Rund 200 Teilnehmer setzen sich bei „Kunstgebung“ und einem Protestmarsch für den Frieden in der Welt ein

Langemarckstraße symbolisch umbenannt

Rund 17 Millionen Tote forderte allein der Erste Weltkrieg, und zahllose Soldaten sowie zivile Opfer litten noch Jahre später unter den traumatischen Folgen des Krieges. Der Opfer der Weltkriege zu gedenken war das Anliegen der „Kunstgebung“, zu der der Kreischorverband Bremen und das Bremer Friedensforum am Vortag des Weltfriedenstages eingeladen hatten.
25.09.2014, 00:00
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Von Christian Markwort
Langemarckstraße symbolisch umbenannt

Der Protestmarsch gegen den Krieg führte von den Wallanlagen in die Neustadt.

Roland Scheitz

Rund 17 Millionen Tote forderte allein der Erste Weltkrieg, und zahllose Soldaten sowie zivile Opfer litten noch Jahre später unter den traumatischen Folgen des Krieges. Der Opfer der Weltkriege zu gedenken war das Anliegen der „Kunstgebung“, zu der der Kreischorverband Bremen und das Bremer Friedensforum am Vortag des Weltfriedenstages eingeladen hatten.

Zu der Gedenkveranstaltung „Kunstgebung“, die von einem großen Netzwerk aus politischen und kirchlichen Einrichtungen organisiert worden war, kamen am Vortag des Weltfriedenstages rund 200 Teilnehmer an der Gedenkstätte Altmannshöhe in den Wallanlagen zusammen. Das Motto lautete „Aus der Geschichte lernen – wir sagen Nein zum Krieg“.

Rund 100 Chorsänger und Musiker versammelten sich in schwarzer Kleidung entlang der roten Ziegelmauer des Mahnmals. Es gab eine künstlerische Collage aus Musik, Gesang und Wortbeiträgen. Mehrere Redner richteten sich mit eindringlichen Worten ans Publikum. „Der Erste Weltkrieg war kein Verteidigungs-, sondern ein Eroberungskrieg“, betonte zum Beispiel der Bremer Verleger Helmut Donat. „Aus dieser Geschichte sind ganz andere Lehren zu ziehen, als sie uns heute von vielen Journalisten, Historikern, Politikern oder auch dem Bundespräsidenten vorgegaukelt werden“, erklärte er. Mit Krieg und Gewalt lasse sich kein Frieden erzwingen.

Barbara Heller aus dem Sprecherteam des Bremer Friedensforums sagte, das Block-Denken müsse „endlich aus den Köpfen der Menschen herauskommen“. Statt eines Gegeneinanders müsse zu mehr Miteinander gefunden werden. „Ein Beitrag dazu wäre unter anderem der Ausstieg Deutschlands aus der NATO“, zeigte sich Heller überzeugt. Anstatt sich gegenseitig zu bekriegen, sei es zur Friedenssicherung rund um den Erdball wirksamer, „für eine gerechte Verteilung von Rohstoffen zu sorgen.“ Eine weitere Forderung formulierten die Mitglieder der Pusdorfer Friedensgruppe, die von der Bremer Landesregierung mit Flugzetteln fordert, „eine echte Friedenspolitik“ zu betreiben. Gleichzeitig ging die Aufforderung an mehrere Bremer Unternehmen, Waffenherstellung und Waffenexporte einzustellen. „Diese Betriebe verdienen an Krieg“, hieß es. An die Regierung erging der Appell, einen Beauftragten für die Rüstungskonversion, also die Umstellung von militärischen auf die Herstellung ziviler Güter, einzusetzen.

Im Anschluss an den Auftakt der „Kunstgebung“ zogen die Teilnehmer unter Begleitung mehrerer Polizeifahrzeuge vom Mahnmal in den Wallanlagen zum Marktplatz sowie durch die Obern- und Langemarckstraße zum umgestürzten Langemarck-Denkmal an der Hochschule, wo die Abschlussveranstaltung stattfand.

„Es gibt eine starke Verbindungslinie zwischen beiden Mahnmalen“, erklärte Volkert Ohm vom Friedensforum: Beide seien zu der Zeit des Nationalsozialismus erstellt worden, um die Toten des Ersten Weltkrieges zu heroisieren. „Vor allem der Langemarck-Mythos trieb in dieser schlimmen Zeit Blüten“, sagte Ohm. „Diesen traurigen Irrglauben wollen wir mit unserer Veranstaltung entlarven“, erklärte er.

Während des Marsches versahen mehrere Demonstranten die Straßenschilder der Langemarckstraße mit Textil-Überziehern. Darauf war ein Straßenname zu lesen, den die Mitglieder der Bremer Friedensbewegung schon seit Jahren fordern: In „Friedensallee“ solle die Straße in der Neustadt umgetauft werden. Allerdings sind zahlreiche Anträge bislang von mehreren Behörden abgelehnt worden. „Vielleicht bleiben die Überzieher wenigstens für einen Tag drauf“, hofften Ohm und seine vielen Mitstreiter.

Die begleitenden Polizisten nahmen an der „Kunst-Performance“ (Ohm) keinen Anstoß und ließen die Demonstranten gewähren.

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