Landwirtschaftsminister Christian Meyer: Jäger sollen bleifrei jagen

Landkreis Osterholz (vdo). Die Landesjägerschaft Niedersachsen will sich einer Umstellung auf bleifreie Munition nicht verweigern. "Wir haben die politische Botschaft verstanden", sagte ihr Präsident Helmut Dammann-Tamke bei der Mitgliederversammlung in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck. Er fügte allerdings eine Warnung hinzu: "Wir werden keinesfalls die Tierschutzdiskussionen tragen, wenn sich unsere Befürchtungen bewahrheiten." Die Worte waren an den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) gerichtet, der sich den Fragen der Jäger stellte.
07.05.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Landkreis Osterholz (vdo). Die Landesjägerschaft Niedersachsen will sich einer Umstellung auf bleifreie Munition nicht verweigern. "Wir haben die politische Botschaft verstanden", sagte ihr Präsident Helmut Dammann-Tamke bei der Mitgliederversammlung in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck. Er fügte allerdings eine Warnung hinzu: "Wir werden keinesfalls die Tierschutzdiskussionen tragen, wenn sich unsere Befürchtungen bewahrheiten." Die Worte waren an den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) gerichtet, der sich den Fragen der Jäger stellte.

Meyer hält die Einführung bleifreier Munition für notwendig – aus Gründen des Verbraucherschutzes und des Schutzes von Greifvögeln. "Wir wollen die baldige Einführung", bekräftigte der neue Minister. Die Landesregierung werde die Umstellung unterstützen, beispielsweise bei der Umrüstung von Schießständen. Dort ist das Schießen mit dieser neuen Munition derzeit noch nicht erlaubt. Das wäre aber Voraussetzung für einen Jagdeinsatz. "Ich freue mich auf den Dialog mit ihnen", versicherte Meyer. Die Jäger bezweifeln aber den Sinn bleifreier Munition. Sie erschwere eine tierschutzgerechte Tötung.

Die gut besuchte Versammlung geriet zum beiderseitigen Abtasten. Jäger Dammann-Tamke forderte den Dialog, sieht aber Konfliktpotenzial. Beispielsweise, wenn es um den Katalog jagdbarer Tiere und die damit verbundenen Jagdzeiten geht. Sein Credo: Der Eigentümer der Fläche bestimmt mit dem Jäger, wie gejagt wird. Und: "In Niedersachsen gibt es keinen flächendeckenden Wald-Wild-Konflikt."

Meyer hatte zuvor eine "Wildmassierung" ausgemacht und ein Verbot von Wildfütterungen gefordert. Christian Meyer betonte: "Ich bin nicht grundsätzlich gegen Jagd." Vielmehr gehe es um eine ökologische Weiterentwicklung. Die Landesregierung wolle sich dafür Zeit lassen. Allen Beteuerungen zum Trotz, war in Osterholz-Scharmbeck noch eine Kluft spürbar. Das Thema bleifreie Munition kann dafür als Beispiel dienen. Die Jägerschaft hatte Gerhard Gruber von der Firma RUAG eingeladen. Er zeigte sich skeptisch. "Macht das Ganze wirklich Sinn?", fragte er. Die Diskussion war aufgekommen, weil in Mägen von Greifvögeln Reste von Blei gefunden wurden. Das Metall soll ihren Körper belasten.

Schnell wurde aber auch die Belastung von Wildfleisch öffentlich diskutiert. Gruber sah das anders. Er führte Bleiwerte von Lebensmitteln an. Wildbret kam dabei erst im unteren Feld der Tabelle vor. Außerdem werde es nicht häufig verzehrt. Der Seeadler sei zudem aktuell nicht mehr gefährdet.

Die Jäger wollen die Belastung gegen den Tierschutz abwägen. Blei sei ein schweres Metall und lasse sich leicht verformen. Das sind gute Voraussetzungen. "Töten tut die Energie, die im Körper des Tieres verbleibt", erläuterte Gruber. Und das ist bei Bleigeschossen der Fall. Bei alternativer Munition sehe es anders aus: "Die Geschosse verformen sich nicht, überschlagen sich im Körper und verlassen die Schussbahn." Das führe zum Austreten der Energie durchs Ausschussloch. Folge: Eine tierschutzgerechte Tötung sei zweifelhaft. Statistiken des Berufsjägerverbandes offenbarten viel längere Fluchtdistanzen der Beutetiere als bei solchen mit Bleigeschossen. Die Entwickler versuchen die Nachteile mit Sollbruchstellen und anderen Kniffen auszugleichen. Die Physik setze aber Grenzen. Gruber forderte daher mehr Zeit.

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