist Prietz zufolge keine Aufgabe des öffentlichen Gesundheitswesens. „Auch hier liegt die Verantwortung im privatrechtlichen Bereich.“ Die Gesundheitsämter stünden Betroffenen jedoch allgemein beratend zur Seite.

Wie gefährlich ist Schimmelbefall? „Die Sporen können allergieauslösend sein“, sagt Ina Cording, beim Gesundheitsamt für Umwelt und Hygienefragen zuständig. Es sei für Fachleute aber schwer zu entscheiden, ob bestimmte Krankheitssymptome wie Husten tatsächlich auf einen Schimmelpilz zurückgehen. Grundsätzlich gebe es wenig schimmelfreie Zonen in unserer Umwelt: „Schimmel kommt überall da vor, wo Feuchtigkeit ist und wo Nährstoffe sind“, sagt Cording. Der menschliche Organismus habe sich an das Vorhandensein der Schimmelpilze angepasst. Allerdings gebe es auch „gefährliche Arten“ wie Cladosporium. Diese Art sei weit verbreitet: „Wenn man den Pilzbefall sehen kann, kann man davon ausgehen, dass sich auch kritische Arten darunter befinden.“

Das Gesundheitsamt rät Betroffenen zu ermitteln, warum Schimmel in der Wohnung wächst. „Manchmal ist das recht klar, wenn die Wände feucht sind, vielleicht gibt es Risse. Manchmal ist es aber nicht so klar.“ Im Zweifelsfall empfiehlt die Gesundheitsexpertin, einen Bauphysiker zu Rate zu ziehen.

Informationen rund um das Thema Schimmel gibt es auch unter

www.umweltbundesamt.de

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+